BLKÖ:Bubna von Littitz, Ferdinand Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 2 (1857), ab Seite: 183. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ferdinand von Bubna und Littitz in der Wikipedia
GND-Eintrag: 122032330, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Bubna von Littitz, Ferdinand Graf von|2|183|}}

Bubna von Littitz, Ferdinand Graf von (Staatsmann und Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Zamersk in Böhmen 26. Nov. 1768, gest. in Mailand 6. Juni 1825). Entstammt einem uralten böhmischen, in die Zeiten der Przemisliden zurückreichenden Geschlechte. Die ältere oder Littitzer Linie – von dem Stammschlosse Littitz in Böhmen so genannt – führt den Grafentitel. Die jüngere Linie, Bubna v. Wahrlich blüht im freiherrlichen und ritterlichen Stande. Die Grafenwürde erhielt Johann Heinrich Freiherr von B. im Jahre 1632. Die Vermögensverhältnisse des gräflichen Stammes waren schon sehr heruntergekommen, als Graf Ferdinand den alten Glanz der Familie wieder erhöhte. Von aller Unterstützung entblößt trat er 16 J. alt als Cadet (10. Sept. 1784) in’s Inftr.-Rgmt. Nr. 57, damals Joseph Colloredo, dann in’s Rgmt. Nr. 34, damals Anton Esterhazy, in jenes Bataillon, welches zur Belagerung Belgrads bestimmt, die Baraken bei Semlin bezog. Erst 1788 (16. Dec.) wurde er zum Fähnrich befördert. In Folge eines Wettstreites, dessen Gegenstand B. war, zwischen Joseph Graf Kinsky, Inhaber des 12. Dragoner-Regiments, und Fürst Esterhazy, in dessen Regiment B. diente, avancirte dieser in zwei aufeinander folgenden Tagen zum Lieutenant und Oberlieutenant. Nach dem Sistower Frieden (1791) kam das Regiment nach Wien. In diesem Jahre fand Blanchards Luftfahrt, welche mißlang, Statt. Das Publicum murrte, der Pöbel drohte, von Böswilligen aufgereizt, so auszuarten, daß man die Truppen in den Casernen unter’s Gewehr treten ließ. Oberlieutenant Graf B., der im Prater ein Reiterpiquet zur Aufrechthaltung der Ordnung commandirte, hatte die zusammengerotteten Haufen durch eine witzige Anrede auseinander getrieben, und das Publicum verhöhnte die Wühler. 1792, als Europa in Folge der Pariser Revolution unter die Waffen trat, zog B. mit dem Regimente in’s Sammlungslager nach Schwetzingen. 16. April 1794 avancirte B. zum Second-Rittmeister, und zeichnete sich schon im nächsten Jahre, 18. Oct. 1795, vor Mannheim aus. Im J. 1796 stand das Regiment Kinsky in der Brigade des Fürsten Joh. Liechtenstein. Hier gab B. neue Beweise seines Muthes, im Vorpostengefecht bei Arlon (3. August), zwischen Bopfingen und Neresheim (11. August) und auf dem Streifzuge gegen Neumarkt (22. August). Vor dem Angriff auf Euerfeld (2. Sept.) war B.’s an den Erzherzog Karl erstatteter Rapport über die Terrainbeschaffenheit und Stärke des Feindes für die Anordnungen des folgenden Tages so entscheidend, daß [184] der Heldenprinz Karl den Rittmeister B. seit dieser Zeit nicht mehr aus der Erinnerung verlor. Bei dem Streifzuge in die Umgebung von Landau zeigte B. seltenen Muth, Einsicht und List. Am 3. October drang er mit nur 100 Pferden in die geschlossene Stadt Kronweißburg, hielt sich darin 24 Stunden, befreite mehrere Gefangene u. kehrte, einen feindl. General und mehrere Gefangene mit sich führend, in das Hauptquartier zurück. Nach Beendigung des Feldzuges wurde B. Schwadrons-Commandant (20. Mai 1797), und bei Wiederausbruch des Krieges (1799) Ordonnanzofficier, dann Flügeladjutant und Major bei Erzherzog Karl (28. Mai), der ihn in Erinnerung an den oberwähnten Rapport während der Waffenruhe an der Limat mit mündlichen Mittheilungen an den kaiserl. russ. Feldmarschall Suwarow nach Italien schickte. Bei seiner Rückkehr wohnte er am 18. September 1799 der Erstürmung von Mannheim bei und war mit der zweiten Sturmcolonne in die Stadt eingedrungen. Im Mai des folgenden Jahres arbeitete B. mit dem Armee-Minister, Grafen Lehrbach und dem britt. Bevollmächtigten Wickham an der Aufstellung und Approvisionirung der pfalzbairischen Truppen. Im Mai, am Vorabend der Schlacht bei Engen und Stockach besetzte B. auf eigene Verantwortung den Engpaß bei Ach, wodurch die Ereignisse des folgenden Tages entschieden wurden. Nun eilte er nach Wien, mündliche Meldung über die mißliche Lage des Heeres zu erstatten, und zurückgekehrt reiste er in die ihren eigenen Kräften und Mitteln überlassenen Festungen Ingolstadt, Ulm und Philippsburg, wo er auf den Geist der Besatzung und die Erhaltung der Vorräthe in jenen Plätzen sehr vortheilhaft einwirkte. B. wurde nun Oberstlieutenant (21. Sept.), bald darauf Generaladjutant des Erzherzogs Karl, und gab neue Proben seines Taktes bei dem am 25. Dec. 1800 mit dem General Moreau abgeschlossenen Waffenstillstand. 1. Mai 1801 wurde Graf B. Oberst; im folgenden Jahre wohnte er den preußischen Revuen bei Potsdam und Berlin bei. 1804 auf einer Begleitung des Erzherzogs Karl in’s Lager nach Turas bei Brünn hatte B. das Unglück, im Fahren ein Bein zu brechen, an welchem Unfall er bis an sein Lebensende litt. Als im J. 1805 Feldzeugmeister Graf Baillet-Latour (s. d. I. Bd. S. 125) an die Spitze des Hofkriegsrathes trat, wurde Graf B. Vorsteher und Referent des Militär-Departements (18. März 1805). Während der traurigen Zwischenfälle dieser Periode war B. bald in Dienstesangelegenheiten in Italien und in Brünn, dann Generalstabschef des heranrückenden zweiten russischen Heeres, und als nach der Schlacht von Austerlitz (2. Dec.) die Friedensunterhandlungen begannen, arbeitete B. an der Seite des damit beauftragten Fürsten Liechtenstein. Nach geschlossenem Frieden (26. Dec.) erhielt B. eine Cavallerie-Brigade, die Inspicirung der in Böhmen bestehenden Beschälanstalten und im folgenden Jahre (1. Nov. 1807) die Oberleitung der Remontirung in der ganzen Monarchie. Als 1809 der Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich neuerdings ausbrach, zog ihn der Monarch in seine nächste Nähe. Im Sept. 1809 wurde B. Feldmarschall-Lieutenant und im Oct. d. J. war er bei den Friedensunterhandlungen zu Wien thätig. Nun übernahm er wieder die Leitung des hofkriegsräthlichen Remontirungs-Departements, dessen zweckmäßige Einrichtungen sich insbesondere bewährten, als es im J. 1812 das österreichische Hilfscorps, das an dem Feldzuge gegen Rußland Theil nahm, schleunig und stattlich auszurüsten galt; als Napoleon nach Paris zurückkehrte, wünschte er daselbst einen Repräsentanten [185] Oesterreichs an Schwarzenbergs Stelle, der das Hilfscorps als Feldmarschall befehligte. Die Wahl fiel auf B. In diplomatischer Stellung verblieb er nun bis August 1813. In diesem Monat trat er an die Spitze seiner Division, welche zwischen dem Isarkamme und der Elbe, die Gränzen Böhmens vertheidigend, von Poniatowski und General Lefevre angefallen wurde. B. hielt sich in der Defensive, bis er bei den größern Operationen der Verbündeten thätig werden konnte. Er drang bis gegen Dresden vor und erhielt den Auftrag, am Tage der Völkerschlacht sich an den äußersten rechten Flügel der Verbündeten unter dem russ. Chef-General, Baron Benningsen, anzureihen. Die Ausführung dieser für die ganze Situation wichtigen, ja zum Siege wesentlich beitragenden strategischen Aufgabe löste B. mit solcher Bravour, daß ihm auf dem Schlachtfelde das Ritterkreuz des Mar. Theresienordens ertheilt wurde. Bei der Vorschiebung der Operationen über den Rhein nach Frankreich selbst erhielt er das Commando der sogenannten „ersten leichten Division“ (20,000 Mann), welche den Rhein überschritt, in Genf sich festsetzte und vor Genf die Veste L’Ecluse behauptete. Diese Vortheile hatte B. fast ohne Blutvergießen gewonnen. Bei dem weitern Vorrücken seiner Armee in Frankreich, wo jeder Schritt im Kampfe genommen werden mußte, entwickelte das Heer Muth und rastlose Ausdauer, sein Führer Energie und taktischen Scharfblick. Der Einzug der Verbündeten in Paris (1. April) beendigte alle Feindseligkeiten in Frankreich. Nun erhielt B. die Stelle eines General-Gouverneurs in Piemont, Savoien und Nizza, welche Landschaften von Frankreich getrennt werden sollten. Als der König von Sardinien nach 16 Jahren zum ersten Male wieder seine Hauptstadt betrat, bekleidete B. den diplomatischen Posten für Oesterreich, und war Commandant der österr. Truppen, welche so lange im Lande bleiben sollten, bis der König ein eigenes Heer gebildet hatte. Bei Napoleons Rückkehr von Elba (1315), erhielt B. das Commando des zweiten Corps der italienischen Armee. Als General Frimont mit dem Hauptcorps vorrückte, that B. mit seinem Corps ein Gleiches und war am 12. Juli vor den Thoren von Lyon angelangt. Hier bewies B. wieder jene Mäßigung, die er bei frühern Anlässen immer glänzend bewährt, und wodurch er in entscheidenden Momenten so viel Blutvergießen verhindert hatte. Als am 8. Juli Ludwig XVIII. in seine Hauptstadt zurückkehrte und aller Kampf ein Ende hatte, wurde B. zum Stellvertreter des commandirenden Generals in der Lombardie ernannt, im October 1818 erhielt er das militärische Commando daselbst vollständig. Die im J. 1821 in Piemont ausgebrochenen ernstlichen Unruhen, welche die Abdankung des Königs zur Folge hatten, riefen den erprobten General zu neuer kriegerischer Thätigkeit auf. Bubna, der sich genau die Kenntniß des Standes der Dinge in Piemont zu verschaffen gewußt, rückte, ohne erst Aufträge abzuwarten, da Gefahr im Verzuge war, ohne Aufenthalt in’s Piemontesische, überraschte mit seinen Truppen die Empörer und hatte in fünf Tagen die Ruhe in Piemont wieder hergestellt. Die Ausführung dieser Maßregeln und der glänzende Erfolg veranlaßten ein kaiserliches Handschreiben, datirt aus Laibach 16. April 1821, worin ihm neben dem Ausdrucke der allerhöchsten Zufriedenheit als Beweis des großen Vertrauens die Wahl der ferneren Einleitungen zur Sicherstellung des Vollbrachten überlassen wurde. Vielfache Anstrengungen hatten B.’s Gesundheit bedeutend geschwächt, Anfangs 1824 besuchte B. noch seine achtzigjährige Mutter in Böhmen, kehrte dann auf seinen Posten nach Mailand [186] zurück, welches im Mai 1825 Kaiser Franz mit seiner Gemalin besuchte. Am 11. Mai stellte B. seine Untergebenen dem Kaiser vor. Es war sein letzter Dienst. Den folgenden Tag ergriff ihn das athritische Uebel, woran er seit Jahren gelitten, und drei Wochen später – am 6. Juni – war er seinem Leiden erlegen. B. hatte für seine zahlreichen Verdienste mannigfaltige Auszeichnungen, eine Donation in Böhmen, eine zweite in Sardinien, Decorationen von Seite seines und fremder Monarchen erhalten. Hormayr charakterisirt Bubna folgendermaßen: „In der Jugend ein Achill an Gestalt, Muth und Kraft, im blutigen Waffenspiele des Revolutionskrieges versucht, keinem großen Tage desselben fremd, und ein rechter Vordermann im Kriege.“ 39 Jahre hatte B. in der Armee gedient, zu deren edelsten und ausgezeichnetsten Gliedern er zählte. Als am 23. Juni 1825 auf Befehl des Kaisers die Trauerfeier auf dem Marsfelde begangen wurde, ließ die Stadt Mailand ein Prunkgerüste und an dessen vier Seiten die Inschriften: „Ferdinandus Comes Bubna“, – „Civis Integer“, – „Bellator fortis“, – „Moderator Sapiens“ aufstellen. Se. Majestät der Kaiser geruhten in einem Handschreiben (Mailand 17. Juni 1825) der Witwe, in einem zweiten (Preßburg 19. Oct.) der greisen Mutter des Verblichenen das herzliche Beileid zu bezeigen und eben so huldvoll als feierlich die um den Staat und Kaiser erworbenen Verdienste des Verewigten anzuerkennen. – Das jetzige Haupt der Familie ist Graf Franz, k. k. Kämmerer (geb. 8. Sept. 1772), vermält am 4. October 1815 mit Eleonore Freiin von Ennis-Atter und Iveaghe. Auch leben noch zwei Söhne des 1809 verstorbenen Grafen Anton, k. k. Kämmerer, Großvaters Brudersohn des Grafen Franz, nämlich Graf Karl (geb. 1805) und Graf Vincenz (geb. 1806), beide k. k. Kämmerer.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausgegeben von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 552. – Oestr. militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) 1826, V. Hft. S. 119–151. – Hormayr (Freiherr von), Taschenbuch für vaterländische Geschichte (Wien, kl. 8°.) 1825, VI. Jahrg. S. 63. – Ritter von Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetsten verstorbenen und lebenden Feldherrn der k. k. östr. Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 (Prag 1828) S. 675. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, Michaud, 8°.) I. Bd. S. 509. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) III. Bd. S. 378. – Adler. Zeitung in Wien. Herausgeg. von Dr. Großhoffinger, 4°. 1840, S. 747: „Die Herrn, Freiherrn und Grafen von Bubna“, von Heinr. Costa. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeierter Helden ... (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bisch. Lyc. Druckerei) S. 52 u. 458 [meldet irrig von der Errichtung eines Monumentes durch die Stadt Mailand; es ist eine Verwechslung mit dem von der Stadt aufgestellten und mit der in der Biographie angeführten Inschrift des Katafalks auf dem Marsfelde]. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1827, Voigt, 8°.) III. Jahrg. 1825, 1. Hft. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1842, Bibliogr. Inst., Lex. 8°.) VI. Bd. S. 285. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direct. de Mr. le Dr. Hoffer (Paris 1853) VII. Bd. Sp. 680. – Nuovissimo Dizionario degli uomini illustri d’ogni età ec. (Milano 1854, G. K. Pozzoli, 16°.) I. Bd. S. 545 [gibt irrig 1770 als B.’s Geburtsjahr an]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 402. – (Kneschke (Ernst Heinrich Dr.), Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, Weigel, gr. 8°.) I. Bd. S. 127. – Wappen: Der Länge nach getheilter Schild; rechts in Gold eine schrägrechts gestellte Trommel, links in Blau ein einwärtssehender goldener Löwenkopf mit rother ausgeschlagener Zunge, welcher mit dem Halse aus einer offenen Königskrone hervorwächst. [Das rechtsstehende Wappenembleme, die Trommel, steht mit dem Namen der Familie in Verbindung. „Bubna“ heißt nämlich im Slavischen die Trommel. Die Sage erzählt, daß der Ahnherr mit dem Namen Wahrlich, bei einem – nicht näher bezeichneten – Ueberfalle des Feindes zuerst in’s feindliche Lager gedrungen sei, den feindlichen [187] Tambour, der eben Alarm schlagen wollte, niedergemacht, ihm die Trommel entrissen und so den Sieg entschieden habe, worauf Wahrlich mit dem Prädicat „von Bubna“ zum Ritter geschlagen und sein Wappen mit der Trommel geschmückt worden sein soll.] – Porträte: In Rittersbergs „Biographien“ S. 675. L. v. Rittersberg[WS 1] lithogr. – In Hormayrs „Taschenbuch“ 1826, Benedetti sc.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. v. Rittersberg.