BLKÖ:Szerdahelyi, Coloman

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 42 (1880), ab Seite: 130. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1051219299, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Szerdahelyi, Coloman|42|130|}}

Szerdahelyi, Coloman (Schauspieler, geb. zu Miskolcz 16. Februar 1829, gest. zu Nagybánya 15. November 1872). Joseph Szerdahelyi [s. S. 135], ein sehr beliebter Komiker der Miskolczer Bühne und zugleich Componist, wollte seinen Sohn Coloman nicht auch Schauspieler werden lassen, sorgte daher für eine gute Erziehung und Ausbildung desselben und schickte ihn auf die Schulen in Kaschau, Pesth und Klausenburg. Als der Sohn das 13. Lebensjahr erreicht hatte, überraschte er seinen Vater in nicht geringem Maße durch das Geständniß, [131] daß er auch Schauspieler werden wolle und eine unabweisbare Vorliebe für diesen Stand habe. Dennoch gelang es den Vorstellungen und Ermahnungen des Vaters, den Sohn noch zwei Jahre hinzuhalten; länger aber ließ sich derselbe nicht beirren, sondern trat 1844, im Alter von 15 Jahren bei der Truppe ein, welche zu jener Zeit in Klausenburg spielte. 1848 focht er als Lieutenant in den Reihen der Honvéds. Nach Niederwerfung der Revolution gerieth er in Temesvár in Gefahr, der Bühne für immer entzogen zu werden, da er als Recrut in die österreichische Armee eintreten sollte. Aber einige einflußreiche Freunde nahmen sich seiner an, und es gelang ihm, frei zu werden und der Bühne erhalten zu bleiben, die für ihn im Fall eines 14jährigen Gamaschendienstes verloren gewesen wäre. Nachdem er auf verschiedenen kleineren Bühnen als Mitglied von Wandertruppen gespielt hatte, kam er im April 1854 nach Pesth. Hier nahm das Wanderleben, das er bis dahin geführt, ein Ende, er erhielt an dem Nationaltheater eine Anstellung und befand sich somit am Ziele seiner Wünsche, da er ja als ungarischer Schauspieler mehr zu erreichen nicht im Stande war. Bald fesselte er die Aufmerksamkeit des Publicums, und die Intendanz konnte sicher auf ein volles Haus rechnen, wenn Szerdahelyi’s Name auf dem Theaterzettel stand. Mit Bartha, Megyeri [Bd. XVII, Seite 267], Fancsy [Bd. IV, S. 142], Szentpétery [s. d. Bd., S. 106], Egressy [Bd. IV, S. 4], Joseph Tóth, Lendvay [Bd. XIV, S. 354] zählte er zu den Zierden des Theaters. Viele Rollen im modernen, wie im classischen Drama hat er geschaffen, die Titel seiner besten sind auf die Blätter des Kranzes auf seinem Bildnisse [siehe S. 132 seine Porträte] gedruckt. Wir fügen noch jene des „Mercutio“ und des Narren im „König Lear“ hinzu. Als er starb, zeigte das Nationaltheater das Ableben des Künstlers folgendermaßen an: „Die ungarische Schauspielkunst ist in Trauer gehüllt! Coloman Szerdahelyi, der vorzügliche Schauspieler, der Mann von ausgezeichneter Bildung, der liebenswürdigste Freund ist nicht mehr! An dieser Trauer muß Jedermann, den er auch nur einmal durch seine Kunst hingerissen, der auch nur einmal mit ihm in Berührung kam, gleich seinen Freunden theilnehmen. Die Direction und das Personal des National-Theaters erfüllen eine sehr traurige Pflicht, indem sie dem Publicum diese Trauerkunde melden und durch ein äußeres Zeichen den tiefen Schmerz über den großen Verlust kundgeben, welcher das Institut und die ungarische Schauspielkunst getroffen“. Daß er für die Bühne auch als Uebersetzer thätig gewesen, erfahren wir aus dem von Stephan Toldy herausgegebenen Sammelwerke: „Nemzeti szinház“, d. i. Nationaltheater, in dessen 2. Hefte Victorien Sardou’s „Die guten Freunde“ unter dem Titel: „A jó barátok“ (Pesth 1863) von Coloman Szerdahelyi übersetzt aufgenommen ist. Er war 43 Jahre 9 Monate alt geworden. Im letzten Jahre seines Lebens an einem Herzübel leidend, suchte er Genesung in Nagybánya; er fand sie nicht, wohl aber den Tod. Erst im reiferen Alter hatte er sich mit Cornelia Prielle, die ihm in künstlerischer Gestaltungskraft ebenbürtig war, vermält. In neuester Zeit betrat Frau Cornelia auch das schriftstellerische Gebiet und berichtete in dem von Thomas Szana herausgegebenen [132] „Koszorú“, d. i. Der Kranz, 1879, Heft 5, über ihre erste Begegnung mit dem Dichter Alexander Petöfi. –

Magyarország és nagy világ, d. i. Das Ungarland und die große Welt (Pesth, 4°.) 24. November 1872, Nr. 47: „Szerdahelyi Kálmán“. – Neue Freie Presse 1872, 2959 in der „Kleinen Chronik“. – Roman-Zeitung (Berlin, Janke, 4°.) 1873. I. Bd., S. 843 [nach dieser in Klausenburg geboren und am 14. November 1872 gestorben]. – Válkai (Imre), Irodalmi és müvészeti Daguerreotypek“, d. i. Literarische und künstlerische Daguerreotypen (Wien 1858, Leop. Sommer, 8°.) S. 125.
Porträte. 1) Lithographie mit dem Facsimile seines Namenszuges: „Szerdahelyi Kálmán“. Barabás fecit 1856. – 2) Unterschrift: „Szerdahelyi Kálmán“. Den Rahmen umgibt in der oberen Hälfte ein von Lorbeerblättern durchschlungenes Trauerband. Auf den Blättern sind Szerdahelyi’s Hauptrollen zu lesen: „Serravezza. Szeleburdi. Tholosan. Lajos. Hajnalosi Block, Kerbriand. Jean. Polilla. Fodrák Miksa.“ Ruß sc., auch im „Magyarország és nagy világ“.