BLKÖ:Volkmann, Anton von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Volkert, Franz
Nächster>>>
Volkmann, Robert
Band: 51 (1885), ab Seite: 253. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Anton von Volkmann in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Volkmann, Anton von|51|253|}}

Volkmann, Anton von (k. k. Generalmajor und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Balassa-Gyarmáth in Ungarn 1775, gest. zu Linz am 5. April 1824). Die Laufbahn seines Vaters, eines k. k. Officiers, erwählend, trat er, 17 Jahre alt, als Cadet bei Callenberg-Infanterie Nr. 54 ein, machte den Türkenkrieg 1788 und 1789 mit Auszeichnung mit und wurde 1790 als Oberlieutenant erst zum Generalstabe, später zu Wartensleben-Infanterie Nr. 28 eingetheilt. Von 1793 bis zum Luneviller Frieden (9. Februar 1801) stand er neuerdings im Generalstabe. Im Feldzuge 1793 zeichnete er sich bei Condé am 23. Juni aus, indem er mit einer kleinen Infanterieabtheilung und einigen Jägern die Franzosen aus ihrer gedeckten Stellung vertrieb und ihre Verschanzungen zerstörte. Neue Beweise seiner Tapferkeit gab er als Hauptmann am 10. November 1794 bei dem Rückzuge eines Detachements über den Rhein bei Wesel; dann im Treffen bei Bemmel an der Waal am 10. Jänner 1795; ferner bei der Einnahme des Galgenberges vor Mainz; bei der Vertheidigung des Postens von Wildstätt am 27. Juni 1796 und noch bei einigen anderen Gelegenheiten. Im Juni 1797 rückte er in Anerkennung seiner so oft bewiesenen Tapferkeit zum Major vor, dann aber schied er für mehrere Jahre aus den Reihen der Armee. Als der Feldzug 1805 ausbrach, in dieselbe wieder eintretend, wurde er als Oberstlieutenant im Generalstabe eingetheilt und machte dann den Feldzug 1809 zunächst als Oberst bei Johann Jelačić-Infanterie Nr. 53, vom 25. Mai ab jedoch als Oberst im Generalstabe mit. Als die Feindseligkeiten in Italien begannen, galt es vor Allem, die Aufmerksamkeit des Feindes von dem Punkte abzulenken, auf welchem die Hauptarmee die Absicht hatte vorzurücken. Zur Ausführung dieses Planes fiel die Wahl auf Oberst Volkmann. Er wurde nun mit einem Bataillon seines Regiments Jelačić, je einem solchen vom Franz Karl- und vom 2. Banal-Regimente nebst zwei Schwadronen Ott-Huszaren über Pontafel in das Fellathal entsendet. In demselben fand er die Vorposten des Feindes, drängte sie zurück und rückte am 10. April bis Resiutta vor. Am folgenden Tage erschien er vor Venzone und [254] stieß auf den feindlichen Vortrab unter General Broussier. Die Franzosen waren vorwärts Venzone bei dem Dorfe Pontis in vortheilhaftester Weise aufgestellt. Nichtsdestoweniger griff Volkmann den Gegner mit ebenso viel Klugheit als Entschlossenheit an, und es gelang ihm auch, denselben nach einem lebhaften Kleingewehrfeuer aus seiner Stellung zu verdrängen. Der feindliche Vortrab zog sich hinter Venzone auf die Position von Rivobianco zurück und vertheidigte sie mit 6 Bataillons und ebenso viel Geschützen. Nun eröffnete Volkmann, mit seinen Geschützen ein lebhaftes Feuer auf den Gegner wirken lassend, den Kampf. Der rechte Flügel der Franzosen, der gegen den Monte Comelico gelehnt stand, griff unseren linken an, aber das Bataillon des 2. Banal-Regiments schlug diesen Angriff nicht nur ab, sondern warf mit Ungestüm den Feind zurück und besetzte, nachdem in den Reihen desselben Unordnung eingerissen war, sofort die Anhöhen auf dem rechten Flügel der Franzosen. Zu gleicher Zeit griffen die Bataillone Jelačić und Franz Karl unter Volkmann’s persönlicher Führung in der Fronte an, und in einem hartnäckigem Gefechte, welches über neun Stunden dauerte, wurde endlich der weit überlegene Gegner mit großem Verluste zum Rückzuge genöthigt. Nun verfolgte auch, ohne zu säumen, Oberst Volkmann den Feind bis San Daniele und über den Tagliamento, dadurch den wichtigen Zweck erreichend, daß unsere Armee, ohne einen Schuß zu thun und ohne auf den Feind zu stoßen, nicht nur bis Cividale am 12. und 13. April vorrücken konnte, sondern erst bei Pordenone am 15. April auf Widerstand traf. Hier aber trug Oberst Volkmann, der am Fuße des Gebirges Stellung genommen:, zu dem am folgenden Tage bei Fontana Fredda erfochtenen Siege dadurch wesentlich bei, daß er, als der Feind eben beabsichtigte, unsere Position bei Villanuova über das Gebirge zu umgehen, sich mit seiner Abtheilung der nächsten Berge im Sturm bemächtigte, den Gegner angriff, verjagte und bei dieser Gelegenheit auch einen Theil der italienischen Garde vernichtete. Für dieses ebenso entschlossene als tapfere und umsichtige, von siegreichem Erfolge begleitete Vorgehen erhielt Oberst Volkmann außer Capitel mit Armeebefehl vom 24. October 1809 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Noch kämpfte er in den Befreiungskriegen der Jahre 1813–1815. Im September 1813 zum Generalmajor befördert und als solcher in der vereinigten österreichisch-bayrischen Armee eingetheilt, commandirte er in derselben eine Infanterie-Brigade in der Division Bach. Am 29. October 1813 rückte er über Alzenau nach Gelnhausen vor, beunruhigte den Feind ohne Unterlaß im Rücken und in den Flanken und verfolgte dessen Nachhut bis Hanau. Dort nahm er am folgenden Tage thätigen Antheil an der Schlacht und besetzte am 2. November mit der Avantgarde Frankfurt a. M. Nach dem Uebergange über den Rhein bloquirte er Schlettstadt, besetzte am 22. Februar 1814 Troyes, wo die Monarchen zur Berathung sich versammelt hatten, und wurde Tags darauf von dem französischen General Pire zur Uebergabe aufgefordert. Da er diese verweigerte, ließ General Pire die Stadt beschießen und traf Anstalten zum Sturme. Gegen zehn Uhr Abends hatten die Franzosen in das alte Gemäuer bereits Bresche geschossen und versuchten nun zu stürmen, aber drei Compagnien [255] des Infanterie-Regiments Rudolph schlugen jeden Angriff des Feindes ab. Als dann gegen und nach Mitternacht derselbe wiederholte Versuche zu stürmen unternahm, blieben auch diese ohne Erfolg. Da ließ Napoleon, besorgend, daß die Stadt zuletzt falle, alle weiteren Angriffe einstellen und beschloß, den Morgen abzuwarten. Aber am 24. Februar um 2 Uhr Früh war Volkmann bereits aufgebrochen und hatte die Stadt dem Gegner überlassen. Noch kämpfte er in dem darauf folgenden Treffen bei Bar sur Aube (27. Februar), und zwar mit solcher Bravour, daß ihn die verbündeten Monarchen mit ihren Orden auszeichneten; besetzte dann Arcis (19. März), brach die Brücke über den schmalen Arm der Aube ab, fuhr Geschütz auf der Terrasse des Schlosses auf, verrammelte sämmtliche nach dem Flusse führenden Zugänge und traf überhaupt alle erforderlichen Vertheidigungsmaßregeln. Als dann am folgenden Tage die Schlacht statt fand, leistete er mit dem Regiment-.Erzherzog Rudolph und einem Bataillon Jordis-Infanterie bei dem Kampfe um Groß-Torcy Wunder der Tapferkeit. Er schlug und hielt sich wider die besten Truppen Napoleons durch viele Stunden, bis endlich gegen Abend mit der anrückenden russischen Garde die ersehnte Hilfe erschien. Der bayrisch-militärische Max Joseph-Orden war der Lohn für des Generals ausgezeichnetes Verhalten an diesem Tage. Mit demselben schließt auch Volkmann’s kriegerische Thätigkeit ab, denn im folgenden Kriegsjahre 1815 stand er zuletzt als Commandant des Bloquadecorps von Neu-Breisach und Fort Mortier, später bei der Verstärkung der Belagerungstruppen von Hüningen in Verwendung. Nach beendigten Kriegen erhielt er eine Brigade in Linz, wo er auch im schönsten Mannesalter von erst 50 Jahren starb.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Wien und Teschen, 1880, K. Prochaska, Lex.-8°.) Bd. I, S. 356, Jahr 1809; S. 263, Jahr 1809.