BLKÖ:Tilly, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tillier, Johann Franz
Band: 45 (1882), ab Seite: 160. (Quelle)
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Tilly, Johann (Schauspieler und dramatischer Poet, geb. in Wien um das Jahr 1754, gest. zu Braunschweig 1795). Wahrscheinlich ein Sohn des seinerzeit berühmten Schauspielers Tilly (geb. zu Wien 1716, gest. 1781), welcher 1737 Mitglied der Kurz-Bernardon’schen Schauspielgesellschaft wurde und durch seine Bekanntschaft mit Prehauser [161] [Bd. XXIII, S. 246][WS 1] diesen für die Bühne gewann. Später, 1759, dirigirte Tilly (Vater) selbst eine eigene Truppe, mit welcher er in verschiedenen Städten Böhmens die ersten regelmäßigen Stücke aufführte. Mit seiner verstärkten Gesellschaft erschien er dann in Mannheim, Mainz, Worms und anderen Orten, 1770 aber in München, wo er sich mit der Kurz’schen Gesellschaft vereinte. 1773 trat er vom Theater ab und starb 1781. – Sein oberwähnter Sohn Johann wurde gleichfalls Schauspieler. Ueber dessen Leistungen als solcher ist wenig bekannt. Im Mai 1798 heimlich von Hamburg entwichen, tauchte er mit einem Male in Berlin auf, wo er einen Dienst als Secretär bei der zu jener Zeit bestandenen Tabaks-Administration erhielt, nach deren Aufhebung er dann privatisirte. Er ist Verfasser mehrerer Theaterstücke, von denen folgende im Druck erschienen sind: „Franz und Minna oder die Launen der Liebe. Posse in drei Aufzügen“ (Schwerin 1788, 8°.); – „That und Reue. Schauspiel in vier Aufzügen“ (ebd. 1792, 8°.); – „Karoline oder der unbelohnte Geliebte. Schauspiel“ (Leipzig 1790, Boppe, 8°.); – „Kühnheit und Liebe. Schauspiel in fünf Aufzügen“ (Berlin 179., Mittler, 8°.); – „Malberg. Ein Schauspiel aus der Vorzeit, in drei Aufzügen“ (Berlin 1799, Maurer’s Buchhandlung, 8°.); – „Die Klausel. Lustspiel“ (Berlin 1798, Felisch, 8°.); – „Der neue Gutsherr. Lustspiel in drei Aufzügen“ (ebd. 1799, 8°.); – „Das Bildniß“ im Berliner „Archiv der Zeit“ September 1795; – „Die Verschwörung. Eine wahre Begebenheit“ ebenda November und December d. J. Von einer Sammlung seiner dramatischen Arbeiten erschien ein erster Band unter dem Titel: „Sämmtliche Schauspiele“ I. Band (Berlin 1798, 8°.). Vielleicht ist er auch der Dichter des viele Jahre nach seinem Tode gedruckten Stückes: „Einsicht und Heldensinn. Ein patriotisches Schauspiel in zwei Aufzügen“ (Berlin 1814 u. 1815, 8°.), dessen Verfasser sich Johann Tilly nennt. – Bedeutend als Künstlerinen waren seine Schwester Edmunda und seine Frau Albertine. Erstere (geb. in Prag 24. October 1753, gest. 1797), spielte 1767 in Mannheim, 1769 in Wezlar, 1772 in Linz und 1774 in Prag, wo sie 1776 als Julie in „Romeo und Julie“ einen großartigen Erfolg feierte. Von Prag ging sie nach Preßburg, von da nach Hamburg, zuletzt nach Berlin. Später erscheint sie nach dem Namen ihres Mannes Maximilian Scholz als Madame Scholz. Man findet sie als Mutter des berühmten Komikers Wenzel Scholz bezeichnet. Siehe darüber den Artikel Maximilian Scholz [Bd. XXXI, S. 210 und 211]. In künstlerischer Bedeutenheit stellte man sie an die Seite der berühmten Tragödin Johanna Christiane Starke, die zu ihrer Zeit als Stern erster Größe am Theaterhimmel glänzte. – Johann Tilly’s Gattin Albertine, n. A. Wilhelmine geborene Schochert (geb. in Berlin 1763, gest. zu Prag 1810) betrat 1780 in der Döbbelin’schen Gesellschaft die Bühne, ging dann nach Petersburg und spielte später zu Breslau, Hamburg und Prag. Auch sie war eine große Künstlerin, anfänglich in munteren Rollen, im Fache der Soubretten, später in jenem der Anstandsdamen und komischen Mütter. Wahrheit, Anmuth, Humor, in letzterem Fache seltene Decenz und Feinheit machten sie zu einer der trefflichsten deutschen Schauspielerinen.

Gallerie von teutschen Schauspielern und Schauspielerinen der älteren und neueren Zeit (Wien 1783, Ign. N. von Epheu, 8°. [162] S. 206 und 243. – Allgemeines Theater-Lexikon... Von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., 8°.) Bd. VII, S. 321.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XXII, S. 246].