BLKÖ:Stigelli, Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stifter, Adalbert
Band: 39 (1879), ab Seite: 41. (Quelle)
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Stigelli, Georg (Sänger, geb. zu Ingstetten, einem Dörfchen auf der Würtemberg’schen Alp, im Jahre 1819). Wenngleich nicht in Oesterreich geboren, brachte Stigelli doch einen großen Theil seines Lebens auf Bühnen des Kaiserstaates zu, so daß seine Aufnahme in dieses Werk gerechtfertigt erscheint. Stigelli ist nur die Verwelschung seines schwäbischen Namens Stiegele. Stigelli zeigte in früher Jugend gute musikalische Anlagen, vornehmlich für den Gesang. Auf Zureden seiner Freunde gab er das juridische Studium, dem er sich bereits zugewendet hatte, wieder auf, um sich ganz auf die Ausbildung seiner klangvollen Tenorstimme verlegen zu können, wozu sich ihm bei den berühmten Sängern Binder, Jäger. Krebs, welche damals auf der Stuttgarter Bühne wirkten, auch genug Gelegenheit darbot. Nachdem er noch durch einen ersten gelungenen Versuch auf der heimischen Bühne die Beglaubigung für seine Sängerzukunft [42] erhalten hatte, widmete er sich der theatralischen Laufbahn, und zwar zunächst auf lauter österreichischen Bühnen, wie Linz, Pest, Wien, und mit durchwegs günstigen Erfolgen. Auf diese Weise im Gesange immer mehr gebildet, beschloß er, zur Vollendung seiner Kunst einen Curs in Paris und dann in Mailand zu nehmen, und so widmete er noch drei Jahre unausgesetztem Studium, in der Seinestadt unter Ponchard, in Mailand unter einem damals vielgesuchten Maestro Cavaliere Micherouk, hinter welchem Namen ein Böhme zu stecken scheint. Nun für den Gesang in der Oper vollkommen ausgebildet, sang er vorerst auf italienischen Bühnen und mochte da seinen schwäbischen Namen Stiegele in Stigelli oder Stighelli, wie er auch geschrieben erscheint, umgewandelt haben. Er sang in dem zu jener Zeit noch österreichischen Italien auf den Bühnen von Mantua, Padua, Lodi, dann in Mailand, und zwar zuerst im Theater Carcano, später im Teatro della Scala, auf welcher Bühne nur Sänger ersten Ranges zugelassen werden. Das Bewegungsjahr 1848 unterbrach seinen Triumphzug auf den italienischen Bühnen, und Stigelli, genöthigt, Italien zu verlassen, wendete sich Deutschland zu. In Frankfurt am Main wirkte er nunmehr als Sänger und Gesangslehrer. Im Jahre 1849 begab er sich nach London und fand solchen Beifall, daß er im Frühjahr 1850 wiederkehrte, worauf er im Coventgarden-Theater für mehrere Jahre engagirt wurde. Zur Zeit, als Cornet [Bd. III, S. 3] das Wiener Hof-Operntheater dirigirte, trat Stigelli als Gast auf. Im Jahre 1861 wurde er auch engagirt und sang unter anderen den Sever in der „Norma“, doch mit nicht ganz glücklichem Erfolge. Die Schicksale auf seiner weiteren Künstlerlaufbahn sind mir unbekannt. Ob der im Jahre 1866 im Stadttheater zu Mainz als Helden- und Spieltenor angestellt gewesene Stiegele unser Stighelli ist, weiß ich nicht. S. hat sich auch mit einigem Glück in der Lieder-Composition versucht. Seine Composition zu Heine’s Gedicht „Die schönsten Augen“. Op. 2, für Bariton und Alt, ist volksthümlich geworden und wird auch jenseits des Oceans, ja überall gesungen, wo schöne Augen einen des Sanges kundigen Jüngling anglühen. Ein Seitenstück dazu: „Der schönste Ort“, Gedicht von Dr. Keferstein, schrieb er als Duett für zwei weibliche Stimmen, und ist dasselbe in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“ [Bd. XVIII, S. 236] abgedruckt. Ein anderes Lied: „Ob sie wohl kommen wird“, für Tenor und Sopran, trägt die Opus-Nummer 9. Sonst sind dem Herausgeber von Stigelli’s Compositionen noch bekannt: „Abschieds-Empfindung“, Lied für Sopran oder Tenor; – „Abschied“, von Uhland, für Tenor und Chor ad libit., und „Das Herz für unser Volk“, gleichfalls von Uhland, für tiefen Tenor; – „Vier Lieder von Uhland“, für Tenor oder Mezzosopran; – „Venezianisches Gondellied“. Stigelli’s Liedercompositionen ist Grazie und volksthümliche Melodie nicht abzusprechen.

Waldstein (Max), Theater-Geschichten (Wien, Pesth, Leipzig 1876, A. Hartleben, 12°.) S. 216 u. f. – Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik (herausgegeben von dem Fürsten Czartoryski, Wien, Wallishausser [Klemm], 4°.) VII. Jahrgang (1861), S. 617. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.), Band XVIII, 10. April 1852, Nr. 458, S. 236.
[43] Porträt. In vorbenannter „Illustrirter Zeitung“ sein Bildniß im Holzschnitte, ohne Angabe des Zeichners und Xylographen.