BLKÖ:Utiešenović, Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Uxküll
Band: 49 (1884), ab Seite: 160. (Quelle)
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Noch ist besonders denkwürdig:

Georg Utiešenović (geb. zu Kamičac in Croatien 1482, ermordet zu Alvincz in Siebenbürgen am 18. December 1551), mit dem Beinamen Martinusius, den er von seiner Mutter Anna, einer geborenen Martinuševic, führte. Acht Jahre alt, kam er an den Hof des Herzogs Johannes Corvinus auf dessen Schloß Hunyad in Siebenbürgen, wo er bis 1503 als Edelknabe zubrachte. Dann that er Kriegsdienste, trat aber schon nach kurzer Zeit, 1504, in ein Kloster. In der Folge wurde er Prior zu Czenstochau in Polen, später Prior in Lad, dem jetzigen Sajólad zwischen Erlau und Dios-Györ. Die politischen Verhältnisse in Ungarn lagen damals wirr genug. Es standen sich zwei Könige in Waffen gegenüber: Johann Zapolya, am 14. October 1526, und Ferdinand von Oesterreich, am 25. November 1526 zum Könige gewählt. Der Sieg neigte sich auf des Letzteren Seite. Ersterer floh zunächst nach Polen; von dort knüpfte er mit dem Sultan Suleiman an, der ihm die kräftigste Unterstützung gegen Ferdinand versprach, und der ihm von Jugend her bekannte und [161] befreundete Prior von Lad, welcher erst vor Kurzem von Czenstochau nach Ungarn gekommen war, sollte ihm zur Behauptung der königlichen Würde behilflich sein. Prior Georg erschien vor Zapolja mit der nicht unansehnlichen Spende von 10.000 Ducaten, und von diesem Tage datirt die Wendung in dem Geschicke des Mönchs, der nun nicht mehr in kirchlichen, sondern nur in politischen Dingen wirkte, und zwar für die Interessen Zapolya’s und der Familie desselben. Im Sommer 1528 machte er Reisen in Ungarn, um Anhänger für seinen König zu werben, und stand dann als Rath ihm zur Seite. Dabei wurde seine Stellung immer einflußreicher, und alle wichtigen Staatsactionen gingen mehr oder weniger mit seinem Wissen, seiner Wohlmeinung oder Zustimmung vor sich. Als Zapolya bald nach seiner Heirat mit Isabella von Polen am 21. Juli 1540 zu Mühlenbach einem Schlaganfalle erlag, kehrte Georg, eben auf dem Wege nach Constantinopel begriffen, um mit Suleiman zu Gunsten seines Fürsten zu unterhandeln, auf die Nachricht von dessen Tode sofort um, stellte sich unverzüglich auf die Seite der verwitweten Königin Isabella und ihres kurz vor Zapolya’s Hingange geborenen Sohnes und nahm unter den drohenden, durch Parteiungen ungemein schwierigen Verhältnissen von der Regierung den vollständigsten Besitz. Er führte dieselbe in der schlimmen Zeit, welche nun folgte, die Rechte der Königin und ihres Sohnes schützend und festigend, mit starker Hand. Bei der Vertheidigung Ofens im Jahre 1541 gegen Roggendorf entwickelte er die größte Energie, bis türkische Hilfe die bereits allen Bedrängnissen preisgegebene Besatzung rettete. Aber mit der Rettung begnügten sich die Türken nicht, sondern sie nahmen, entgegen ihren vorausgegebenen Versprechungen, Ungarn bis an die Theiß für sich in Besitz und befahlen der Königin Isabella, Ofen zu verlassen. Derselben wurden einstweilen Siebenbürgen, mehrere ungarische Comitate, das Kaschauer Gebiet, das Temeser Banat und alles Land am linken Ufer der Theiß überlassen. Suleiman aber behielt Ofen für sich. Doch die Stellung der Königin in Siebenbürgen war eine sehr schwierige. Die Stände wollten sie gar nicht aufnehmen, und erst Georgs Bemühungen gelang es, ihr den Einzug in Déva und Weißenburg zu ermöglichen. Indessen waltete der Mönch mit starker Hand zu einer Zeit, da sich die Wolken immer drohender über ihm und seiner Fürstin zusammenballten. Eine nähere Schilderung des klugen und umsichtigen Vorgehens Georgs, dem übrigens Isabella, eine wankelmüthige, putz- und unterhaltungssüchtige Fürstin, seine Stellung sehr erschwerte, enthält die als Quelle verzeichnete Monographie. Die Königin, anderen Einflüssen zugänglich, bereitete ihrem Schützer und Berather bald allerlei Hindernisse. Dieser, schon einmal durch die Treulosigkeit der Türken gewitzigt, suchte nun deren Einfluß auf das Land, welches sie der Königin eingeräumt, allmälig zu schwächen und zuletzt ganz zu vernichten, weshalb er sich immer mehr und mehr zur Partei des Kaisers hinneigte. Isabella aber hielt es offen mit den Türken, von denen sie auch, als sie der Gesinnungen Georgs inne ward, im Frühjahre 1550 Hilfe erbat. Unter solchen Verhältnissen wurde die Lage des Mönchs immer schwieriger, wenngleich er von Seite des Kaisers den Wink erhielt, in seinem bisherigen Vorgehen zu verharren. Nun aber hatte er unter den kaiserlichen Generalen erbitterte Feinde, und namentlich war es General Castaldo, welcher ihm nicht traute und den Kaiser vor ihm warnte. Ja, dieser Feldherr hatte sich vor Antritt seines Commandos in Ungarn vom Kaiser Verhaltungsmaßregeln erbeten, für den Fall, daß Georg etwas anordnen würde, woraus eine Gefahr oder ein Conflict für sein Heer zu besorgen wäre. Indessen arbeitete Letzterer dahin, die Königin zur Abtretung Siebenbürgens an den König Ferdinand gegen entsprechende Entschädigung zu bereden. Nach vielen Mühen und langwierigen Verhandlungen von beiden Seiten kam endlich der Tractat zu Weißenburg am 19. Juli 1551 zu Stande, welcher die Abtretung Siebenbürgens an Ferdinand, die Entschädigung der Königin Isabella durch das Herzogthum Oppeln und die Sicherstellung ihres Heiratsgutes im Betrage von 140.000 ungarischer Goldgulden stipulirte. General Castaldo empfing nun von Isabella die Krone mit den Reichsinsignien. Bruder Georg aber sollte für seinen Antheil am Gelingen der Unterhandlungen belohnt werden, und thatsächlich stellte Ferdinand noch Anfang August 1551 bei Papst Julius III. den Antrag auf Verleihung der Cardinalswürde an den früher schon zum Bischof von Wardein erhobenen Georg. Die Mittheilungen von den Veränderungen in Siebenbürgen an die Pforte [162] brachten aber den Sultan in förmlichen Aufruhr, so daß er sofort mit einem Heere von über 90.000 Mann und 54 Kanonen nach Siebenbürgen aufbrechen ließ. Nun begannen die Kämpfe um dieses Land daselbst aufs Neue. Georg suchte das entstandene Unheil zu beschwören und unterhielt mit den Türken einen ziemlich starken Briefwechsel, wodurch er aber nur Castaldo’s Mißtrauen erweckte. Das Verhalten des Bischofs gab Anlaß zu Verdächtigungen desselben beim Kaiser, verschiedene Intriguen und einige Mißerfolge Castaldo’s machten die Sache auch nicht besser, und die Saat des Unheils für Georg schoß immer üppiger in die Höhe. Derselbe war von Spionen umgeben, die in der unanfechtbaren Voraussetzung, er sei ein Verräther, in jedem seiner Schritte nur eine neue That des Verrathes gewahrten, so Castaldo’s Mißtrauen reizten und diesen, der von oben unumschränkte Vollmachten zu haben schien, zu dem Entschlusse brachten, sich des Verräthers, für den er ihn unzweifelhaft hielt, auch mit Gewalt zu entledigen. Des Bischofs Untergang war eine beschlossene Sache, es galt nur noch, Zeit, Ort und die Art seines Unterganges zu bestimmen. Georg befand sich eben damals in Vinica (dem heutigen Alvincz). Dahin kam am 13. December 1551 auch Castaldo mit seinem Gefolge, in welchem sich die Mörder des Bischofs befanden, und wurde von demselben auf das gastfreundlichste aufgenommen. Die Nacht vom 16. auf den 17. December hatte man zur Ausführung des Mordes bestimmt, mit welcher der Feldwachtmeister Sforza Pallavicini, Castaldo’s Geheimsecretär Marc Antonio Ferrari, Andrea Lopez, Capitän Monino, Scaramuccia, Mercado und der Cavaliere Campeggio betraut waren. Vierundzwanzig verkleidete spanische Soldaten wurden ins Schloß geschmuggelt, denn der Cardinal hatte darin eine starke Wache. Bei Tagesanbruch trat Pallavicini, von Ferrari begleitet, ins Gemach Georgs, um dessen Aufträge und Unterschriften für mehrere Schriftstücke zu erbitten. Derselbe stand auf seinen Schreibtisch gelehnt, ein römisches Brevier vor sich, und als er zur Unterzeichnung der Schriftstücke, welche Ferrari ihm vorlegte, die Feder ergriff, stieß ihm dieser den Dolch in die Brust und den Hals. Der Cardinal rief aus: „O domine, quare hoc mihi!“, faßte aber noch mit starker Hand den Mörder und schleuderte ihn unter den Tisch. Nun sprang Pallavicini herbei und spaltete mit seinem gezogenen Säbel dem Cardinal den Kopf. Jetzt trat noch Lopez mit mehreren Schützen hinzu, welche einige Schüsse in den Rücken des Ueberfallenen abfeuerten, der mit den Worten „Jesus Maria“ zusammenbrach und aus unzähligen Wunden blutend, nach schwerem Todeskampfe den Geist aufgab. Castaldo verließ nach geschehener That das Schloß, worin es ihm unheimlich geworden, und begab sich nach Mühlenbach, von wo er die Aufforderung ergehen ließ, das Land möge sich dem Könige Ferdinand ergeben. Die Leiche des Cardinals blieb 70 Tage unberührt in dem Zimmer liegen, in welchem der entsetzliche Mord geschah. Dann wurde im Auftrage des Königs dieselbe nach Weißenburg (Karlsburg) überführt und in der dortigen Michaelskirche, im Mittelschiffe neben der Grabstätte des Königs Johannes Hunyady Corvinus beigesetzt, mit dem Epitaph: „Omnibus moriendum est“. Aber mit dem Tode des Cardinals war die Angelegenheit nicht abgethan. Rom sprach auch in derselben ein Wort, indem Papst Julius III. über den König, die Minister, Castaldo und Alle, die beim Morde thätig gewesen, die große Excommunication aussprach. Die Schicksale der Mörder, welche mehr oder weniger die Rache des Himmels ereilte, erzählt die unten bezeichnete Quelle. Auch waren mit dem Tode des Cardinals die Sachen in Siebenbürgen und Ungarn nicht besser, vielmehr schlimmer geworden. Zuletzt erhielt Zapolya’s Sohn Johann Sigmund 1570 Siebenbürgen als erbliches Fürstenthum, starb aber schon am 15. März 1571. [Utiešenović (Og.). Lebensgeschichte des Cardinals Georg Utiešenović, genannt Martinusius (Wien 1881, Braumüller, 8°.). – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges „Fr. Georgius eps. Varadin...“. Schlechte Lithographie nach einem Originalölbilde aus dem sechzehnten Jahrhunderte, welches sich im Besitze des Grafen Iván Drašković zu Trakostyan unweit Warasdin – der Bischof war mit den Drašković verwandt – befindet.]