BLKÖ:Vespermann-Arndts, Maria

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vesprémi
Band: 50 (1884), ab Seite: 190. (Quelle)
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Vespermann-Arndts, Maria (Tonsetzerin und Schriftstellerin, geb. zu München 5. April 1823, gest. daselbst am 23. Mai 1882). Die Tochter des Münchener Hofschauspielers und der Sängerin Vespermann, zeigte sie schon [191] als Kind besonderes Talent für die Musik und erhielt, erst vier Jahre alt, Clavierunterricht von ihrem Vater; später wurde sie von Pentenrieder und Capellmeister Hauser im Clavierspiel, Gesang und in der Compositionslehre ausgebildet; auch Lachner machte sich bei ihrer fortschreitenden Entwickelung geltend, und die Berührung, in welche sie, in einer künstlerischen Atmosphäre aufwachsend, mit Berühmtheiten, wie Wilhelm Taubert, Franz Liszt und Anderen kam, blieb nicht ohne mächtig fördernden Einfluß auf ihre künstlerische Richtung. Die ungewöhnliche Veranlagung der kleinen Pianistin erhält noch durch die Thatsache Bestätigung, daß Franz Liszt in Folge ihrer Liedercomposition aus Weber’s Epos „Dreizehnlinden“ sie 35 Jahre später, nachdem er sie zum letzten Male in München gesehen, persönlich in Wien wieder aufsuchte. Unter so hervorragenden Einflüssen entfaltete sich das Talent Marias zur schönsten Blüte. Mit neun Jahren wirkte sie bereits in einem Concerte mit, zwölf Jahre alt, componirte sie die ersten Lieder, welche in einem Concerte Beifall errangen, und im fünfzehnten Jahre trat sie als selbstausübende Künstlerin mit eigener Composition zum ersten Male concertirend auf. 1844 reichte sie ihre Hand dem Dichter Guido von Görres, und nun verwendete sie ihr liebliches Talent für Gesang und Clavierspiel ausschließlich nur noch für den Familien- und Freundeskreis, welch’ letzterer berühmte Namen, wie Wilhelm Kaulbach, den Naturforscher Martius und Andere zählte, und dessen Zierde sie selbst war. 1852 verlor sie ihren Gatten durch den Tod und vermälte sich dann nach mehrjähriger Witwenschaft 1860 zu Andechs mit dem damaligen Universitätsprofessor und späteren Hofrathe Ludwig Arndts von Arensberg, welchem sie nach Wien folgte, wo sie eine zweite liebe Heimat und bald auch wieder einen anregenden Freundeskreis fand. Dort erfreute sie sich bis ein paar Jahre vor ihrem Tode, als sich die ersten Spuren des heimtückischen Uebels zeigten, das ihrem Leben ein frühes Ende machen sollte, eines ungetrübten Daseins. Den Sommer über verweilte sie aus Anhänglichkeit an ihr heimatliches Bayerland Jahr aus Jahr ein zu Mühlfeld am Ammersee. Während des letzten Winters nahm ihr Leiden einen immer schnelleren und drohenderen Verlauf. Im Frühjahre kam sie wie gewöhnlich nach München, aber ihr liebes Mühlfeld am Ammersee sollte sie nicht wiedersehen, wenige Tage nach ihrer Ankunft in der Isarstadt erlag sie unter schwerem und qualvollem Todeskampfe im Alter von 59 Jahren ihrer Krankheit. Sie starb in demselben Hause, in das sie einst an der Hand ihres ersten Gatten Guido von Görres ihren glücklichen Einzug gehalten, im Hause ihres Schwiegersohnes, des praktischen Arztes Dr. Guido Jochner, des Mannes ihrer ältesten Tochter aus erster Ehe. Maria war, wie bereits bemerkt, als Componistin, aber auch als Schriftstellerin thätig. Unter ihrem Mädchennamen Maria Vespermann kamen heraus: ein Concertstück bei Falter und Sohn in München, dann einige Lieder in einer größeren Liedersammlung und ein in der literarisch-artistischen Anstalt von Cotta verlegter Liedercyclus: „Die Tageszeiten“, mit einem Titelbilde von Wilhelm Kaulbach, die Lieder selbst sind von Guido Görres; – „Frische Lieder für frische Kinder“, erschienen unter dem Namen Maria Görres, ferner sechs vierhändige Clavierstücke [192] bei Falter und Sohn in München; – ein Salonstück, betitelt: „Aus den Bergen“, bei Aibel, dann ein Heft Lieder und „Bunte Reihen“, kurze Clavierstücke in 2 Heften; – folgende Compositionen erschienen unter dem Namen Maria Arndts: „Ernste und heitere Stunden am Clavier“ (Wien, Haslinger); – mehrere Lieder und Duette (bei Gall, Wien in der Wollzeile); – „Dreizehn Lieder aus dem Epos: Dreizehnlinden , von F:. W. Weber“ (Paderborn 1879 bei Schömigh-Esser); – das Eingangsduett daraus: „Wonnig ist’s in Frühlingstagen“, und der dreistimmige Chor „Amen, Amen“ und eine zweite Folge von Liedern zu Texten aus „Dreizehnlinden“. Als Schriftstellerin trat sie nur als die Gattin ihres zweiten Mannes mit dem Namen Maria von Arndts auf, und sind die Titel ihrer Schriften: „Dramen für das christliche Haus“ 4 Bände (Wien 1864–69) enthaltend: Band I: „Die Schule Murillo’s“, „Drei Bilder aus Raphael’s Jugendleben“; Bd. II: „Ein Passionsspiel in fünf Bildern“; Bd. III: „Ostern, in fünf Bildern“; Bd. IV: „Mozart als Ehestifter. Lustspiel in drei Aufzügen“; – ferner „Der Juhschrei auf der Kaiseralm. Novelle“ (Dresden, bei Robert Zahn); – „Marianne. Zeitbild aus dem dreissigjährigen Kriege“ (Wien), früher schon im Wiener „Volksblatt für Stadt und Land“; – „Il Palio. Malernovelle“ (Paderborn, bei Schömigh-Esser), früher im Wiener politischen Parteiblatt „Das Vaterland“; – im „Oesterreichischen Kalender“ die Novelle: „Ein kostbarer Blumenstrauß“ und in der „Unterhaltungsbeilage der Augsburger Postzeitung“ die Erzählung: „Hüben und drüben oder Bayrisch und Tirolisch“. So viel von ihren Arbeiten, welche im Druck erschienen und so in weiteren Kreisen bekannt geworden sind. Einen kleinen Schatz aber birgt ihr Nachlaß, und viele ihrer Gelegenheitsarbeiten, vornehmlich Compositionen, befinden sich im Privatbesitz ihrer Angehörigen und Freunde, so einige mehrstimmige Männerchöre, Messen, Passions- und Krippenspiele, welche noch jetzt in Klöstern öfter zur Darstellung gelangen. Das Weber’sche Epos „Dreizehnlinden“, welches innerhalb weniger Jahre eilf Auflagen erlebte, ist im Auszug und in Zusammenstellung mit den Liedern unserer Componistin durch Franz Classen zu einem Melodram gestaltet worden, welches an verschiedenen Orten in geselligen Kreisen und in Vereinen – theilweise sogar im Costüm – aufgeführt und überall und einmal sogar in Amerika auf das beifälligste aufgenommen wurde. Maria Vespermann-Arndts, obgleich Künstlerin und eine Dame von der Feder, war darum nichts weniger als eine emancipirte Frau, worin Künstlerinen und Blaustrümpfe nicht selten in eigenthümlicher Verirrung das Ideal einer Frau zu finden glauben; sie war eine hochbegabte, sinnige, dabei in ihrem ganzen Wesen höchst einfache Frau, welche ein lebendiges Beispiel gab, wie ernstes Streben und Schaffen mit dem ewig Weiblichen Hand in Hand gehen könne; sie hat, eine von den Wenigen unter den Vielen, es verstanden, den regen Sinn für Kunst und für alles Hohe und Schöne, was den Menschengeist, das Menschenherz bewegt und erhebt, mit echter zarter Weiblichkeit, mit Frömmigkeit, mit Glaubensinnigkeit und liebevollem Wohlthun, mit Bescheidenheit und Wohlwollen zu vereinen. Außer der schon erwähnten Tochter hatte sie noch aus erster Ehe – sonst hinterließ sie’ keine Kinder – zwei Töchter, deren [193] jüngste den dramatischen Dichter Hippolyt August Schaufert [Band XXIX, S. 129][WS 1] und nachdem sie Witwe geworden, den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Victor Fuchs in Wien heiratete. Maria Vespermann war die zweites Gemalin des Hofrathes Arndts. Die erste war dessen Base, Marias Freundin, die als Dichterin bekannte Bertha Arndts, geboren am 9. December 1809 zu Arnsberg in Westphalen, vermält 1830 mit ihrem Vetter Dr. Ludwig Arndts, damaligem Privatdocenten der Rechte in Bonn, gestorben am 10. Mai 1859 in Wien. Berthas Gedichte, in Musik gesetzt von ihrer Freundin Maria Vespermann-Arndts, sind zu München im Druck erschienen. Ihren poetischen Nachlaß aber hat F. Hurter (Schaffhausen 1860) herausgegeben.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Band XXIV, S. 129].