BLKÖ:Sacher-Masoch, Leopold Ritter von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Sacco, Luigi (Maler)
Band: 28 (1874), ab Seite: 22. (Quelle)
Leopold Ritter von Sacher-Masoch bei Wikisource
Leopold von Sacher-Masoch in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118604570, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Sacher-Masoch, Leopold Ritter von|28|22|}}

Sacher-Masoch, Leopold Ritter von (Schriftsteller, geb. zu Lemberg am 27. Jänner 1835). Sohn des Lemberger Gubernialrathes und Polizeidirectors S., eines Beamten, welcher in der Zeit Sedlnitzky’s dessen Intentionen in Galizien in der nach bureaukratischem Ausdruck: „correctesten Weise“ zur Ausführung brachte. Eine der dem Herausgeber dieses Lexikons zu Gebote stehenden Quellen berichtet, die Familie des Vaters S. sei spanischen, jene der Mutter Masoch slavischen Ursprunges. Die Jugend verlebte S. in Galizien, zum großen Theile auf dem Lande in einem bei Lemberg gelegenen Dorfe, wo er als Knabe mit polnischen, ruthenischen und schwäbischen Bauernjungen – letztere die Kinder deutscher Colonisten in Galizien – mit Protestanten und Juden in Wald und Feld, in Synagoge und Schenke sich herumtummelte und jene Eindrücke empfing, die er später mit fast haarsträubender Wahrheit in mehreren seiner Schriften zum Ausdrucke brachte. Unter seinen Kinderspielen nahm ein Puppentheater die erste Stelle ein, und bei der lebhaften Phantasie, die er besaß, improvisirte er aus verschiedenen Geschichten, die er irgendwo erlauscht, ganze Dramen, die er mit seinen Theaterfiguren vor seinen Geschwistern und dem oben geschilderten Publicum zur Aufführung brachte. Als die Greuel des Jahres 1846 über Galizien hereinbrachen und der Wahnsinn des Edelmanns mit der Mordlust des entfesselten Landmanns Hand in Hand gingen, zählte S. eilf Jahre, war also alt genug, um unauslöschliche Eindrücke von den grauenerregenden Ereignissen zu empfangen, welche damals statthatten. Im Jahre 1848 wurde sein Vater von Lemberg nach Prag als Hofrath und [23] Stadthauptmann übersetzt, und dort erst erlernte der Sohn, der bis dahin nur polnisch und ruthenisch sprach, die deutsche Sprache. In Prag beendete er auch das Gymnasium, hörte die philosophischen Studien und betheiligte sich nebstbei besonders lebhaft an einem Dilettanten-Theater, an welchem jedoch nicht eigens für solche harmlose Zwecke zubereitete kleine Lustspiele, sondern die Tragödien Shakespeare’s, Schiller’s, Göthe’s die Lustspiele von Molière und Scribe und sonst Stücke von Gutzkow, Laube u. A. zur Darstellung kamen. Auch entwickelte, wie einer seiner Biographen schreibt, die Neigung zu einer Theaterdame die Leidenschaften des Herzens. Um die Mitte der Fünfziger-Jahre erfolgte die Versetzung seines Vaters nach Gratz, und in der Murstadt beendete S. die rechtswissenschaftlichen Studien und erlangte im Jahre 1855 die juristische Doctorwürde. Im folgenden Jahre habilitirte er sich als Privatdocent der Geschichte an der Gratzer Hochschule und hielt im Sommersemester Vorträge über das Zeitalter der Reformation mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen Geschichte, zugleich arbeitete er an einem selbstständigen historischen Werke über den Aufstand in Gent unter Karl V., womit er gegen eine frühere Bearbeitung desselben Gegenstandes durch den berühmten Geschichtsforscher Schlosser auf Grundlage von bisher unbeachtet gebliebenen Quellen, deren Benützung ihm das kaiserliche Haus-, Hof- und Staats-Archiv in Wien gewährte, kritisch ankämpfte. Der Gratzer Telegraph berichtete über dieses literarische Ereigniß damals (1856, Nr. 333) mit den Worten, daß es nichts geringeres galt, „als den bisher abergläubisch vergötterten Schlosser mit rücksichtsloser Schärfe und Gründlichkeit zu widerlegen“. Gewiß ein gewagtes Unternehmen! – Obgleich nun ein Kritiker dieses Buches den Verfasser desselben bereits als „deutschen Macaulay“ begrüßte, so blieb doch die Arbeit unbeachtet, ein Vorgang, den sie unter allen Umständen nicht verdiente, da doch ein wissenschaftliches Streben, selbst wenn es sich im jugendlichen Feuereifer überhebt, Würdigung verdient. Der wenig ermuthigte Autor verließ nun vorderhand das wissenschaftliche Gebiet und zog sich auf das belletristische zurück, mit seiner „galizischen Geschichte“ [die bibliographischen Titel der Schriften Sacher-Masoch’s folgen auf S. 24] debutirend. Die beifällige Aufnahme dieser tendenziösen Unterhaltungsschrift ermöglichte eine zweite Auflage. Aber der wissenschaftliche Drang blieb noch immer vorherrschend; noch einmal machte sich S. an eine historische Arbeit und schrieb wieder mit Benützung der Urkunden des Staatsarchivs sein Geschichtswerk „Maria von Ungarn“, welches keinen besseren Erfolg hatte, wie der Aufstand in Gent. Ein Referent bemerkte über diese Arbeit, „sie lese sich wie ein geistvoller Feuilleton-Artikel, so sehr habe der Verfasser vermieden, den gelehrten Apparat durchschimmern zu lassen, ein Motiv mehr für geistlose Urkundenabschreiber, das Buch zu ignoriren“. Der Hieb muß festgesessen sein, denn in gelehrten Kreisen kümmerte man sich wirklich nicht um das interessante Buch, und Sacher-Masoch nahm von der Geschichtsforschung und Geschichtschreibung Abschied. Er blieb seither dem belletristischen Gebiete treu, sich wechselweise auf dem der Novelle, des Romans und des Drama’s bewegend. Es folgten eine neue galizische Geschichte: „Der Emissär“; ein Roman: „Kaunitz“; ein [24] Lustspiel: „Die Verse Friedrich’s des Großen“, das auf mehreren Provinz-, aber auch auf größeren Stadt- und Hof-Theatern, wie Leipzig, Königsberg, Oldenburg, München, Hannover u. s. w. zur Darstellung kam; der Novellenkranz: „Das Vermächtniß Kain’s“, und mehrere andere Unterhaltungsschriften. Die bibliographischen Titel der Werke Sacher-Masochs’s sind: „Der Aufstand in Gent unter Kaiser Karl V.“ (Schaffhausen 1857, gr. 8°.); – „Ungarns Untergang und Maria von Oesterreich“ (Leipzig 1862, 8°.); – „Der Emissär. Eine galizische Geschichte“ (Prag 1863, Credner, 8°.) [vergleiche Blätter für literar. Unterhaltung 1864, S. 420]; – „Graf Donski. Eine galizische Geschichte 1846“ (2. Aufl. Schaffhausen 1864, Hurter, 8°.), die erste Auflage erschien anonym; – „Die Verse Friedrich’s des Grossen. Historisches Lustspiel in drei Acten“ (Schaffhausen 1864, Fr. Hurter, 8°.); – „Rannitz. Culturhistorischer Roman“, 2 Bände (Prag 1865, Credner, 8°.) [Blätter für literarische Unterhaltung 1866, S. 600]; – „Der letzte König der Magyaren. Historischer Roman“, 3 Bde (Jena 1867, Costenoble, 2. (Titel-) Ausgabe 1870, 8°.) [Blätter für literar. Unterhaltung 1868, S. 600]; – „Unsere Sclaven. Eine sociale Komödie in 5 Acten“ (Wien 1869, L. W. Seidel u. Sohn, 8°.); – „Die geschiedene Frau. Passionsgeschichte eines Idealisten“, 2 Bde. (Leipzig 1870, Bormann, 2. (Titel-) Ausgabe 1872, 8°.) [Blätter für literar. Unterhaltung 1870, S. 72]; – „Aus dem Tagebuche eines Weltmannes. Causerien aus der Gesellschaft und der Bühnenwelt“ (ebd. 1870, 2. (Titel-) Ausgabe 1872, 8°.) [Blätter für literar. Unterhaltung 1870, S. 72]; – „Das Vermächtniss Kain’s“, I. Theil: „Die Liebe“, 2 Bände (Stuttgart 1870, Cotta 8°.) [Blätter für literar. Unterhaltung 1870, S. 785]; – „Zur Ehre Gottes. Ein Zeitgemälde“ (Leipzig 1872, E. J. Günther, 8°.); – „Wiener Hofgeschichten. Historische Novellen“, 2 Bände (ebd. 1873, E. J. Günther, 8°.); – „Ueber den Werth der Kritik. Erfahrungen und Bemerkungen“ (ebd. 1873, gr. 8°.); – „Russische Hofgeschichten. Historische Novellen“, 2 Bde. (ebd. 1873, E. J. Günther, 8°.); – „Sociale Schattenbilder. Aus den Memoiren eines österreichischen Polizeibeamten“ (Halle 1873, Gesenius, 8°.); – „Falscher Hermelin. Kleine Geschichten aus der Bühnenwelt“, 1. Band (Leipzig 1873, E. J. Günther, 8°.); – „Ein weiblicher Sultan. Historischer Roman“, 3 Bände (ebd. 1873, E. J. Günther, 8°.). Außer diesen selbstständig erschienenen Werken waren in Unterhaltungs- und Theaterblättern u. a. zerstreut gedruckt: einzelne Novellen, das Theaterstück: „Joseph Sonnenfels, der Mann ohne Vorurtheil, oder die Freimaurer in Wien (1765)“ u. m. a. Wie aus vorstehender Uebersicht der Schriften Sacher-Masoch’s zu entnehmen, ist es eine ungemein große und nach verschiedenen Richtungen, der streng wissenschaftlichen und ästhetischen und in dieser letzteren auf die Gebiete des Romans, der Novelle und des Lustspiels abzweigende Thätigkeit, welche der verhältnißmäßig noch junge Autor entwickelt. Der Erfolg war ein sehr verschiedener, Alles stimmte darin überein, daß der Verfasser nicht gewöhnliches Talent, einen ungemein scharfen Beobachtungssinn, die Gabe, Charaktere mit Sicherheit und Treue zu zeichnen, oft geniale Ideen und den nicht geringen Vorzug, sich elegant und leicht auszudrücken, besitze. Ebenso einig aber war man in der Verwerfung seiner Tendenzen, in der Ablehnung der sittlichen Richtung, welche aus seinen [25] Werken sprach. Sacher-Masoch gerieth darüber mit den geistreichsten Kritikern der Gegenwart, u. A. mit Hieronymus Lorm, in erbitterte Fehde. Dieser letztere nahm keinen Anstand, in einer Serie von Feuilletons, in welchen er deutsch-österreichische Schriftsteller charakterisirte, in Nr. III, worin er den „Parasiten und Renegaten in Oesterreich“ seine Aufmerksamkeit widmet, über Sacher-Masoch u. a. wie folgt zu schreiben: „S.-M. veröffentlichte in Bach’s Zeiten einen Roman: „Eine galizische Geschichte“, in welcher der revolutionäre Empörungsversuch des polnischen Adels vom Jahre 1846 zwar ohne die Gesinnung, die sich auch aus liberalem Gesichtspuncte gegen jene frevelhafte Bewegung hätte geltend machen lassen, aber doch mit einer Betonung deutsch-österreichischer Culturmacht behandelt wurde, daß man Composition und Darstellung, weil sie auch sonst einen nicht unbegabten Anfänger verriethen, Denjenigen lobend empfehlen dürfte, die auch in gedrückter Zeit den deutschen Beruf Oesterreichs gerne hervorgehoben sahen. Zum Erstaunen entpuppte sich derselbe Autor, und zwar fortgesetzt in deutscher Sprache als ein Ueberläufer zum Slaventhum oder als ein dahin „Zurückkehrender“, der uns Deutschen nichts vergönnte, als – unsere Bücher. Zu welcher Grausamkeit sich der Deutschenhaß versteigen kann! Warum aber der Autor von „Kaunitz“, welcher Roman ebenfalls liebliche Proben jener Abneigung enthält, bei so ausgesprochener Sympathie für die Volksstämme, unter denen er in jedem „Rastelbinder“ einen Schoppenhauer erkennt, nicht lieber polnisch oder slovenisch schreibt, warum er gerade uns, die hassenswerthen Deutschen, zu Vertrauten seiner Muse macht, ist zwar wunderlich, aber trotzdem leicht zu erklären. Die Slaven sind schon so ungeheuer gebildet, daß sie keine Bücher mehr brauchen und im Bewußtsein dieser Bildung sogar größtentheils das Lesenlernen verschmähen. Die Deutschen sind so weit zurück, noch Bücher zu brauchen, und zu gar nichts Besserem in der Welt tauglich, als Bücher zu kaufen und zu loben, und darum läßt uns Herr Sacher-Masoch das kindliche Vergnügen und schreibt, obgleich ein Pole oder Czeche, in deutscher Sprache.“ So und noch mehr schreibt Lorm über Sacher-Masoch, der aber weder Pole noch Czeche ist, sondern sich selbst als „galizischen Russen“ [vergl. die Quellen S. 26] denuncirt. Wurde Sacher-Masoch von Lorm mit Glacéhandschuhen angegriffen, so fanden sich hingegen Andere, die mit Keulenschlägen auf ihn einhieben, so z. B. B. A. Glaßbrenner in seiner „Montags-Zeitung“ 1866, im Jänner, welcher anläßlich des im Wallner-Theater zu Berlin zur Aufführung gelangten Lustspiels: „Die Verse Friedrich’s des Großen“, schreibt: „Das Werk ist höchster Blödsinn in der Sphäre des höheren Lustspiels; es wird dahin mit geschichtlichen Charakteren und mit aller Wahrheit, Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit dermaßen toll umgesprungen, daß uns nur einzelne geistvolle Wendungen des Dialogs aus dem Wahne reißen konnten, uns vor einer Puppenspiel-Burleske zu befinden“. Noch tiefer schneidet Rudolph Gottschall in das faule Fleisch der Sacher-Masoch’schen Productionen bei Gelegenheit, als er in eingehender Weise dessen „Vermächtniß Kain’s“ in den „Blättern für literarische Unterhaltung“ 1870, S. 785, beurtheilt, und Lehmann’s „Magazin für die Literatur des Auslandes“ ging sogar so weit, die ihr zur Besprechung eingesendeten Werke [26] Sacher-Masoch’s aus Schicklichkeitsgründen sich zu verbitten. Diese einmüthigen Angriffe der Kritik glaubte S. zurückweisen zu müssen und ließ in jüngster Zeit die Schrift: „Ueber den Werth der Kritik. Erfahrungen und Bemerkungen von Sacher-Masoch“ (Leipzig 1873, E. J. Günther, 88 S. 8°.) erscheinen. Die Schrift erregte in den betheiligten Kreisen nicht Aufsehen, sondern Mitleiden, da von vielen Seiten die Ansicht zum Ausdrucke kam, daß ihr Verfasser am Größenwahnsinn leide. Paul Lindau brachte darüber in der von ihm redigirten „Gegenwart“ die bemerkenswertheste Anzeige, indem er seinem Ausspruche als Belegstellen eine Blumenlese von Gedanken aus der Sacher’schen Schrift zugesellt. Uebrigens trifft Sacher-Masoch nicht alle Schuld, er folgt leider nur der Richtung der Zeit und ist nicht stark genug, sich dieser Strömung entgegenzustellen. Sie zeigt sich in allen Gebieten der Kunst, in der Malerei, wo sie Makart mit seinem merkwürdigen Gemälde: „Die Pest in Florenz“ inaugurirte, in der Musik, wo Offenbach seine prikelnden, lüsternen Melodien in Schwung brachte, und in der Dichtung, wo Ada Christen mit einem seltenen Zauber der Sprache die zuchtlosesten Dinge sang. So liefert denn auch Sacher-Masoch in seinen letzten Romanen und novellistischen Arbeiten nur Beiträge zur „Urning-Literatur“, dieser schauerlichsten Mißgeburt des Geistes der Zeit. Sacher-Masoch lebt in den letzteren Jahren abwechselnd in Gratz, Prag, Salzburg und Wien, und erst vor Kurzem brachten die Journale die Nachricht, daß sich der junge Dichter verheirathet habe.

Kehrein (Jos.), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhunderte (Zürch, Stuttgart, Würzburg 1870, L. Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 71. – Glagau (Otto), Die russische Literatur und Iwan Turgenjew (Berlin 1872, 8°.) S. 166. – Gratzer Telegraph 1856, Nr. 333. – Wiener Abendpost (Abendblatt der amtl. Wiener Zeitung) 1866, Nr. 266: „Herr L. Sacher-Masoch“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 496; 1870, Nr. 2094 im Feuilleton: „Nihilismus in Deutschland“, von Karl v. Thaler. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1866, Nr. 18; 1871, Nr. 60. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 304, im Feuilleton: „Parasiten und Renegaten in Oesterreich“; Nr. 323: „Japhet, der seine Nationalität sucht“. – Laibacher Zeitung 1870, Nr. 29, im Feuilleton in den „Literarischen Streifzügen“ von A. v. Schweiger. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1864, S. 420, über seinen Roman „Der Emissär“; 1866, Nr. 38, S. 600, über „Kaunitz“; 1868, Nr. 38, S. 600, über „Der letzte König der Magyaren“; 1869, S. 271. – Sacher-Masoch ein „galizischer Russe“. Es geschah oben in der Biographie Erwähnung der Polemik zwischen Hieronymus Lorm und Sacher-Masoch. Letzterer erwiederte den Angriff Lorm’s in einem Schreiben ddo. Gratz 14. November 1866, welches die in Gratz herausgegebene „Gartenlaube für Oesterreich“ veröffentlichte. Am Schlusse dieses Schreibens heißt es: „Da Sie mich auf einer und derselben Seite einen deutschen Polen, oder Czechen und zuletzt gar einen Slovenen nennen, so muß ich Ihrer Begriffsverwirrung zu Hilfe kommen und Ihnen sagen, daß ich von russischen Eltern in dem russischen Galizien geboren, ein „galizischer Russe“ bin“. So Herr Sacher-Masoch, der es besonders liebt, zu sagen, „ein galizischer Russe“, während es doch correcter klänge: ein „galizischer Ruthene“, oder „galizischer Russine“, indem die Russinen oder Ruthenen in Galizien nichts weniger als Russen, sondern eben nur Ruthenen, Russinen sind, welche mit einem Theile der in Rußland wohnenden Slavo-Polen nur durch das Band der Religion, der griechisch-nicht unirten, vereinigt sind. Auf obige Erklärung Sacher-Masoch’s erwiederte die „Presse“ 1866, Nr. 323, in folgender Weise: „Japhet, der seine Nationalität sucht, ist eine Erscheinung, welche Matryat’s humoristischen Roman [27] noch übertreffend, als ein Product unserer österreichischen Wirren in der drolligsten Weise von Herrn Sacher-Masoch in Gratz repräsentirt wird. Unser sehr geschätzter Mitarbeiter Hieronymus Lorm hat, wie unsere Leser sich erinnern werden, das slavische Parasiten- und deutsche Renegatenthum in Oesterreich in unserem Feuilleton beleuchtet. Das hat den Herrn Sacher-Masoch in Harnisch gebracht, und zwar in den Harnisch einer ganz neuen Nationalität, der „galizischen Russen“ – wie sich die Ruthenen nennen, wenn sie schwarzen Frack und Glacéhandschuhe tragen. Manche hatten längst mit einiger Neugier gefragt, welcher nationalen Abstammung der mit allen erdenklichen Volksstämmen kokettirende doppelnamige Herr eigentlich selbst sich erfreue, und konnten darüber keine klare Auskunft erlangen. Er schrieb ausschließlich Deutsch gegen die deutschen Interessen und feindete die deutsche Grammatik an, indem er sie ruthenisch radebrechte. Er hatte sich hie und da als Pole gerirt und sogar persönlich zu dieser Nationalität bekannt; aber in seinen Schriften die galizischen Erhebungsversuche von 1846, die Mord- und Greuelthaten, die an den unglücklichen Polen verübt wurden, mit der Gesinnung und Anschauung eines Metternich’schen Polizeimannes beurtheilt. Kurz, er suchte seine Nationalität, wie Japhet seinen Vater. Endlich, und als ein Mann, der gewohnt ist, der neuesten Mode zu folgen, erklärt er mit Bestimmtheit, ein „galizischer Russe“ zu sein. Welche Antwort wird nächstens Herr Sacher-Masoch geben, da man ihm nun auch den galizisch-russichen Kittel gelüftet hat? – „Ich bin ein moldau-walachischer Preuße!“ – Zu gleicher Zeit erwiederte die Wiener amtliche Zeitung in ihrem Abendblatt (Abendpost 1866, Nr. 266) auf Sacher-Masoch’s gegen Lorm, als Mitarbeiters der Wiener Zeitung, geschleuderten Vorwurf: „daß Lorm Lakeiendienste bei der amtlichen Zeitung geleistet“, durch die Thatsache: „daß Herr Sacher-Masoch selbst längere Zeit hindurch sehr geneigt war, Lakeiendienste im Jacoberhofe (wo die Redaction der Wiener Zeitung damals sich befand) zu leisten“.