BLKÖ:Teyber, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 111. (Quelle)
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Teyber, Joseph Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Wien 1784, gest. ebenda am 18. Juli 1856). Ein Sohn des im Jahre 1820 in den Adelstand erhobenen Hofsecretärs und Registraturdirectors bei der obersten Justizstelle in Wien, Friedrich von Teyber, und somit ein Neffe der vorgenannten Anton, Elisabeth und Franz, wie dies aus der Lebensskizze des Erstgenannten zu ersehen ist. In der k. k. Genieakademie erzogen, trat er den l. September 1805 als Cadet in das Geniecorps. Schon nach zwei Monaten zum Oberlieutenant vorrückend, wurde er nach Königgrätz beordert, um bei den Arbeiten mitzuwirken, durch welche diese Festung in Vertheidigungszustand versetzt werden sollte. In den Jahren 1808 und 1809 vorerst bei der Befestigung und Vertheidigung des Passes Lueg bei St. Gilgen im Salzburgischen thätig, kam er dann zur Feldgeniedirection der großen Armee und wohnte der Schlacht bei Raab und der Vertheidigung des Brückenkopfes von Preßburg bei. In der Folge nach Brünn entsendet, um den Spielberg vertheidigungsfähig zu machen, führte er diesen Auftrag so schnell und vortheilhaft durch, daß ihm hiefür die Anerkennung höheren Orts zutheil wurde. Im März 1812 bereits Capitänlieutenant, diente er im Feldzuge 1813 in Istrien und Italien. Bei der Leitung der Belagerung des Castells von Triest, bei der Einschiffung daselbst und bei der Landung des k. Truppencorps unter General Grafen Nugent bei Volaus an der italienischen [112] Küste leistete er ausgezeichnete Dienste. Da Comacchio jetzt in Eile in einen gesicherten Waffenplatz umgeschaffen werden mußte, sollte er dieses Werk nach eigenem Projecte durchführen. Kaum hatte er diese Aufgabe gelöst, als er sich auch wieder zum Corps begab und an dem Gefechte bei Ferrara und bei anderen Anlässen thätigen Antheil nahm. Am 1. März 1814 versuchten die Franzosen den Poübergang bei Casalmaggiore zu forciren; Teyber stellte sich der zahlreichen Uebermacht mit wenigen Truppen freiwillig entgegen und vereitelte alle Anstrengungen des Feindes, welcher am folgenden Tage unter den Mauern von Parma dem General Nugent ein erfolgloses Gefecht lieferte. Dem Hauptmann Teyber ward für sein umsichtiges Eingreifen bei Casalmaggiore das Ritterkreuz des Leopoldordens zutheil. Auch an den späteren Vorfällen am Taro, an der Portenura, bei Borgo St. Domino und vor Piacenza war sein Benehmen ein ausgezeichnetes. Mit 1. Juni 1815 zum wirklichen Hauptmann befördert, stand er zu Mainz und leitete die Armirung der Festung. Bald danach begann der letzte Krieg gegen Napoleon. Teyber wurde Chef des Generalquartiermeisterstabes bei dem Corps des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Wallmoden, mit welchem er das Gefecht bei Seltz und die Blockade von Straßburg mitmachte. In der hierauf folgenden Friedensepoche erhielt er die Bestimmung nach Italien und wurde im Jahre 1821 Chef des Geniewesens bei der Armee des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Bubna, welcher das aufständische Piemont in wenigen Tagen zur Ruhe brachte. In sein früheres Verhältniß zurückgekehrt, in welchem er im December 1829 zum Major, im Juli 1838 zum Oberstlieutenant und im December 1843 zum Obersten vorrückte, traf ihn die Bewegung des Jahres 1848 zu Mailand als Fortifications-Districtsdirector, und jetzt hatte er Gelegenheit, durch seine Umsicht und seine energischen Maßregeln, als Feldgeniedirector bei der k. k. Armee in Italien, dem Staate ebenso wichtige als ausgezeichnete Dienste zu leisten. Die Vertheidigung des Castells von Mailand, die schnelle Armirung und Verstärkung der Festungen Peschiera, Verona, Mantua und Legnago, alles unter seiner Leitung durchgeführt, machte zuerst die schnelle Reorganisirung und Concentrirung der Armee in Italien, wie auch die darauf basirte glorreiche Offensive möglich. Im Vorgefühl der Dinge, die da kommen sollten, ging Radetzky’s Augenmerk dahin, in unseren italienischen Provinzen die größeren Städte derart befestigen zu lassen, daß sie mit verhältnißmäßig geringen Kräften beherrscht werden konnten. Durch Teyber trat der Gedanke Radetzky’s sofort in Wirklichkeit; Citadellen und haltbare Abschnitte wurden in den meisten Städten der Lombardie aufgerichtet und ermöglichten, daß der größte Theil der Garnisonen zur operirenden Armee gezogen werden konnte. Aber auch den heißen und glorreichen Treffen bei Santa Lucia, Curtatone und Somma-Campagna wohnte Teyber bei, und erwarb sich derselbe namentlich bei der, nach der Flucht der Piemontesen, in Angriff genommenen Belagerung von Peschiera besondere Verdienste. In Folge so rühmlicher Thätigkeit wurde er mit dem Orden der eisernen Krone zweiter Classe ausgezeichnet und im October 1848 zum Generalmajor ernannt. Mit dieser Beförderung erhielt er die Bestimmung als Fortifications-Districtsdirector nach Wien. Im December 1849 statutenmäßig [113] in den Freiherrnstand erhoben, trat er am 12. Juli 1850 mit Feldmarschall-Lieutenants-Charakter in den Ruhestand über. Er hatte durch 45 Jahre dem Monarchen und dem Staate die ersprießlichsten Dienste geleistet, sich durch umfassende Kenntnisse hervorgethan und der Waffe, welcher er angehörte, bei allen Gelegenheiten Ehre gemacht. Teyber[WS 1] starb im Alter von 72 Jahren.

Militär-Zeitung. Von J. Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) 1856, S. 489: „Nekrolog“. – Hirtenfeld (J. Dr.)[WS 2]. Oesterreichischer Militär-Kalender für das Jahr 1857 (VIII. Jahrg.) (Wien. kl. 8°.) S. 247.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Teybert.
  2. Vorlage: Hirtenfeld (Jos. Dr.).