BLKÖ:Wahlmann, Eleonore

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 140. (Quelle)
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Wahlmann, Eleonore (dramatische Künstlerin, geb. in Klagenfurt am 11. April 1843). Ein Theaterkind. Der Vater, ein Wiener, und die Mutter, eine Hamburgerin, Beide Schauspieler, standen [141] 1843 an der Bühne zu Klagenfurt in Engagement. Eleonore lernte also frühzeitig das Theater kennen, auf welchem sie auch als kleines Mädchen Kinderrollen spielte. Jedoch sorgten die Eltern für eine gute Erziehung, welche ihr zu Wien in einem trefflichen Mädchen-Erziehungsinstitute zutheil wurde. Dann kehrte sie zu ihren Eltern zurück und erhielt bald darauf das erste Engagement – 13 Jahre alt – am Königgrätzer Theater, auf welchem sie als Stubenmädchen in Bauernfeld’s „Bekenntnisse“ debutirte. Von Königgrätz folgte sie einem Rufe an die Linzer Bühne, welche unter Kreibig’s Direction stand, und deren beliebtestes Mitglied sie bald wurde. Da faßte sie den verhängnißvollen Entschluß, sich zu vermälen. Geblendet von der äußeren Erscheinung eines Mannes – es war der Gymnastiker Meergarté – achtete sie weder der Bitten und Wünsche ihrer Eltern, noch der Warnungen des Directors, noch auch der sie fesselnden contractlichen Verbindungen. Eine schöne Zukunft in die Schanze schlagend – war ihr doch bereits ein Probespiel am Wiener Hofburgtheater angeboten worden – folgte sie dem Manne ihrer Wahl. An der Seite dieses fahrenden Circuskünstlers, der heute da, morgen dort seine Künste zeigte, begann für die kaum siebzehnjährige Frau jenes Wanderleben, welches bald alle Illusionen schwinden machte, mit welchen sie umgaukelt worden, ehe sie die verhängnißvolle Ehe schloß. Aber – wenn auch von der Ausübung ausschlossen, fühlte sie sich bald abgestoßen von diesem Treiben. Nach dreijährigem Wanderleben kam sie mit ihrem Gatten nach Amsterdam. Daselbst wurde sie zufällig mit dem Director der deutschen Bühne bekannt, und als plötzlich die erste Liebhaberin erkrankte, wandte sich dieser an die junge Frau mit den Worten: „Helfen Sie mir aus“. Und da hielt sie es auch nicht länger aus, von den Brettern fern zu bleiben, und betrat nach langen drei Jahren dieselben wieder zum ersten Male. Nun aber war auch der Bann gebrochen, sie stellte dem Einsprüche ihres Gatten entschiedenen Widerstand entgegen, und unter dem Einflusse Devrient’s, der gerade in Amsterdam gastirte, kehrte sie bleibend zur Bühne zurück. Von Amsterdam ging sie nach Gratz, wo Kreibig zu jener Zeit die Bühne leitete. Derselbe hatte ihr in Linz, als sie, auf alle seine Vorstellungen nicht hören wollend, ihn verließ, zugerufen: „Sie kehren dennoch wieder!“ Und in der That, sie war wiedergekehrt. Sie spielte nun auf der Gratzer Bühne Heldinen, und mit jeder neuen Rolle errang sie neue Erfolge. Als sie in einer solchen Vorstellung der alte Marr sah, erkannte er bald das schöne Talent, das ihm aber hier nicht am rechten Platze zu sein schien. „Sie spielen zu viel hier, um noch mehr lernen zu können; ich will für Sie sorgen“. Bald darauf erhielt sie einen Ruf von Hamburg zu einem Gastspiele daselbst und während desselben einen Engagementsantrag von der Stuttgarter Hofbühne, welchem die Künstlerin auch folgte. Und seitdem ist sie Mitglied dieser Bühne für das Fach der tragischen Heldinen. Ihre Verbindung mit dem ersten Gatten hatte der Tod gelöst; in Stuttgart ehelichte sie den Schauspieler Willführ und führt nun den Doppelnamen Wahlmann-Willführ. Schon in Gratz war sie von dem Rollenfache der ersten Liebhaberinen zu dem der Tragödin übergegangen, und ihr Repertoire umfaßt alle Rollen, welche zwischen der Grillparzer’schenMedea“ und der [142] Schiller’schenMaria Stuart“ liegen. Aber neben diesen tragischen Rollen hohen Styls leistet sie auch im höheren Lustspiel Ausgezeichnetes. Ihre Auffassung und Darstellungsweise sind tief empfunden, stets dramatisch wirksam, eben so edel als wahr, dazu kommt ihr eine vornehme äußere Erscheinung zu Statten, denn sie ist eine hohe majestätische Gestalt mit flammend dunklen Augen und edlen Gesichtszügen, deren beredte Mimik den Eindruck ihres Spiels noch erhöht.

Künstler-Album. Eine Sammlung von Porträts im Stahlstich mit biographischem Text (Leipzig 1873, Dürr, 4°.). Zwölfte Lieferung, S. 7. – Wiener Theater-Chronik, 20. August 1867, Nr. 47; 1. Februar 1868, Nr. 7: „Eleonore Wahlmann“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) 23. Februar 1875, außerordentliche Beilage zu Nr. 56: „Eleonore Wahlmann“. – Perels’ deutsche Schaubühne (8°.) 1867, S. 86: „Eleonore Wahlmann“. Von Sacher-Masoch. – Allgemeine Familien-Zeitung, 1872, S. 986.
Porträts. 1) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: „Eleonore Wahlmann“. Nach einer Photographie. Stich und Druck von Weger (Leipzig. 4°.). – 2) Unterschrift: „Eleonore Wahlmann, königl. württembergische Hofschauspielerin“. Nach einer Photographie gezeichnet von E. Kolb.