BLKÖ:Stoklin, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 145. (Quelle)
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Stoklin, Johann (k. k. Oberst, geb. zu Karlstadt in Croatien am 9. October 1813, gest. zu Cilli in Steiermark am 25. März 1875). Im J. 1825 trat er in die Wiener-Neustädter Militär-Akademie ein, aus welcher er im October 1833 als Fähnrich zu Mayr von Heldenfeld-Infanterie Nr. 45 ausgemustert wurde. Im Regimente rückte er 1837 zum Lieutenant, 1845 zum Oberlieutenant, 1848 zum Hauptmann zweiter, 1849 zum Hauptmann erster Classe und Ende Jänner 1858 zum Major vor. Im October 1860 kam er als Oberstlieutenant zum Infanterie-Regiment Graf Coronini Nr. 6, dessen Oberst und Commandant er am 1. Mai 1865 wurde. Im März 1867 trat er in den Ruhestand, kehrte aber schon am 3. Juni 1868 als Oberst zu seinem Regimente zurück. Am 1. October d. J. in den bleibenden Ruhestand versetzt, lebte er anfänglich in Agram, später in Cilli, wo er auch, 62 Jahre alt, starb. Stoklin machte die Feldzüge 1859 in Italien, 1864 gegen Dänemark, 1866 wider Preußen mit. In letzterem Kriege kämpfte er als Oberst mit zehn Compagnien seines Regiments und einer halben Escadron des 4. Huszaren-Regiments von Cseh am 29. Juni gegen die ganze Avantgarde-Brigade des ersten preußischen Garde-Corps, nämlich gegen vier Füselier-Bataillons, zwei Jäger-Compagnien und drei Huszaren-Escadronen, mit einer vier- und einer sechspfündigen Batterie. Der Kampf währte über drei Stunden. Die Aufgabe jener zehn Compagnien war: den Rückmarsch der übrigen acht Compagnien des Regiments, welche den aus Trautenau gekommenen Train des zehnten von Feldmarschall-Lieutenant Baron Gablenz befehligten Corps nach Jaroměř escortirten, und den Rückzug der Arrièregarde dieses Corps zu decken. Dieser Uebermacht gegenüber war der Kampf der zehn Compagnien ein verzweifelter, nur zu bald wurden sie von dem Gegner in beiden Flanken gefaßt, worauf sich das Gefecht in erbittertster Weise in den engen Gassen der Stadt fortsetzte. Oberst Stoklin wurde gleich zu Anbeginn des Kampfes schwer verwundet, und der Oberstlieutenant, ebenfalls schon blessirt, eilte vom Verbandplatze zurück, um den Befehl zu übernehmen, aber bald machte eine zweite Wunde ihn kampfunfähig. Sämmtliche berittene Officiere hatten im Gefechte bereits die Pferde unter dem Leibe verloren; die meisten Abtheilungen fochten nur mehr vereinzelt auf eigene Faust um die zur Deckung des Rückzuges haltbaren Objecte. Da kam es wenige hundert Schritte von der Elbe zu einem kurzen, aber äußerst erbitterten Kampfe um nichts Geringeres als das Palladium des zweiten Bataillons, um seine Fahne. Alle Officiere des Bataillons waren längst verwundet, und der Fahnenführer Schick wehrte sich gegen den in hellen [146] Haufen auf ihn eindringenden Feind wie ein Löwe. Tödtlich getroffen, brach er, fest das Palladium noch haltend, zusammen; zwei preußische Soldaten versuchten, die Fahne der dieselbe krampfhaft umklammernden Rechten zu entreißen, aber der Zugführer Gutmann Fischer (zu Petervasello in Ungarn 1839 geboren) sprang hinzu und hieb die beiden Preußen nieder. Ihrem Führer folgten nun mit begeistertem Muthe die übrigen Leute seines Zuges und drangen auf die feindlichen Garde-Füseliere mit solcher Erbitterung ein, daß mehrere derselben unter den Bajonneten der Unseren auf dem Platze blieben, die übrigen aber die Flucht ergriffen. Fischer jedoch, obwohl von Wunden bedeckt, brachte unter dem Schutze des Restes seines Zuges das Kleinod des Bataillons über die Elbe glücklich in Sicherheit. Der Commandant dieses braven Regiments, Oberst Stoklin gerieth unter der schweren Verwundung hilflos in feindliche Gefangenschaft. Später wieder frei geworden, erhielt er am 3. October 1866 für die ruhmvolle Führung seines Regiments im Königinhofer Gefechte den Orden der eisernen Krone dritter Classe, überdies ward ihm aber die noch größere Auszeichnung zutheil, daß er ob seiner Verwundung an der linken Hand von da ab das Recht hatte, sein Regiment mit versorgtem Säbel zu commandiren, ein Vorrecht, womit, so weit dem Herausgeber dieses Lexikons bekannt ist, bisher noch kein Stabsofficier der kaiserlichen Armee ausgezeichnet wurde.

Svoboda (Johann), Die Zöglinge der Wiener-Neustädter Militär-Akademie von der Gründung des Institutes bis auf unsere Tage (Wien 1870, Geitler, schm. 4°.) Sp. 575. – Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1875, Nummer vom 31. März in der „Kleinen Chronik“.