BLKÖ:Warou, Daniel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Warrens, Eduard
Band: 53 (1886), ab Seite: 91. (Quelle)
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Warou, Daniel (Medailleur, geb. zu Wien in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, gest. in Kremnitz um 1750). Nagler läßt ihn zu Stockholm geboren sein und in Wien um 1730 sterben. Darüber bemerkt die von Dr. Heinrich Kábdebo herausgegebene „Oesterreichische Kunstchronik“ in der Monographie: „Der Medailleur Matthäus Donner“ wörtlich: „daß ihn Nagler in Wien sterben, zu Stockholm aber geboren sein laßt, darf uns nicht überraschen, das ist eine Frucht jener Forscher, die alle mit Heraeus in Verbindung stehenden Personen, wie: Richter, Becker und Warou, Urdeutsche und theilweise Oesterreicher, in Stockholm das Licht der Welt erblicken lassen. Nun aber bemerkt [92] dieselbe Quelle, welche vorstehende Rüge ausspricht: „daß über Warou wenig urkundliches Material vorhanden, daß über ihn in Kremnitz nichts zu finden, daß er in Wien geboren zu sein scheint“. Dies Alles schließt die Möglichkeit, daß Warou zu Stockholm auf die Welt gekommen, um so weniger aus, als sein Name, wir mögen denselben wenden und drehen, wie wir wollen, ein sehr geringes urdeutsches Gepräge an sich hat. Die Frage seiner Geburt nach Ort und Jahr muß daher als unerledigt ad acta gelegt werden. Die „Kunstchronik“ läßt unseren Medailleur einen Schüler des Stempelschneiders Johann Georg Miller sein, während er nach Nagler seine Studien in Paris gemacht. Es kann Beides – Eines nach dem Andern – zutreffen. Er fand dann nach Nagler in Wien eine Anstellung, kam um 1700 als Münzgraveur nach Kremnitz, wo er bis an sein Lebensende blieb. 1715 wurde er Kammermedailleur Kaiser Karls VI. Als in diesem Jahre nach [BLKÖ:Hoffmann, Johann Michael|Johann Michael Hoffmann’s]] Ernennung zum Wardein die von demselben bisher bekleidete Stelle des Obermünzeisenschneiders wieder zur Besetzung kommen sollte, bewarben sich um dieses Amt Philipp Christoph Becker (geb. zu Koblenz 1676, gest. zu Wien 8. Mai 1743) und Antonio Maria de Gennaro (geb. zu Neapel 1679, gest. zu Wien 4. October 1744). Als aber Gennaro’s Münzproben wiederholt mißlangen, erhielt Daniel Warou in Kremnitz Befehl, sich augenblicklich nach Wien zu verfügen und daselbst das Münzamt wie jenes in Kremnitz einzurichten. Er kam und besichtigte die Einrichtung des Wiener Münzhauses, fand sie unbrauchbar und ungenügend und machte dann seine Vorschläge. Obwohl Alles genehmigt wurde und kaum zu zweifeln war, daß Warou an die Spitze der Münzstätte treten würde, war doch Gennaro, der sich seltener Protection erfreute, mit seinem Intriguenspiel hinter dem Rücken Warou’s so erfolgreich, daß Letzterer nach vollzogener Einrichtung auf die Obermünzeisenschneiderstelle freiwillig verzichtete, dem Gennaro sogar auf höhere Anordnung Unterricht im Medailleurfache ertheilte und nachdem der Mohr seine Schuldigkeit gethan, wieder nach dem stillen Kremnitz zurückreiste, wo er dann bis an sein Lebensende verblieb. Was nun seine Tüchtigkeit in der Kunst betrifft, so gebührt ihm die Ehre, in Oesterreich statt des Taschenwerkes das Stoßwerk eingeführt zu haben; überhaupt galt er für den tüchtigsten Münzkundigen seiner Zeit. Von seinen Arbeiten sind bekannt: das Medaillon mit dem Bildnisse des Grafen Heinrich von Salburg, Präsidenten der k. k. Kammer, abgebildet in Johann David Köhler’s „Historischen Münzbelustigungen“, Bd. XIII, S. 83; eine Darstellung in Medaillen der merkwürdigsten Ereignisse aus der Regierungsgeschichte Kaiser Karls VI., welche er mit Benedict Richter (gest. in Wien 28. April 1737) gemeinschaftlich geschnitten, und wofür ihm wahrscheinlich oberwähnter Hoftitel verliehen worden; dann eine große Medaille mit dem Bildnisse des Kurfürsten Johann Georg III. von Sachsen und eine kleinere auf den Fürsten Franz Rákóczi.

Oesterreichische Kunst-Chronik. Herausgegeben und redigirt von Dr. Heinrich Kábdebo (Wien, Reisser und Werthner, 4°.) Bd. II, Nr. 8, S. 116, Anmerkung 30, S. 117, 121–123, Nr. 9, S. 129.