BLKÖ:Urbánek, Ferdinand

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Urbánek, Johann
Band: 49 (1884), ab Seite: 125. (Quelle)
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Urbánek, Ferdinand (Industrieller, geb. zu Kremsier in Mähren am 19. Mai 1821). In seiner Vaterstadt besuchte er das Gymnasium, hörte in Brünn unter Professor Klácel [Bd. XII, S. 1] die philosophischen Studien und ging 1844 nach Olmütz, um dort die Rechte zu studiren. Aber noch im nämlichen Jahre trat er auf der Herrschaft Libiegitz unter Horsky [Bd. IX, S. 309] als landwirthschaftlicher Volontär ein und blieb in dieser Stellung bis 1847, worauf er die landwirthschaftliche Leitung der Herrschaft Lysa, über welche sein letztgenannter Lehrer die Oberaufsicht führte, erhielt. 1849 wurde daselbst eine Zuckerfabrik errichtet, und von dieser Zeit datirt Urbánek’s Thätigkeit auf dem Gebiete der Zuckerraffinerie, auf welchem er sich in Mähren und Böhmen allmälig einen solchen Namen erwarb, daß er in diesem Industriezweige [126] allgemein als Autorität galt und in allen denselben betreffenden nur einigermaßen wichtigen Fragen stets zu Rathe gezogen ward. Nachdem er sich 1850 verheiratet hatte, übernahm er von dem Grafen Lamberg die Herrschaft Quasic in Mähren und errichtete auf derselben in Gemeinschaft mit seinem Schwager eine Zuckerraffinerie. Bald darauf wurde er Vorsitzender des landwirthschaftlichen Vereines zu Zahlinic-Quasic, der später unter Franz Skopalik’s [Bd. XXXV, S. 77] Leitung einen so großartigen Aufschwung nahm. Mit dem Jahre 1861 begann Urbánek’s politische Thätigkeit. Man forderte ihn auf, in der Stadt Kremsier für den mährischen Landtag zu candidiren; jedoch später von dem Brünner Comité als Candidat empfohlen, bewarb er sich im Wahlbezirke der Städte Hullein, Holleschau, Frystock und Walachisch-Meseritsch um ein Mandat. Da aber sein Sieg in dieser Candidatur sehr zweifelhaft war, erwählte ihn die Olmützer Handelskammer zu ihrem Abgeordneten. Mittlerweile übersiedelte er nach Prag, wo er seitdem seinen bleibenden Wohnsitz aufschlug. Als er aber nun im Landtage zur nationalen Partei stand, erhob man mit einem Male Bedenken gegen seine Wahl, und da es sich überdies herausstellte, daß er in Mähren keine Steuer zahle, verlangte man, daß er sein Mandat niederlege .Als jedoch das Alles nicht verschlug, schickte man ihm nach Prag Mißtrauensadressen. Darauf hin traten einige mährische Gemeinden zusammen und erwiderten die erwähnten Vorgänge mit seiner Wahl zum Ehrenbürger. 1863 von dem gemischten Wahlbezirke Jaromierz-Königinhof als Abgeordneter in den böhmischen Landtag entsendet, erhielt er dann bei den erneuerten Wahlen immer wieder dieses Mandat und gehörte dort, wie der „Slovník naučný“ ausdrücklich betont, „selbstverständlich der Declarantenpartei“ an. Am 13. October 1873 wählten ihn die Landgemeinden der Bezirke Königgrätz, Jaromierz, Neustadt, Náchod und Opočno in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes. Im Jahre 1861 übernahm Urbánek die Fabrik zu Modranoch, 1862 in Gemeinschaft mit Franz Grafen Harrach die zu Sádow und 1870 mit dem Declaranten J. Macháček jene zu Zdicka. Außerdem ist er Mitbegründer vieler Actiengesellschaften von Zuckerraffinerien, so jener zu Königgrätz, deren Präsident er war, bald darauf jener zu Kremsier, sowie auch der Gasanstalt in letzterer Stadt. Aber auch sonst noch hat er bedeutenden Antheil an den industriellen Unternehmungen seines engeren Vaterlandes, welche meist weniger die Interessen des großen Publicums, als das einzelner Actionäre wahrnehmen. So ist er Gründer und Ausschuß der Creditanstalt in Königgrätz, der Gewerbebank für Böhmen und Mähren in Prag, Director der böhmischen Hypothekenbank, Stiftungsmitglied des Museums für das Königreich Böhmen, des „Hlahol“, dessen Vorstand er war, des „Sokol“ in der Prager Neustadt, ferner Vorstand des Ausschusses zur Errichtung eines großen Nationaltheaters und Mitglied vieler anderer geselliger, humanistischer und sonstige Interessen vertretender Vereine, welche seit der Entwickelung des Vereinswesens ins Leben gerufen wurden. Eine weitere Hauptaufgabe, die er sich stellte, war die Gründung einer selbständigen Zuckerfabrications-Actiengesellschaft für Böhmen, welche er auch im Jahre 1870 zu Stande brachte, und welche ihn dann zu ihrem Präsidenten wählte. In Februar 1867 [127] verlieh ihm Seine Majestät der Kaiser das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens.

Světozor (Prager illustrirte Zeitung, kl. Fol.) 1869, Nr. 5, S. 43: „Ferdinand Urbánek“.
Porträt. Unterschrift: Ferdinand Urbánek | kreslil Kriehuber | (d. i. gezeichnet von Kriehuber), Schulz sc.