BLKÖ:Strnischtie, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Strobach, Anton
Band: 40 (1880), ab Seite: 53. (Quelle)
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Strnischtie, Joseph (Geschichtsforscher, geh, zu Rosoch im Iglauer Kreise Mährens am 1. März 1787, gest. zu Brünn am 8. September 1864). Nachdem er die Normal- und Gymnasialclassen zu Brünn beendet hatte, trat er im Jahre 1805 in die Dienste des Grafen Heinrich von Haugwitz auf Namiest, eines als Verehrer und Pfleger der Künste und Wissenschaften bekannten Cavaliers, und fungirte in der herrschaftlichen Wirthschaftsbuchhaltung, in welcher er im Jahre 1814 zum Vorsteher ernannt wurde. Als solcher erwarb er sich durch Ordnen des herrschaftlichen Archivs ein großes Verdienst. Im Jahre 1845 trat er in den Ruhestand und übersiedelte nach Brünn, wo er seine Muße humanitären Zwecken mit anerkennenswerther Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit widmete. So führte er über 25 arme Waisen die Vormundschaft, besorgte durch sieben Jahre die Rechnungen bei dem Pfarr-Armeninstitute zu St. Jacob in Brünn, unterstützte mit seinen Arbeiten verschiedene Sectionen der mährisch-schlesischen Ackerbaugesellschaft und entwarf über Aufforderung der k. k. Gerichtseinführungs-Commission einen Entwurf nebst Instruction für die Uebergabe des von den Communal- und Patrimonial-Gerichten verwalteten Waisen- und Curanden-Vermögens. Während er noch seines Amtes in Namiest waltete, richtete er seine Aufmerksamkeit auf die dort aufbewahrten in schöner böhmischer Sprache geschriebenen Grund- und Waisenbücher aus jener denkwürdigen Zeit, da der berühmte Karl von Zierotin Besitzer von Namiest war, ferner auf die Correspondenz und die amtlichen Berichte des dirigirenden ersten Staatsministers Friedrich Wilhelm Grafen von Haugwitz [Bd. VIII, S. 68] aus der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia. Seine Auszüge und Aufzeichnungen aus diesen Handschriften sind das Einzige, was von den letzteren sich erhalten hat, denn nach seinem Amtsaustritte wurden dieselben durch Gott weiß welchen ebenso unfähigen als unwissenden Beamten den Flammen übergeben, wodurch für Oesterreichs Zeit- und Culturgeschichte ein unersetzlicher Verlust erwuchs. Auch aus anderen Grund- und Waisenbüchern, aus Kirchenmatrikeln sammelte er Memorabilien, ferner copirte er mit aller Genauigkeit Grab-, Glocken- und sonstige Inschriften, machte behufs Niederschreibung der Geschichte einzelner Adelsfamilien, wie z. B. der Freiherren von Roden, der Grafen von Haugwitz, genealogische Studien, kurz, brachte durch Copirung von Urkunden mannigfachen Inhaltes, von Privilegien, Stiftungen, Testamenten, Contracten u. dgl. m. ein sehr ansehnliches historisches Material zusammen, welches um so werthvoller ist, als die Originale theils ein Raub der Flammen geworden, theils durch den Zahn der Zeit und andere Einflüsse der Vernichtung anheimgefallen. Als er im Jahre 1864 starb, übergaben seine beiden Söhne Hermann, k. k. Steuer-Inspector zu Olmütz, und Karl, k. k. Steuer-Einnehmer zu Boskowitz, die handschriftliche Hinterlassenschaft des Vaters, von welcher unten in den Quellen eine gedrängte Uebersicht folgt, dem Vorstande der historisch-statistischen Section der mährisch-schlesischen Ackerbau-Gesellschaft [54] in Brünn, welcher dieselbe den Sammlungen der Gesellschaft einverleibte.

Uebersicht der handschriftlichen Mährens und Schlesiens Geschichte betreffenden, jetzt im Archive der mährisch-schlesischen Ackerbau-Gesellschaft hinterlegten Sammlungen des Jos. Strnischtie. Urkunden-Sammlung, bestehend aus sieben gebundenen Bänden und acht Heften, enthaltend 482 Urkunden auf 1792 Seiten. – Urbarium der Grafschaft Namiest, zur Zeit der gräflich Verdenberg’schen Regierung genannt worden Zierotin’sches Urbarium ab anno 1545 (143 S.), ein interessantes altes Document. – Register über verschiedene unter Bürgschaft gestellte Individuen. Anfangend vom Jahre 1570, nebst Verzeichniß der Individuen, so sich in die Namiester Unterthänigkeit begeben haben. Als Beitrag zur Zeitgeschichte interessant. 24 S. – Urbari-Buch der Herrschaft Namiest vom Jahre 1640. 81 S. – Urbarium ab anno 1710 bei der gräflich Verdenbergischen Regierung. 67 S. – Lahns-Visitations-Instrument der Grafschaft Namiest vom Jahre 1674. Zur Devolution über Grundbesitzveränderungen damaliger Zeit wichtig. 87 S. – Memorabilia aus dem Namiester Archive. 157 S. – Memorabilia aus den Tagesbegebenheiten 1834 bis inclusive 1838. 142 S. – Verschiedene geschichtliche Notaten, chronologisch bearbeitet. 47 S. – Memorabilia aus dem Bitescher Stadtarchive. 98 S. – Memorabilia, betreffend die aus der Zierotin’schen Besitzzeit stammenden im Namiester Archive befindlichen Grundbücher, Waisenregister und Urbarium von der Herrschaft Namiest. 25 S. – Memorabilia, betreffend den Markt Namiest. 24 S. – Namiester obrigkeitlicher Besitzstand in den Jahren 1732–1752, dann das Kirchenvermögen im Jahre 1834 betreffend, tabellarische Uebersichten. 15 S. – Notaten, betreffend das Dominium Namiest als Grafschaft. – Geschichtliche Notaten über die Grafschaft Namiest und respective über die Besitzer derselben bis auf gegenwärtige Zeiten. 16 S. – Notaten, betreffend die gräflich Collalto’sche Familie in Beziehung auf den Tutelar-Proceß, respective das gräflich Collalto’sche Fideicommiß. – Ursprung des Marktes Rossitz und Erbauung des Schlosses. – Oberamtleute der Herrschaft Pernstein vom Jahre 1650 bis 1828. – Kurzer Abriß der Steuerverfassung Steiermarks. – Darstellung der Statuen auf der Prager Brücke. – Das Znaimer Gymnasium. Ein Versuch, dasselbe in seiner politischen Verfassung historisch darzustellen. – Kurze historisch-statistisch-topographische Uebersicht des Znaimer Kreises. – Namiester Memorabilia aus den Jahren 1823–1831. – Memorabilia der Marktgemeinde Scheibbs in Oesterreich. – Memorabilia, ausgezogen aus den Namiester Pfarrmatrikeln. 58 S. – Matrica Decanatus Trebitschensis. 58 S. – Memorabilia aus den Herrmannschlager Matrikeln. 25 S. – Memorabilia aus den Jeneschauer, Kržover, Bittischker, Mobelnoer, Bitescher, Brzniker, Hartikowitzer und den oberamtlich Namiester alten Registraturacten. – Memorabilia aus den herrschaftlich Ossowaer Grundbüchern. – Memorabilia aus den Tagesbegebenheiten der Jahre 1838 und 1839. 66 S. – Sammlung von Grab-, Glocken-, Gebäude- und anderen Inschriften, mit Abbildungen. Erstes Heft. – Verzeichniß der vom Jahre 1620–1622 den böhmischen Rebellen confiscirten Güter nebst mehreren einschlägigen Nachweisungen. – Mehrere Stammbäume von Adelsgeschlechtern. – Drei türkische Reisepässe. – Attest und Paß von dem Patriarchen von Antiochien. – Notaten, betreffend das dem Kloster Herzogenburg gehörige Güter Podensee in Oesterreich. – Besitzer und Regenten der Grafschaft Namiest. – Memorabilia, ausgezogen aus den gräflich Verdenberg’schen Acten. Notizen über die Erbschaft der gräflich Roden’schen Waisen zu Meseritsch im Prerauer Kreise. – Notizen über eine gräflich Verdenberg’sche Erbschaft nach Frau Anna Franziska, verwitweten Gräfin von Schallenberg, geborenen Gräfin von Schärfenberg. – Zutheilung der in Mähren befindlichen Freisassengüter. – Genealogische Notizen, die freiherrlich Roden’sche Familie betreffend. – Notizen aus dem Schlattener Archiv. – Religionsfonds und Exjesuiten-Güter in Mähren. – Summarischer Extract der Herrschaften und Güter des Brünner Kreises. – Extractus catastri provinciae. – Fundations-Instrument über das Spital in Namiest. – Kaufcontract um das Kapuzinerkloster in Namiest. – Die Herrschaft und das ehemalige Cistercienser-Kloster Tischnowitz betreffende Pacht- und Kaufverträge. – Kauf- und Verkaufsvertrag [55] über die Herrschaft Hrottowitz ddo. 17. Jänner 1826. – Specification, wie alle Herrschaften und Güter des Markgrafenthums Mähren in Lahnen und Kaminen bestehen. – Bruchstück einer Literaten-Ordnung für Gewitsch von Johann Żalkowsky von Żalkowitz. – Catalogus patrum et fratrum capucinorum provinciae Bohemiae et Moraviae. 1759. – Poslední vůle Krále Vladislava. 1526. – Freiherrenbrief für Joh. Friedr. und Joh. Ehrenreich von Seelau 1682.
d’Elvert (Christian von), Notizenblatt der historisch-statistischen Section der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde (Brünn, Lud. M. Rohrer, 4°.) Jahrg. 1868, S. 4.