BLKÖ:Steyerer, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 38 (1879), ab Seite: 325. (Quelle)
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Steyerer, Anton (gelehrter Jesuit, geb. zu Bruneck im Pusterthale Tirols am 31. August 1673, gest. zu Dresden am 26. April 1741). Er erscheint auch Steurer und Steyrer geschrieben. Trat im Jahre 1690, damals 17 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er seine Studien beendete, worauf er, sobald er die Priesterweihe erlangt, den beiden Töchtern des Kaisers Joseph I., der Erzherzogin Maria Josepha, nachmaligen Gattin Friedrich Augusts von Sachsen, und der Erzherzogin Maria Amalia, nachmaligen Gattin Karl Albrechts von Bayern, als Erzieher und Beichtvater beigegeben wurde. Als die Aeltere, Maria Josepha am 20. August 1719 sich mit Friedrich August von Sachsen vermälte, folgte er ihr nach Dresden und blieb ihr Gewissensrath bis an ihr Lebensende. Die Muße seines geistlichen Amtes benützte Steyerer zu historischen Forschungen und speicherte in dieser Richtung reiche Materialien auf. Im Druck ist verhältnißmäßig nur wenig aus seiner Feder erschienen, so: „Commentarii pro historia Alberti II. Ducis Austriae cognomento Sapientis“, d. i. Allerhand Nachrichten zur Historie Albrechts II. Herzogs von Oesterreich, mit dem Zunamen des Weisen (Leipzig 1725, Fol, mit KK.) dieses Werk enthält viele bis dahin ungedruckte Urkunden und unbenützte Beweisstellen, welche ebenso über die Geschichte Oesterreichs im Allgemeinen wie über jene Tirols insbesondere Aufschlüsse enthalten; – „Leben und Lehre Jesu Christi des Sohnes Gottes und Mariä nach den Evangelisten“ 4 Theile (Regensburg 1745, 4°.; dann ebd. 1762; auch Erfurt 1742, 4°., und Wien 1774, Schulz, 4°.), nach dem Jahre des Erscheinens wäre sonach dieses Werk nach Steyerer’s Tode und nach Einigen ursprünglich in lateinischer Sprache ausgegeben [326] worden. Ungleich mehr ab hat S. in Handschrift hinterlassen. So befinden sich von Steyerer im k. u. k. Haus-, Hof- und Staats-Archive in Wien zwei Bände „Collectanea historica“ (686 S. und 948 S., 4°.), deren Inhalt von Constantin Edler v. Böhm in seinem Werke „Die Handschriften des kaiserl. und königl. Haus-, Hof- und Staats-Archivs“ (Wien 1873, W. Braumüller, 8°.) S. 52 und 53 unter Nr. 115 ausführlich beschrieben wird. Nach Stoeger sollen ebenda noch von S.’s Handschriften sich befinden: „Syllabus Bullarum, Diplomatum, Literarum et aliorum documentorum, Tomi 6“ und „Matricula Jurisdictionis Episcopatus Misnensis in Saxonia de anno 1346. Excerptum ex Archivo Episcopatus“ (77 Folio-Seiten). Stoeger erwähnt ferner, daß Steyerer an einer Geschichte des Erzhauses Oesterreich und Denkreden (Elogia) auf die Erzherzoginen des Hauses Habsburg geschrieben habe, welche jedoch Handschrift geblieben – Schlözer berichtet in seinem „Briefwechsel meist histor. und politischen Inhalts“ (Jahrg. 1777, pag. 205) über Steyerer’s historische Sammlungen. – Stoeger erzählt noch, daß S. diese Sammlungen dem Geschichtsforscher Marquard Herrgott [Bd. VIII, S. 365], auf etliche Tage zur Einsicht gegeben, Marquard aber dieselben eiligst habe abschreiben lassen (was ja so ziemlich einem Vertrauensbruche ähnlich sieht), welche Abschriften dann im Stifte St. Blasien aufbewahrt wurden. Die Originale jedoch seien zerstreut worden und theils in Dresden geblieben, theils nach Prag gekommen. Nach der von C. von Böhm im oben genannten Werke mitgetheilten Uebersicht der historischen Collectaneen Steyerer’s scheinen dieselben manches Werthvolle und Beachtenswerthe zu enthalten.

Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex.-8°.) p. 339 [schreibt ihn Steurer]. – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde. Herausgegeben und redigirt von Johann Paul Kaltenbäck (Wien, 4°.) Jahrg. 1836, S. 56. – Staffler (Johann Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen u. s. w. (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.), Bd. VI, S. 175 [schreibt ihn Steyerer und berichtet, daß seine Collectaneen zur österreichischen Geschichte von Rudolph I. bis Friedrich IV. dreizehn Foliobände gebildet haben]. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien 4°.) Jahrg. 1810, Seite 418.