BLKÖ:Thullie, Vincenz Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 8. (Quelle)
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Thullie, Vincenz Ritter von (galizischer Schriftsteller, geb. zu Lanerówka im Zloczower Kreise Galiziens am 20. Jänner 1795, gest. zu Lemberg im Jahre 1868). Ein Sohn Thaddäus Thullie’s (geb. 1741, gest. 1843), Secretärs am Hofe des Königs Stanislaus August, welcher demselben mit Diplom ddo. 10. Jänner 1777 den Adelstand verlieh, der von der österreichischen Regierung 1782 bestätigt wurde. Thaddäus erreichte das seltene Alter von 102 Jahren und hatte aus zwei Ehen acht Kinder. Vincenz, ein Sohn der zweiten Frau, einer geborenen Francke, widmete sich der Pharmacie und wurde Magister dieser Wissenschaft zu Lemberg. Nebenbei aber gab er sich der Beschäftigung mit literarischen Arbeiten hin und wendete sein Hauptaugenmerk der polnischen Bühne zu, welche zu jener Zeit meist Bearbeitungen mittelmäßiger französischer Stücke von Dmuszewski und Żółkowski zur Aufführung brachte und immer mehr und mehr verkümmerte. Nun traten J. N. Kamiński, Stan. Jaszowski, Starzewski, Januszkiewicz, Nowakowski, Janowski, und mit ihnen Thullie theils mit Originalarbeiten, theils mit Uebersetzungen besserer Werke auf und stellten ein anständiges Theaterrepertoire her, welches dann durch die Original-Lustspiele Fredro’s nur noch mehr veredelt und nationalisirt wurde. Thullie übersetzte zwanzig und mehr Stücke aus dem Deutschen und etliche aus dem Französischen, die sämmtlich mit mehr oder weniger Erfolg auf der Lemberger Bühne dargestellt wurden, auf welcher er im Jahre 1822 mit dem Original-Lustspiel „Sędzia Kulikowski“, d. i. Der Richter von Kulików, aber nicht glücklich debutirte. Er übertrug „Onkel Adam und Nichte Eva“, Lustspiel in zwei Aufzügen von Lembert; „Torquato Tasso“, Drama von Duval; „Das Weib aus dem Volke“ von Desmery; „Sullivan“, Drama in drei Aufzügen von Melesville und Stücke von Clauren, Kotzebue, Scribe, Marsano u. s. w. Der Mehrtheil dieser Arbeiten ist ungedruckt geblieben; im Druck gab er unter anderen heraus: „Pójdź tu! Zadanie dramatyczne w 1 akcie“, d. i. Komm her! Dramatischer Scherz in einem Act. Von Elsholtz (Lemberg 1845, 8°.); – „Córka króla Renego, dramat liryczny Henryka Hertza“, d. i. Die Tochter des Königs René, lyrisches Drama von Heinrich Herz (Lemberg 1847, 16°.), dessen erste Aufführung in Lemberg, welcher Herausgeber dieses Lexikons beiwohnte, einen Erfolg hatte, wie er nur selten in ähnlicher Weise vorkommen mag; – „Gryzelda, poemat dramatyczny v 5ciu aktach Fryderyka Halma, d. i. Griseldis, dramatisches Gedicht in fünf Acten (ebd. 1838, 12°.). Außerdem schritt er zur Herausgabe zweier dramatischer Sammelwerke, von denen das eine „Rocznik dramatyczny“, d. i. Dramatisches Jahrbuch (Lemberg 1827), das andere <tt>„Komedyje. Tom. I“, d. i. Komödien I. Band (ebd. 1838, 8°.) betitelt ist. Von beiden Sammlungen erschien [9] jedoch nicht mehr als je ein Band. Ob eine im Jahre 1852 auf Pränumeration angekündigte, auf zwei Bände berechnete Sammlung seiner Originalkomödien auch erschienen ist, weiß Herausgeber dieses Lexikons nicht. Sie sollte die Lustspiele: „Der Bürgermeister von Kulików“, „Herr Professor Matthias“, „Wann lieben die Weiber, wann hassen sie?“ und noch einige andere enthalten. Thullie arbeitete auch noch auf anderen Gebieten der Literatur, so gab er 1835 die Erzählung: „Rywalka samy siebie“, d. i. Die Nebenbuhlerin ihrer selbst, dann „Nekrolog Jana Kalasantego Szaniawskiego, d. i. Der Nekrolog des Jos. Calas. Szaniawski, dessen Lebensskizze auch dieses Lexikon [Bd. XL, S. 153][WS 1] brachte, und viele theils besonders, theils in Zeitschriften abgedruckte Gelegenheitsgedichte heraus. Einzelne seiner dramatischen Arbeiten sind in den „Rozmaitości“, d. i. Miscellen, einem Beiblatte der polnischen Landeszeitung (Gazeta łwowskaj [1827, Nr. 1], im Czasopis Bibl. Ossolińskich, d. i. in der Ossoliński’schen Zeitschrift (1833, 7. Heft), in der „Gazeta łwowska“, d. i. Lemberger Zeitung (1847, Nr. 1) und im „Telegraf“ [1853, Nr. 79] enthalten. Ueber die Familie Thullie und ihr Wappen vergleiche das in den Quellen angegebene Werk.

Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter (Brünn, Buschak und Irrgang, 32°., 1. Jahrg. (1870), S. 420 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XL. S. 150].