BLKÖ:Tyssowski, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tysiewicz, Johann
Band: 48 (1883), ab Seite: 188. (Quelle)
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Tyssowski, Joseph (Dictator von drei Tagen, 22. bis 25. Februar 1846, im Freistaate Krakau, geb. in Galizien um das Jahr 1811, gest. zu Washington in Nordamerika am 6. April 1857). Der Vater, welcher als Beamter in Diensten der k. k. Regierung stand, starb, als der Sohn erst neun Jahre zählte, und hinterließ seine Frau mit drei unversorgten Kindern. Die Hinterbliebenen mußten ihren Unterhalt mit der kleinen Pension von zweihundert und etlichen Gulden bestreiten. Unter solchen Verhältnissen sah sich Joseph, seit er das Gymnasium besuchte, nicht nur auf Selbststudium angewiesen, sondern auch gezwungen, das geringe Witwengehalt seiner Mutter durch Unterrichtertheilen zu vergrößern. Dadurch aber gewann der Knabe an Selbstständigkeit und sein Geist auch Neigung zu poetischem Schaffen, welche sich bald in verschiedenen Reimereien Luft machte. „Im Alter der Illusionen“, wie er selbst in einem 1841 an den Lemberger Gubernialpräsidenten Baron Krieg gerichteten Bittgesuche schreibt – er war damals 19 Jahre alt – überraschte ihn die polnische Revolution. Die Sucht, auch als Held zu glänzen, tausend Anlockungen, die Einem zu jener Zeit in Wort und Schrift, in der Schule und auf der Gasse und besonders in Kaffeehäusern begegneten, mitunter auch der Wunsch, der mütterlichen Zuchtruthe zu entschlüpfen, kämpften so lange in seinem Herzen gegen das Pflichtgefühl des Sohnes, bis Joseph im März 1830 unter dem Vorwande, zu seinem Namenstage eine Landpartie zu machen, die Erlaubniß seiner Mutter erwirkte, auf zwei Tage nach Winniki, einer unweit Lemberg gelegenen Ortschaft, zu gehen. Statt nach Winniki begab er sich nun mit einigen Gulden in der Tasche nach Zamośc. Etwas über ein Jahr machte er das revolutionäre Treiben mit, dann kehrte er gegen den Monat Mai 1831 in zerlumpter Soldatenkleidung heim. Die Erfahrungen dieses einen Jahres schienen nicht ganz ohne Eindruck auf ihn geblieben zu sein, denn vor einer kreisamtlichen Commission, welche den jungen Rebellen verhörte, erklärte er, daß er seine Fehler bereue und nun bereit sei, sein Blut in jedem Augenblicke unter Oesterreichs Fahnen zu verspritzen. Diese seine reumüthige Haltung mochte wohl auch mit Rücksicht auf seine Jugend die Commission bestimmen, milde mit ihm zu verfahren, denn es wurde ihm einstweilen nur der Besuch der Lemberger Universität untersagt und ihm bedeutet, daß er drei Jahre lang von seinem jeweiligen Aufenthaltsorte sich ohne Wissen der Polizei nicht zu entfernen habe. So machte er sich denn bereit, zur Fortsetzung seiner Studien nach Wien zu gehen, und um die Zeit bis zum Beginne des Studienjahres auszufüllen, so wie auch um einiges Geld zur Reise nach dieser Universitätsstadt zu erwerben, trat er in die Kanzlei bei einem Lemberger Advocaten ein und übernahm die Erziehung der zwei Söhne eines polnischen Edelmannes Namens Cajetan Leo Karnizki, welchen er auch mit polizeilicher Erlaubniß nach Lubunic in Polen begleitete. Nachdem er sich endlich sein Reisegeld erspart hatte, begab er sich Ende September 1841 nach [189] Wien, wo er die Rechte studirte und der ihn fortwährend beobachtenden Polizei keinen Anlaß gegen ihn einzuschreiten bot. Im Gegentheil, sein Verhalten war ein so musterhaftes, daß er sogar die Befreiung vom Collegiengelde und die Befugniß zur Ertheilung des Privatunterrichtes in den Gymnasialschulen erhielt. Unter solchen Verhältnissen beendete er die Rechtsstudien, erlangte die juridische Doctorwürde, dann die Befugniß, juridischen Privatunterricht zu geben, und wurde zuletzt als Practicant bei der Wiener k. k. Hofkammerprocuratur aufgenommen. Während dieser ganzen Zeit seines Aufenthaltes in Wien auf sich selbst angewiesen, war er als Erzieher und Lehrer in verschiedenen Familien und Anstalten daselbst thätig, so unterrichtete er die Söhne des k. k. Kriegscommissärs von Mammer, trat dann als Lehrer in die Privat-Erziehungsanstalt des Herrn Hock ein, übernahm ferner die Erziehung des Sohnes des Banquiers Bacher und nach einiger Zeit jene des Sohnes der damals in Wien sich aufhaltenden russischen Edelfrau Grabianczyna. Endlich kam er als Gesellschafter in das Haus des Grafen Johann Adam von Traun-Abensberg. Dieser gewann ihn bald so lieb, daß er, obgleich ihm Tyssowski seine ganze Vergangenheit mittheilte, demselben doch den Unterricht seines Sohnes in den rechtswissenschaftlichen Studien übertrug, ihm auch zur Erlangung des Doctorats verhalf, ihn dann später noch in Lemberg mit nicht unerheblichen Summen unterstützte und ihm überhaupt sonst viele Beweise seines Vertrauens und seines Wohlwollens gab. Tyssowski blieb im Hause des Grafen Traun, bis ihn die Verhältnisse seiner Familie in Lemberg dahin abriefen. Wiederholte Versuche, dieselbe nach Wien zu bringen, scheiterten, und so war er denn genöthigt, selbst zu ihr zurückzukehren. Er gab aus diesem Anlaß seinen Staatsdienst auf und trat in Lemberg bei einem Advocaten ein. Und nun begann eine trostlose Zeit für ihn, denn wie er auch seine Kräfte anstrengte, um seine Familie zu erhalten, es reichte nicht, und dazu gesellte sich noch als weiteres Unglück, daß er die Appellationsprüfung nicht bestand. Angestrengte Arbeit und Verdruß über dieses Mißgeschick warfen ihn aufs Krankenbett. Nach seiner Genesung arbeitete er wieder in einer Advocatenkanzlei, gab nebenbei Unterricht, theils in verschiedenen Lehrgegenständen, theils in der französischen Sprache, hielt, von seiner Mutter und seinen Geschwistern unterstützt, Kostknaben, und als sich unter diesen Umständen seine Verhältnisse besser gestalteten, heiratete er eine Cousine, die eltern- und vermögenslose Waise Antonie Leska, aus reiner Zuneigung. Er wurde nun mit einem reichlichen Gehalte Secretär auf dem fürstlich Sanguszko’schen Schlosse Gomnisk bei Tarnow. Nachdem er dritthalb Jahre auf diesem Posten thätig gewesen, vertauschte er denselben mit der noch vortheilhafteren Stelle eines Güterinspectors des Grafen Kuczkowski auf Zassow, einige Meilen von Tarnow gegen die Weichsel zu. In dieser Stellung befand er sich noch, als im Februar 1846 die polnische Revolution ausbrach. Ueber die Pläne und Anstalten derselben, sowie über die Ursachen – reine Zufälle – des Mißlingens unterrichtet uns die Schrift: „Aus dem Tagebuche eines Officiers der westgalizischen Armee“ ganz ausführlich. Wie bekannt, war Krakau der Herd des Aufstandes, und da die österreichische Regierung von der Bewegung ganz überrascht und also [190] völlig unvorbereitet war, so geschah es, daß die von österreichischen Truppen nur in höchst ungenügender Weise besetzte Stadt schon am 25. Februar von diesen in Folge der in Massen herbeiströmenden Aufständischen geräumt werden mußte. Unsere Quelle gibt ein recht anschauliches und sachgetreues Bild der damaligen Zustände. Der Senatspräsident Abbé Schindler brachte sich in Sicherheit, die übrigen Senatsmitglieder wollten nicht mehr Senatoren, sondern einfach Bürger heißen, und so bildete sich im Hause des Grafen Jos. Wodzicki unter dessen Vorsitz ein Sicherheitscomité, dessen ganze Thätigkeit in Abfassung einer Proclamation sich concentrirte, und welchem schon nach kaum drei Stunden ein Ende gemacht wurde. Nach acht Uhr Abends erschien auf dem Rathhause unser Held, der vor Jahren vor einer kreisamtlichen Commission seinen Jugendirrthum bereuend, erklärt hatte, sein Blut in jedem Augenblicke unter Oesterreichs Fahnen zu verspritzen, Jean Tyssowski, in Gemeinschaft mit Ludwig Gorzkowski und Alexander Grzegorzewski in polnischen Nationalschärpen an der Spitze von mehr als dreihundert uniformirten Krakusen und löste das erwähnte Comité mit der Eröffnung auf: daß sie in Folge einer in Paris am 21. Jänner gehaltenen Sitzung von der allgemeinen Verschwörung mit der Nationalregierung bestellt worden seien, worauf das Comité vom Ruder zurücktrat und die oberste Gewalt unbeanständet in die Hände der obengenannten Drei überging. In dem sogenannten grauen Hause, auf welchem sofort die polnische Nationalfahne aufgesteckt wurde, schlug die neue Regierung ihren Sitz auf und rief die Revolutionsbehörden ins Leben. Noch am 22. Abends und am 23. Vormittags erschienen ihre Beschlüsse oder Manifeste. Der Regierungsadvocat Piemierzik las dieselben vom Balcon des grauen Hauses ab, und die zahlreich versammelten Krakusen leisteten an Ort und Stelle den Eid. Diese Manifeste wurden nun gedruckt und in zahllosen Exemplaren in alle Provinzen versendet, fanden aber, wie es sich bald zeigte, nur sehr geringen Anklang. Die Unfähigkeit der neuen Regierung trat nur zu bald zu Tage. Statt, wie unsere Quelle schreibt, den kostbaren ersten Augenblick der Bestürzung der österreichischen Behörden auszunützen, den abziehenden General Collín, der sich für seine Fehler später verantworten mußte, mit allen Rebellenhaufen nachdrücklichst verfolgen zu lassen und die Revolution energisch im ganzen Lande zu verbreiten, statt die nöthigsten Gesetze und Anordnungen zu allgemeinen Aufgeboten und Kriegsrüstungen zu erlassen, begann man zunächst mit Cabalen gegen die eben ins Leben tretende Regierung und beschränkte sich nebenbei auf einige kirchliche und damit im Zusammenhange stehende finanzielle Operationen. So wurden denn Gebete vertheilt, Messen, Processionen zum Danke für den glorreich vertriebenen Feind (!), Schauspiele für den Sieg des polnischen Schwertes (!) angeordnet. Der Vicar Solarski aus Bobrok, ein geborener Revolutionär, wie die Mehrzahl der polnischen Capläne und Vicare, weihte öffentlich in der Marienkirche auf dem Ring die Waffen zum Kampfe für „die Ideen der neuen Zeit“. Alsdann wurden für die „Sache des Vaterlandes“ die Cassen, das Silber, die Kirchengefäße der Geistlichkeit nebst patriotischen Opfern von Privaten in Empfang genommen. An alledem hatte der Dictator an und für sich keinen eigentlichen Antheil. Erst mit dem Manifeste, welches [191] er am 25. Februar erließ, trat er werkthätig auf den Schauplatz der Revolution. Dieses Manifest ist aber auch in jeder Hinsicht bemerkenswerth. Ueberschrieben: „An alle Polen, welche lesen können“, lautet es: „Einem Jeden, der nur lesen kann, befiehlt der Dictator, sobald er diese Proclamation in die Hände bekommt, die Stadteinwohner zusammenzurufen und an sie mehr oder weniger mit diesen Worten so überzeugend als möglich zu sprechen, daß das Volk den Zweck der Revolution klar auffasse und fühle. Polnisches Volk! Die in der Republik Polen ausgebrochene Revolution hebt jeden Frohndienst, Grundzins und jede Abgabe auf, so daß also die Grundstücke, für welche ihr bis jetzt irgendwelche Dienste geleistet, auch Zinsen zu geben verpflichtet waret, von nun euer unbedingtes Eigenthum werden, dessen ihr euch, wie es euch gefällt, bedienen könnt. Wer euch zum Frohndienst oder zu Abgaben zwingen sollte, wird bestraft werden. Diejenigen, welche keine Grundstücke besitzen, Knechte und Wirthsleute, und besonders Diejenigen, welche im Heere der Republik kämpfen, werden von den Nationalgütern, sobald der Freiheitskampf beendet sein wird, bezahlt werden. Für die Handwerker werden Nationalwerkstätten angelegt, wo der Arbeitslohn zweimal größer sein wird, als der, welchen sie jetzt erhalten. Die Regierung hebt alle Privilegien, den Adel und den Druck auf und erklärt alle Menschen als gleich. Aljo deines Wohles wegen, polnisches Volk, ist die Revolution ausgebrochen, sie gibt dir die Rechte wieder, die dir entrissen wurden. Ueberall, o Volk, mache das, was du gehört hast, bekannt und gedenke: daß es deine Pflicht ist, deine Rechte zu vertheidigen, wie auch ein jeder Pole sie vertheidigen wird gegen die kaiserlichen Oesterreicher, als auch Preußen und Russen und gegen einen Jeden, der diese Rechte entreißen wollte uns, dem Volke, uns den Bauern, uns den Polen. Krakau am 25. Februar 1846. Tyssowski. Eduard Dembowski, Secretär des Dictators.“ Dies ist das wichtigste Schriftstück, welches der Dictator von drei Tagen erlassen und worin er Alles gethan hat, um der Revolution, die noch sehr schwach auf den Beinen war, das Gehen zu erleichtern. Die nächsten Versuche bestanden darin, Galizien von Oesterreich loszureißen. Zu diesem Zwecke war schon am 23. Februar von Krakau eine Insurgentenabtheilung aufgebrochen und hatte am 24. das von Truppen entblößte Wieliczka genommen, sich in die dortigen Cassen getheilt, den Aufruhr bei einem solennen Hochamt der längst gewonnenen Geistlichkeit feierlichst verkündigt, sich aus den für die „Krakauer Ideen“ bestochenen Grubenarbeitern und anderen Gleichgesinnten verstärkt und war dann auf Bochnia losgerückt. Trotz dieser Fortschritte gab es eine Partei der Aufständischen, welcher der Dictator nicht energisch genug handelte, und so geschah es denn, daß auch dieser zweiten Regierung nach dreitägiger Dauer, am 26. Februar, der Garaus gemacht wurde. Der Professor der allgemeinen Geschichte und Literatur an der Krakauer Universität Michael Wiszniewski, dessen wir in diesem Lexikon noch gedenken werden, trat mit mehreren Gleichgesinnten, darunter der bekannte Hilar Meciszewski [Band XVII, S. 229], der Krakauer O’Connell genannt, zu einer Partei zusammen, welche eine Gegenrevolution beschloß. Sein Anhang bestand meist aus Männern des Schulfaches und aus Studenten. An ihrer Spitze stürzte er Nachts um [192] 2 Uhr in das Zimmer des Dictators Tyssowski und klärte diesen über die Wünsche der Nation und die seinigen ziemlich unsanft auf. Tyssowski läßt, einige Worte wie Rebell und Landesverräther hören, wird aber in der Fortsetzung seiner Rede durch ein Pistol unterbrochen, welches Wiszniewski’s Sohn ihm auf die Brust setzt, worauf er seine Dictatorstelle niederlegt, welche Wiszniewski aufnimmt. Das Volk war bei Anbruch des Morgens in nicht geringem Grade erstaunt, an allen Straßenecken zu lesen: man sei seinen Wünschen zuvorgekommen und habe Wiszniewski in Folge des Rücktrittes Tyssowski’s zum Dictator erwählt. Noch mehr aber erstaunte es, als gleich darauf ein Manifest folgenden Inhaltes erschien: „Der Dictator an das polnische Volk! Die heute früh bekannt gemachte Entsagung der Macht zu Gunsten Michael Wiszniewski’s erkläre ich als durch Verrath und Waffen erzwungen. In Folge dessen übergebe ich Michael Wiszniewski dem Revolutionstribunal. Krakau am 26. Februar 1846. Tyssowski, Dictator“. Nun geschah es, daß Wiszniewski weder um das Revolutionstribunal, noch dieses um Jenen sich kümmerte. Da beide Parteien gleich stark an Zahl, aber auch gleich unfähig zur Durchführung ihrer Aufgabe waren, so blieben auch ihre Häupter, zu denen Tyssowski wie Wiszniewski sich selber creirt hatten, eine Weile neben einander bestehen, wodurch die Rebellion nicht eben gefördert wurde. Indessen nahte die Nemesis mit ihrem zermalmenden Schritte. Oesterreicher und Russen waren im Anmarsche begriffen, Benedek, der Falke von der Weichsel, wie ihn das dichtende Volk treffend bezeichnete, eilte von Lemberg herbei. Die beiden Dictatoren wollten mit General Collin, der inzwischen mit Verstärkungen erschien, unterhandeln, aber dieser erklärte als braver Soldat, daß er mit Rebellen nicht unterhandle, und so suchten sie mit ihrem bewaffneten Anhange das Weite und überließen Krakau seinem Schicksale und der Gnade des Siegers. In kurzer Zeit fiel Tyssowski in die Hände der kaiserlichen Regierung. Und wie schon einmal, so spielte er auch jetzt die Rolle des Reuigen, und machte ganz umständliche Geständnisse, wodurch er sich seine Haft und sein Loos erleichterte. Eine eigentliche Verurteilung erfolgte nicht, es wurde nur seine Auswanderung nach Amerika eingeleitet. In der That langte er auch zu Anfang des Monats März 1847 unter Polizeiaufsicht in Triest an. Dort erhielt er namhafte Geldmittel zur Ueberfahrt, welche in Begleitung seiner Gattin auf dem Schiffe „Vulcan“ stattfand, überdies ließ ihm die kaiserliche Regierung auch bei seiner Landung auf amerikanischem Boden eine namhafte Summe bei dem österreichischen Geschäftsträger in Washington Herrn von Gerold anweisen. Später erfuhr man von dem dreitägigem Dictator der Republik nur seinen Tod, der ein Decennium danach zu Washington erfolgte. Wenn man das Leben dieses Verschwörers, und zwar nach dessen eigenen Aufzeichnungen kennen gelernt, so stellt man sich unwillkürlich die Frage, wie es geschehen konnte, daß dieser Mensch, der schon einmal die Gnade des Kaisers erprobt und ihm seine Treue für die Zukunft auf das feierlichste gelobt hatte, wie dieser Mensch, der nach mannigfachen Kämpfen mit dem Schicksale sich endlich eine schöne und gesicherte Existenz errungen, seine einträgliche Stellung, sein Weib, seine hilflose Mutter einer politischen Chimäre opfern und eine Regierung, der er nicht [193] lange vorher mit allen denkbaren Dankesphrasen geschmeichelt, zum zweiten Male so erbärmlich betrügen konnte? Es gibt nur eine Antwort darauf. Der Tarnower Bezirk war seit jeher der polnische Revolutionswinkel und vielleicht noch gefährlicher als Krakau, wo unter den Fittigen des Freistaates der Samen der Rebellion leicht in Blüte und Frucht schießen konnte. Dorthin kam Tyssowski in dem Augenblicke, als seine Verhältnisse sich günstiger zu gestalten begannen, und einmal in den Schlingen der unverbesserlichen adeligen Tarnower Verschwörer, fehlten ihm Muth und Wille, sich denselben zu entreißen, und so spielte er die klägliche Rolle des dreitägigen Dictators, welche mit der Verbannung aus seiner Heimat und mit dem Tode fern von der heimatlichen Erde, weit über dem Ocean ihr Ende fand.

Allgemeine Zeitung (Stuttgart, Cotta, 4°.) 31. Jänner 1847, Beilage Nr. 31; 6. Februar 1847, Beilage Nr. 37; 18. Februar 1847, Nr. 49: „Aus dem Tagebuche eines Officiers der westgalizischen Armee, I–III“ [mit den inhaltreichsten und interessantesten Aufschlüssen über die polnische Rebellion im Februar 1846.] – Dieselbe. 13. März 1847, Nr. 72: „Joseph Tyssowski“.