BLKÖ:Waller, Bruno

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Waller, Johann
Band: 52 (1885), ab Seite: 252. (Quelle)
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Waller, Bruno (gelehrter Benedictiner, geb. zu Salzburg am 29. Juni 1758, gest. zu Kremsmünster am 5. Nov. 1833). Die unteren Gymnasialclassen besuchte er im Kloster Benedictbeuern, die oberen in seiner Vaterstadt Salzburg, wo er auch das Doctorat der Philosophie erlangte. Constantin Langhaider [Bd. XIV. S. 119], zu jener Zeit Rector der Hochschule daselbst, welcher Waller besonders wohlwollte, veranlaßte dessen Eintritt in das Benedictinerstift Kremsmünster, der auch im November 1776 erfolgte. Am 29. Juni 1782 legte der Novize die Ordensgelübde ab und vertauschte seine Taufnamen Peter Paul mit dem Klosternamen Bruno, am 6. Juli 1783 erlangte er die Priesterweihe. Waller betrieb neben seinem theologischen Berufsstudium auch jenes der Jurisprudenz, und zwar mit solchem Erfolge, daß er 1781 mehr als 700 Thesen durch den Druck bekannt machte, welche er auch im August desselben Jahres gegen den juridischen Professor de Luca [Bd. XVI, S. 119] auf das rühmlichste vertheidigte. Der berühmte Kremsmünsterer Astronom Placidus Fixlmillner [Bd. IV, S. 261] nahm den reichbegabten jungen Priester unter seine Zöglinge in der Astronomie auf, und in der That führte dieser von 1779 bis 1785 zahlreiche praktische Aufgaben unter seines Meisters Leitung aus, aber zur eigentlichen Sternwarte kam er doch nie. So wandte sich denn Bruno den Naturwissenschaften zu und trug durch dreißig Jahre 1787–1815 am Lyceum seines Stiftes öffentlich Physik, privatim auch Naturgeschichte vor. Ausgezeichnetes leistete er als Lehrer in ersterem Wissenszweige, wie dies seine von 1799 bis 1823 aufgezeichneten, in der Stiftsbibliothek aufbewahrten „Lesefrüchte“ und dann das physicalische Cabinet bezeugen, welches er auf einen hohen Grad von Vollständigkeit brachte. Ob seiner Tüchtigkeit im Lehramte verlangte ihn die k. k. Regierung als Professor der Physik für Linz, das Stift aber lehnte diese Forderung ab, da es für eine so tüchtige Lehrkraft keinen Ersatz hatte. Neben seinem Lehrberufe war aber P. Bruno auch noch anderweit thätig; so betheiligte er sich gleich in den ersten Jahren seiner Professur an der von Kaiser Joseph II. angeordneten Catastralvermessung in Oberösterreich, sammelte mit großer Sorgfalt für das Naturaliencabinet des Stiftes und führte zahlreiche kleinere theoretische Arbeiten in Algebra, Geometrie, Physik und Astronomie aus. Von seinen bedeutenderen nennen wir die im Stiftsarchive handschriftlich vorhandene „Berechnung des Osterfestes“, welche er im Gegenhalte zu einer von Gauß in Braunschweig veröffentlichten Schrift gleichen Inhalts verfaßte, und in der er den Nachweis führt, daß die Gauß’schen Formeln in gewissen Fällen unrichtige Ostern liefern – Fehler, die bis nahe einen Monat steigen können – Waller zählt diese Fälle auf und gibt dafür die [253] Beispiele an; – ferner eine „Abhandlung über alte Maße, Gewichte und Münzen nach dem Codex von Seitenstetten“, eine antiquarische Arbeit, welche durch die Kürze und unbehilfliche Schreibart des benützten Codex sehr erschwert wurde, aber doch durch Waller’s genaue Forschung Licht in manches Dunkel brachte; – endlich ein „Tagebuch seiner Reise nach Italien im Jahre 1818“ in zwei starken Quartbänden, mit vielen Abbildungen, Städteplänen und Handzeichnungen zur Veranschaulichung der beschriebenen Objecte; dieses Tagebuch enthält neben manchem minder Bedeutenden doch sehr interessante Einzelheiten und bekundet Waller’s Empfänglichkeit für Reize der Kunst und Natur und die großen Erinnerungen der Geschichte und Religion[WS 1]. Im Jahre 1815 legte er das beschwerliche Lehramt nieder und wurde für sein verdienstvolles Wirken am 11. November 1815 von Kaiser Franz I. mit der großen goldenen Verdienstmedaille sammt Kette ausgezeichnet. Im Stifte wirkte er dann zunächst als Archivar und später als Vorsteher der Stiftskämmerei.

Geschichte der Sternwarte der Benedictiner-Abtei Kremsmünster von P. Siegmund Fellöcker (Linz 1864, J. Feichtinger, gr. 4°.) S. 147–155. – Hagn (Theodorich). Das Wirken der Benedictiner-Abtei Kremsmünster für Wissenschaft, Kunst und Jugendbildung (Linz 1848, Quirin Haslinger, 8°.) S. 84, 96, 139, 215, 222, 229, 230, 279, 280, 288, 302 und 303. – Neue theologische Zeitschrift. Herausgegeben von Joseph Pletz. 1836, Bd. I, S. 273. – Pachmayr (Marian P.). Historico-chronologio series abbatum et religiosorum Monasterii Cremifanensis etc. (Styrae 1777, Wimmer-Pachmayr, 1859[WS 2] Fol.) p. 859.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Religon.
  2. Vorlage: 859.