BLKÖ:Weiß, Bernhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 92. (Quelle)
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Weiß, Bernhard (k. k. Hauptmann und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Sobiesuk in Böhmen 1761, gest. zu Brünn 6. Februar 1821). Er trat 1780, damals 19 Jahre alt, als Gemeiner in das Infanterie-Regiment Ulrich Graf Kinsky Nr. 36 und wurde nach zehnjähriger Dienstleistung zum Fähnrich bei Reisky-Infanterie Nr. 10 befördert. Mit diesem Regimente machte er die Feldzüge 1796 und 1799 in Italien mit und erlangte nach dem Frieden von Luneville (9. Februar 1801) eine Hauptmannsstelle. Diese bekleidete er noch 1813, und am Tage der Schlacht bei Hanau (30. October dieses Jahres), welcher sein Ehrentag wurde, befehligte er die Grenadierdivision des Regiments. Als in der Schlacht der linke Flügel der vereinigten österreichischen und bayrischen Armee seine Stellung dahin verändern mußte, daß er, während er Hanau vor der Front besetzt hielt, hinter der Kinzig die Straße von Aschaffenburg deckte, wurden zwei Compagnien des Grenadierbataillons Hromada zur Besetzung und Vertheidigung der Kinzigbrücke vor dem Frankfurter Thore beordert, der aus drei Compagnien – die sechste befand sich auf Generalwache – bestehende Rest stand auf dem Neustädter Markte als Reserve zur Unterstützung mehrerer Posten, weil der Feind sich mit der Absicht trug, der Stadt mit Gewalt sich zu bemächtigen. Um halb zehn Uhr Abends kam der Eigenthümer der sogenannten Herrenmühle in größter Eile und machte dem Hauptmann Weiß die Anzeige, daß die Franzosen daselbst über den Mühlsteg und noch an mehreren Stellen über die Kinzig gedrungen seien und die Mühle, sowie die nahe daran gelegene alte Mühlschanze stark besetzt hätten. Von diesem durch Natur und Knust gebildeten Vertheidigungsposten konnte nun der Feind nach der Stadt debouchiren, die vor- und seitwärts und in der Stadt selbst aufgestellten Truppen abschneiden und sogar den linken Flügel unserer Armee überfallen. Hauptmann Weiß überblickte rasch die ganze Sachlage, erkannte die Wichtigkeit dieses Punktes und erbat sich von seinem Bataillonscommandanten sofort die Erlaubniß, die Mühle nebst der Schanze mit Sturm zu nehmen. Nachdem ihm die Bitte gewährt worden, rückte er mit seiner Division ungesäumt gegen die Mühle vor, über deren Lage und Zugänge er nebst der Beschaffenheit der Mühlschanze zuvor bei dem Müller sich genau erkundigt hatte. Alsdann traf er seine Anordnungen zum Angriffe. An der Spitze einer halben Compagnie, der die andere Hälfte als Unterstützung folgte, während die zweite Compagnie als Reserve aufgestellt blieb, gelang es ihm, beim Anmarsche jedes Geräusch vermeidend, sich dem feindlichen Piquet unentdeckt zu nähern, es zu überfallen und einen Theil der Mannschaft niederzuhauen, den anderen gefangen zu nehmen. Nun drang er im Sturmschritt auf [93] Mühle und Schanze vor, sprengte das geschlossene Thor der ersteren und obwohl die zwischen Mühle und Schanze aufgestellte Schildwache das Bataillon Grenadiere der alten Garde, welches beide besetzt hielt, allarmirte, ließ er sich doch nicht aufhalten, sondern stürmte mit seinen kampflustigen Grenadieren unter stetem Zuruf: „mir nach!“ durch das Mühlthor; nun entspann sich ein heftiger Kampf, in welchem aber die Garde ungeachtet der erbittertsten Gegenwehr geworfen, Viele getödtet und mehrere Officiere und Soldaten zu Gefangenen gemacht wurden. Ein gleiches blutiges Schauspiel bot sich in der Schanze dar, mit gleichem Ausgange, und nachdem Hauptmann Weiß die Franzosen aus allen ihren Stellungen gedrängt hatte, behauptete er die im blutigsten Kampfe errungene Stellung in Mühle und Schanze. Kaum Meister dieses Postens, ging er auch sogleich an die Besetzung desselben, da er bei der Wichtigkeit des Platzes einen erneuerten feindlichen Angriff erwartete, dem er aber bis auf den letzten Mann Widerstand zu leisten entschlossen war. Und er hatte sich nicht getäuscht, kaum war er mit der Aufstellung seiner Truppe fertig, als ihn schon die Franzosen mit überlegener Macht angriffen. Aber er wies die Angreifer mit der größten Entschlossenheit zurück. Viermal noch in derselben Nacht, und immer wieder mit frischen Truppen, ja unterstützt von Kanonen und Haubitzen, erneuerten die Franzosen mit aller Heftigkeit den Angriff, aber Weiß mit seinen Grenadieren schlug denselben immer wieder zurück, er schien in diesem hartnäckigen Kampfe sich gleichsam zu vervielfältigen, bald auf diesem, bald auf jenem Punkte feuerte er seine Leute zur Ausdauer an, überall, wo die Gefahr am drohendsten war, zeigte er sich in Person, um die nöthigen Maßregeln zu treffen und den erbitterten Kampf zu leiten, und nur durch seine heldenmäßige Aufopferung ward es möglich, diesen wichtigen Posten zu behaupten. Am nächsten Tage, am 31. October, erhielt er von dem Commandirenden Befehl, sich an sein Bataillon anzuschließen; nun erstürmte er Nachmittags mit seiner Compagnie an der Tête der Angriffscolonne das Steinheimer Thor, und nach Einnahme der Stadt und des Frankfurter Thors eroberte er die von den Franzosen wieder gewonnene Mühle und Schanze neuerdings und sicherte so durch Wiederbesetzung dieses wichtigen Postens die neue Aufstellung unseres Heeres. Erst in der Folge, im Nachtragscapitel des Jahres 1815, wurde dem Hauptmann Weiß die verdiente Auszeichnung, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, verliehen. Auffallender Weise hat dasselbe auf eine Beschleunigung seines Avancements keinen Einfluß üben können, denn er starb, 60 Jahre alt, als k. k. Hauptmann in Brünn.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Wien und Teschen 1880, K. Prochaska, gr. 8°.) Band I, Seite 54 und 56, Jahr 1813.