BLKÖ:Richter, Benedict

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Richter, A. G.
Nächster>>>
Richter, David
Band: 26 (1874), ab Seite: 37. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Richter, Benedict|26|37|}}

8. Richter, Benedict (k. k. Hofmedailleur, aus Stockholm gebürtig). Lebte im 18. Jahrhunderte. Er war ein Schüler des berühmten Arfvid Karlsteen, der namentlich durch seine in Stahl punctirten Porträts sich bekannt gemacht. Zu seiner weiteren Ausbildung begab sich Richter nach Frankreich, wo er Mehreres für die Histoire metallique Ludwig’s XIV. arbeitete. Nach seiner Rückkehr in die Heimat trat er in kaiserliche Dienste. Heraeus [Bd. VIII, S. 320] hatte nämlich dem Kaiser Karl VI. den Plan zu einer Histoire metallique des kaiserlichen Hauses nach dem Muster der oberwähnten französischen vorgelegt, welcher aber zu weitläufig befunden und dahin eingeschränkt wurde, daß nur die denkwürdigen Ereignisse während der Regierung des Kaisers durch Medaillen verherrlicht werden sollten. Auf seinen Antrag der Berufung eines ausgezeichneten Stempelschneiders wurde sein Landsmann Benedict Richter im Juli [38] 1715 in der Eigenschaft eines Münzpräge-Inspectors angestellt, damit er eine gute Schule von heimischen Künstlern heranbilde, wie auch für die Einführung eines schöneren und besseren Gepräges bei den currenten Geldsorten in den kaiserlichen Münzhäusern Sorge trage. Dieses Unternehmen einer Histoire metallique der Regierung Karl’s VI. hatte einen guten Anfang, war aber nur von kurzer Dauer. Richter’s Arbeiten fangen mit der Zeit seiner Anstellung in Wien an, aber sein Beruf im Münzamte, die Verbesserung des Gepräges der Currentmünzen und die Heranbildung von Zöglingen nahm ihn zu sehr in Anspruch, so daß er nur einen Theil jener Schaustücke ausführte, welche auf S. 12–93 des Werkes von Heraeus: „Inscriptiones et Symbola varii argumenti“ abgebildet sind. Richter soll im April 1735 in Wien gestorben sein. Von seinen Arbeiten sind besonders bemerkenswerth eine Folge von Medaillen auf Karl XII. von Schweden; – die Medaille auf die Grundsteinlegung des Neubaues des Stiftes Göttweih (1719) mit dem Bildnisse des Kaisers Karl VI.; – die Medaille auf seinen Freund und Landsmann Karl Gustav Heraeus, mit dessen Bildniß, nicht vollendet, in Silber und Bronze im kais. Münzcabinete; – die große Medaille auf König Friedrich I. von Preußen mit der Inschrift: Mars opifer; – die Medaille auf den berühmten Maler Kupezky; – das Gesicht des Prinzen Eugen von Savoyen in Wachs, wonach die einfachste und schönste Medaille auf diesen Helden ausgeführt wurde; – die Medaille auf den Passarowitzer Frieden, auf dem Avers mit dem Bildnisse des Kaisers Karl VI., auf dem Revers: die Religion reicht dem Kaiser den Eichenkranz, in Gold 15 Ducaten, in Silber 2 Loth schwer. Richter war mit der Tochter seines schwedischen Lehrers Karlsteen verheirathet. Das Andenken Richter’s verherrlichte Nikolaus Keder durch eine Medaille, die er auf ihn in Schweden prägen ließ. Richter erscheint auch hie und da als Bengt (Benedict auf schwedisch) Richter.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.), Bd. XIII, S. 135. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte. Erdbeschreibung u. s. w. (Fortsetzung des Hormayr’schen). Redigirt: von J. W. Ridler und Veith (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1831), S. 344.