BLKÖ:Streicher, Heinrich Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 11. (Quelle)
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Streicher, Heinrich Freiherr von (k. k. Oberst und Oberlieutenant der Trabanten-Leibgarde und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Innsbruck im J. 1800, gest. zu Döbling nächst Wien am 27., n. A. 28. März 1865). Sohn eines Advocaten zu Innsbruck, beendete er daselbst die philosophischen Studien. Im December 1821, 21 Jahre alt, trat er als Gemeiner in das Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment, in welchem er nicht nur die unteren Chargen durchmachte, sondern auch die Officiersgrade bis zum Major erlangte, und zwar rückte er am 16. Jänner 1830 zum Unterlieutenant, Anfangs April 1835 zum Oberlieutenant, am 15. November 1844 zum Capitän, am 16. Juli 1847 zum wirklichen Hauptmann, endlich am 4. Jänner zum Major auf. Am 21. Juli 1852 wurde er, unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberstlieutenant, als Oberlieutenant in die Trabanten-Leibgarde übersetzt, in welcher er bis zum Jahre 1863 verblieb, wo er wegen seiner durch die in den Schlachten empfangenen Wunden geschwächten Gesundheit mit dem Charakter eines Obersten in den bleibenden Ruhestand übertrat. Diesen genoß er nur noch zwei Jahre, da er im Jahre 1865 den Seinen durch den Tod entrissen wurde. – In den Rahmen seiner 42jährigen Dienstzeit fallen mehrere ausgezeichnete Thaten, deren hier in gedrängter Kürze Erwähnung geschieht. Als im Jahre 1848 in der Lombardie die Revolution ausbrach, stand Streicher als Hauptmann mit seinem Regiment in Italien. Er nahm mit dem zweiten Bataillon an allen darauf folgenden Gefechten und Schlachten rühmlichsten Antheil. Unter Oberst Benedek führte er den Ueberfall auf Marcaria, am 6. April, aus; focht dann bei Castellare, 23. April, bei Santa Lucia, Montanaro, Vicenza, bei der Erstürmung von Madonna del Monte, in der Schlacht von Custozza und im Gefechte bei Volta. In letzterem erkämpfte er sich das höchste militärische Ehrenzeichen, den Maria Theresien-Orden, welcher ihm im Capitel des Jahres 1849 zuerkannt wurde. Es war am 26. Juli das zweite Bataillon zur Besetzung der Höhe bei Volta rechts von der Straße nach Goito beordert worden. Streicher kam mit seiner Compagnie auf den äußersten rechten Flügel. Ungedeckt behauptete er seine Stellung, ungeachtet das concentrirte feindliche Geschützfeuer gegen seine Abtheilung gerichtet war; zwei Angriffe, welche später folgten, schlug er entschieden [12] ab. Gegen halb elf Uhr Nachts erhielt er durch eine Patrouille Meldung, daß der Feind am linken Flügel und im Rücken des Bataillons aus dem Hohlwege debouchire und in den Pfarrhof rücke. Dieses castellartig gebaute, mit Thürmen und Mauern versehene Gebäude war durch seinen Bau am leichtesten haltbar und konnte durch seine hohe Lage auch am besten vertheidigt werden. Hauptmann S. traf sofort seine Anordnungen und führte selbst eine halbe Compagnie auf die bedrohte Stelle. Aber als er dort ankam, fand er den Eingang der Pfarrei bereits von Piemontesen besetzt, ferner auf dem Plateau eine andere Abtheilung aufgestellt, welche sich durch die aus dem Hohlwege im Schutze der Nacht heranschleichenden Soldaten immer mehr verstärkte. Hier galt nun kein längeres Besinnen. Die Wichtigkeit der Stellung heischte sofortigen Angriff, und mit seiner kleinen Abtheilung warf sich Streicher auf den überlegenen Gegner. Ob der Dunkelheit der Nacht unternahm er den Angriff mit dem Bajonnete. Mit eigener Hand machte er mit dem Säbel drei Feinde nieder. Nach heftigem und langem Kampfe begann der Feind zu weichen. S. drängte ihn vom Plateau in den Hohlweg zurück, in welchem aber eben eine feindliche Angriffscolonne den Geworfenen zu Hilfe anrückte. Der Kampf wurde nun immer erbitterter, Streicher selbst war mit dem Bajonnete an der Brust wiederholt und schwer verwundet worden; aber um den Muth seiner Leute nicht erkalten zu lassen und um das Begonnene rühmlich zu Ende zu führen, harrte er trotz seiner Verwundung aus, zumal bereits sein Oberlieutenant getödtet und sein Lieutenant durch mehrere Stiche kampfunfähig geworden. Ein Drittheil seiner Mannschaft war schon im Kampfe gefallen, aber er behauptete standhaft das Schlachtfeld, und erst als das Blut aus seinen Wunden heftig hervorrieselte, ließ er von seinen Jägern sich einen Verband anlegen. Immer mehr und mehr feindliche Truppen drangen heran, von allen Seiten brachen sie hervor, da nahm er im Pfarrhofe Stellung und behauptete diesen. Seine schwere Verwundung hielt ihn lange an das Krankenlager gefesselt. Doch kaum genesen, rückte er wieder ins Feld und machte den denkwürdigen Feldzug des Heldenmarschalls im Frühling 1849 mit. Im Gefecht bei Gravellone, 20. März, in den Schlachten bei Mortara und Novara, bei der Einnahme von Livorno, 11. Mai, kämpfte er mit gewohnter Bravour, dann wohnte er dein Zuge ins Römische, der Entwaffnung der Städte Loretto und Ricanati und der Cernirung von Ancona bei, überall Proben seines bewährten Muthes gebend. Seine, wenngleich geheilten Wunden erschwerten ihm den Dienst in der activen Armee, daher erfolgte im Jahre 1852 seine Uebersetzung zur kaiserlichen Trabanten-Leibgarde. In der 153. Promotion (vom 29. Juli 1849) ward ihm das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, im Jahre 1856, den Ordensstatuten gemäß, der erbländische Freiherrenstand verliehen. Streicher hinterließ mehrere Kinder; zwei seiner Söhne dienen in der kaiserlichen Armee: Alois, Hauptmann im Tiroler Jäger-Regiment Kaiser Franz Joseph, erkämpfte sich, in die Fußstapfen seines Vaters tretend, im Feldzuge 1859 bei Magenta (4. Juni) das Militär-Verdienstkreuz und 1866 bei Custozza [13] (24. Juni) den Orden der eisernen Krone dritter Classe mit der Kriegsdecoration. – Sein Bruder Johann wurde 1866 Oberlieutenant im Kaiser-Jäger-Regimente und 1870 dem Generalstabe zugetheilt.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1875, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1587 und 1782. – Oesterreichischer Militär-Kalender. Herausgegeben von Hirtenfeld und Meynert (Wien, kl. 8°.) Jahrg. 1866, S. 209. – Oesterreichischer Volks- und Wirthschafts-Kalender (Wien, Schweiger, später Seidel , dann Prandl, gr. 8°.) 1867. – Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) XX. Jahrg. (1865), Nr. 41. – Der Kamerad (Wiener Soldatenblatt, 4°.) 1865, Nr. 27. – Freiherrenstands-Diplom ddo. Wien 19. März 1856.
Wappen. Quadrirter Schild. Im oberen rechten, sowie im unteren linken schwarzen Felde ein rechtwärts aufspringender goldener Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge, in der rechten vorderen Pranke einen Säbel am goldenen Kreuzgriffe über sich schwingend und von zwei in jedem Oberwinkel eingestellten goldenen Sternen begleitet. Das obere linke und das untere rechte rothe Feld durchzieht eine silberne, schwarz ausgefügte Zinnenmauer, hinter welcher ein gleicher gezinnter Thurm mit zwei nebeneinander ausgebrochenen Schießfenstern hervorgeht. Auf dem Schilde ruht die Freiherrenkrone mit den goldgekrönten Turnierhelmen. Aus der Krone des mittleren Helmes wächst ein dem im Schilde ersichtlichen ähnlicher Löwe mit dem Säbel hervor, aus jener des rechten schwingen sich drei schwarze Straußfedern, deren mittlere mit einem goldenen Stern belegt, und die Krone des linken Helmes trägt einen dem im Schilde erscheinenden ähnlichen Thurm. Helmdecken. Der mittlere Helm trägt rechts schwarze mit Gold, links rothe mit Silber, der rechte zu beiden Seiten schwarze mit Gold, der linke ebenso rothe mit Silber unterlegte Helmdecken. Schildhalter. Zwei einwärtsgekehrte goldene Greife mit ausgeworfenen rothen Zungen, welche auf einer goldenen Arabeske fußen.