BLKÖ:Végh, Johann (Theolog)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vega, Georg Freiherr
Band: 50 (1884), ab Seite: 69. (Quelle)
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Végh, Johann (protestantischer Theolog, geb. zu Szilas in der Veszprimer Gespanschaft Ungarns 1754, gest. um 1826). Ein Sohn protestantischer Eltern reformirten Bekenntnisses, widmete er sich dem geistlichen Berufe und versah sein Amt an verschiedenen Orten in seinem Vaterlande, später, 1780, zu Miskow. Als 1781 das Toleranzedict Kaiser Josephs II. in Böhmen kundgemacht wurde und es an protestantischen Priestern daselbst mangelte, berief man deren aus Ungarn und Deutschland, und so kam denn auch Johann Végh am 29. Mai 1783 nach Libiš, wo er im Juli dieses Jahres als Prediger bestellt wurde. Da er sich mit der katholischen Geistlichkeit des Ortes nicht vertrug, übersiedelte er noch im October nach Byškow. Auch hier erging es ihm nicht besser, und er verfügte sich einstweilen nach Koričan. Indeß gab er sich keineswegs damit zufrieden, sondern brachte seine Angelegenheit wiederholt dem damals in Böhmen weilenden Kaiser Joseph II. vor, welcher nun mit besonderem Decret vom 28. Februar 1787 anordnete: daß die geistlichen Angelegenheiten in Libiš geschlichtet, der evangelische Gottesdienst daselbst wiederhergestellt und Kirche und Pfarrhaus erbaut werden sollten. Sofort wurde denn auch der Bau begonnen und am 27. April 1789 festlich eingeweiht. An fünf Jahre, bis 1793, verblieb Végh in Libiš, dann kam er einem Rufe der Gemeinde Liška nach, in welcher er, zuletzt als Senior des Prager Districts, bis zu seinem um 1826 erfolgten Tode wirkte. In seinem Fache schriftstellerisch thätig, gab er heraus: „Krátká příprawa k s. večeři Páně 20 otázkách a odpowédích mládeži církwi českých obnowěných předložena“, d. i. Kurze Vorbereitung zum heil. Abendmahl in Fragen und Antworten für die Jugend u. s. w. (Prag 1783, 8°.), nach einem von Samuel Szálay, Superintendenten in Ungarn, dem Kaiser Joseph vorgelegten Entwurfe; – „Učení o hlawních článcích wíry čisté“, d. i. Belehrung über die Hauptartikel des wahren Glaubens (Prag 1790, n. A. 1807); – „Horliwé a nábožné modlitby křesťanské ...“, d. i. Inbrünstige und andächtige christliche Gebete ... (Prag 1799; 2. Aufl. 1807; 3. Aufl. 1835; 4. verb. und verm. Aufl. besorgt und verlegt von Jos. Košuth und Jos. Ružička, 1853; 5. verbess. und verm. Aufl. von Jos. Ružička, 1854; und auch in Leitomischl 1830; in Königgrätz 1827 und 1834); – „Agenda to jest pořádek křtění, přisluhování večeře Páně etc. K užíwání cirkwí českých reformowaných“, d. i. Agende oder Ordnung bei der Taufe, bei Empfang des h. Abendmahls u. s. w. zum Gebrauche in Kirchen der čechischen Reformirten (Prag 1783); – auch übersetzte er Friedrich Osterwald’s „Kurze Summe der Geschichte der h. Schrift“ ins Čechische unter dem Titel: „Krátká Summa historií písem swatych“ (Prag 1807, 8°.); nebstdem sind mehrere seiner Kirchenreden und kleineren geistlichen Schriften im Druck erschienen. In Handschrift [70] hinterließ er eine čechische Uebersetzung der „Gräberbetrachtungen“ des Engländers Jacob Hervey und ein „Erinnerungsbuch der evangelisch-reformirten Kirche in Libiš“, in welchem Anlaß, Anfang, Wachsthum und andere Begebenheiten gleich vom Beginne derselben dargestellt sind. Végh war ein Vollblutmagyar, der sich in seinem leidenschaftlichen Wesen nicht beugte, daher in der ersten Zeit seines Wirkens in Böhmen manchen Strauß zu bestehen hatte und seinen Gegnern nicht nachgab. Dabei war er eifrig in seinem kirchlichen Dienste, den er mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften förderte, vornehmlich auf Verbreitung entsprechender Andachtsbücher in seiner Gemeinde bedacht. Obwohl er bei seiner Uebersiedelung aus Ungarn auch nicht ein Wort čechisch verstand, brachte er es doch durch Fleiß und Eifer bald zu so vollendeter Kenntniß dieser Sprache, daß er in derselben sprechen, predigen und verschiedene Werke verfassen konnte.

Jungmann (Jos.). Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.). Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 649. – Sárospataki füzetek, d. i. Sárospataker Hefte, 1860, S. 149 und 1861, S. 525: „Biographie des Johann Végh“. von Joseph Végh.