BLKÖ:Weiß, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 90. (Quelle)
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Weiß, Anton (Maler, geb. zu Falkenau im Leipaer Kreise Böhmens am 6. Februar 1801, gest. zu Böhmisch-Leipa am 2. März 1851). Der Sohn eines Glasmalers, zeigte er frühzeitig besondere Anlagen für die Kunst, für welche er in der Ausübung des einförmigen und beschränkten Kunstzweiges, dem sein Vater oblag, nicht die rechte Befriedigung fand. Da fügte es sich, daß der Glashandelsmann August Kittel aus Klattendorf, welcher für sein zu Amsterdam eingerichtetes Glasgeschäft einen tauglichen jungen Menschen als Handlungsdiener suchte, sich in das Haus des alten Weiß begab, von dessen Söhnen Franz und Anton einen er nach Holland mitzunehmen gedachte. Da der Vater die Entscheidung nicht selbst treffen wollte, wurde beschlossen, das Loos entscheiden zu lassen, und dieses fiel auf Anton, welcher mit Freuden dem Handelsmann nach Amsterdam folgte, weil er zuversichtlich hoffte, daß sich seinem strebsamen künstlerischen Geiste dort Gelegenheit bieten würde, eine seinem Künstlerdrange entsprechende Richtung einzuschlagen. So rasch, als er es sich vorstellte, ging dies doch nicht, weil er ja zunächst als Handlungsdiener im Geschäfte thätig sein mußte. Aber jeden freien Augenblick benutzte er, um die Kunstwerke der Malerei, an denen Amsterdam so reich ist, kennen zu lernen und Bekanntschaften mit berühmten [91] Künstlern, die dort lebten, anzuknüpfen. Dies gelang ihm auch, und Letztere unterstützten einige Jahre hindurch die Neigungen des jugendlichen Künstlers und brachten es durch ihre Verwendung endlich dahin, daß der talentvolle Ausländer Aufnahme in der königlichen Kunstakademie fand. Neun Jahre bildete er sich an derselben, vornehmlich unter der Leitung des berühmten Johann Augustin Daiwaille. Als er dann selbständig mit eigenen Arbeiten auftrat, erwarb er sich bald in der Kunstwelt Ruf und einen geachteten Namen, und auf den Ausstellungen in Holland und Belgien, dann in Frankreich und im nördlichen Deutschland erregten seine Bilder die Aufmerksamkeit der Kenner, so daß die Aufträge sich mehrten und auch des Künstlers äußere Stellung sich erfreulich gestaltete. War schon immer in ihm die Sehnsucht nach seiner Heimat rege geblieben, so wurde sie nur noch mächtiger, als ihn körperliches Leiden befiel und der Arzt einen Wechsel des Klimas für angemessen hielt. So kehrte er denn 1845 in seine Heimat zurück, wo er vorerst ein Jahr in Falkenau, zwei Jahre in dem benachbarten Bürgstein und ebenso lange in Böhmisch-Leipa verlebte. Er lag auch da fleißig seiner Kunst ob, und ein großer Theil seiner Arbeiten aus dieser Zeit gelangte in den Besitz des Grafen Kinsky in Bürgstein. Was nun die Kunstrichtung betrifft, welcher er folgte, so lassen uns alle Nachrichten darüber ziemlich im Unklaren. Nagler bezeichnet ihn ausschließlich als Blumenmaler, was aber doch nicht ganz zutreffend ist, weil auch Historienbilder von ihm vorhanden sind. So malte Weiß bereits 1834, in welchem Jahre er das erste Mal auf kurze Zeit seine Heimat, dann aber auf dieser Reise Frankreich und Deutschland besuchte und das Kunstleben in Paris, München, Wien, Prag und Dresden kennen lernte, für die Kirche in Falkenau ein Altarbild, das den „h. Antonius von Padua“ darstellte. Auch vollendete er für die Pfarrkirche seines Geburtsortes noch andere Altarbilder, nämlich einen „h. Bartholomäus“, eine „h. Magdalena“ und ein „h. Grab“, für die Kirche zu Welwitz das Altarblatt „Die h. Dreifaltigkeit“, für jene zu Neustadtl ein Fastenbild, für die Kreuzkirche zu Böhmisch-Leipa und die Pfarrkirche zu Bürgstein Altarbilder. Auch in anderen Kirchen und im Besitze von Privaten befinden sich Werke seines Pinsels. Doch aber mochte die Blumenmalerei der Kunstzweig gewesen sein, den er vorzugsweise ausübte. So hat er denn zwei Folgen von Blumen- und Fruchtstudien, die eine mit 36, die andere mit 40 lithographirten Abbildungen herausgegeben, von welch ersterer wir auch den Titel kennen: „Bloem en fruit Studien naar de Natuur geteckend en op Steen gebragt door A. Weiss“ (Amsterdam 1836). Als dann P. F. Görbrich für das industrielle Falkenau, wo die Glasmalerei im Schwange ist, eine Zeichenschule – vorerst freilich nur in ganz beschränktem Umfange – anregte, war es Weiß, der diesen Gedanken sofort aufgriff, ihn mit Wort und That unterstützte und für die Vorlageblätter die ersten Beiträge lieferte. Mit dem Beginn seines fünfzigsten Lebensjahres stellte sich das Leiden, welches ihn zur Rückkehr in seine Heimat veranlaßt hatte, mit erneuerter Stärke ein und raffte ihn schon nach wenigen Wochen dahin. Die neben dem Verblichenen aufgestellte Staffelei zeigte den Entwurf eines größeren Bildes, das die „h. Mutter Gottes“ darstellte. – Einer seiner Brüder – er hatte nicht weniger, [92] beim 11 Geschwister – W. Weiß, war auch Blumenmaler und übte nach 1851 seine Kunst in Amsterdam aus. Nagler zählt beide Brüder zur holländischen Schule.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, C. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXI, S. 249. – Die Künstler aller Zeiten und Völker u. s. w. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt und beendet durch Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1870, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, Nachträge seit 1857, S. 848 [nach diesen wäre der bereits 1851 verstorbene Künstler im Jahre 1864 noch am Leben gewesen].