BLKÖ:Weiß, Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 103. (Quelle)
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Weiß, Franz Freiherr (k. k. Generalmajor und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Brüssel 1791, gest. zu Montebello im Venetianischen am 11. October 1858). Sechzehn Jahre alt, kam er als Cadet in das 14. Infanterie-Regiment. Mit demselben zog er 1809 als Fähnrich ins Feld, wurde dann Lieutenant in dem im genannten Jahre aufgestellten Freicorps Crenneville und kehrte nach dessen Auflösung in sein früheres Regiment zurück, aus welchem im Juli 1812 seine Versetzung in das 5. Jägerbataillon erfolgte. In demselben rückte er bei der Mobilmachung der Armee im September 1813 zum Oberlieutenant vor. Bis zu seiner im November 1849 erfolgten Beförderung zum Generalmajor blieb er bei der Jägertruppe, in welcher er nach fünfunddreißigjähriger Dienstleistung zum Major und im September 1847 zum Oberstlieutenant avancirte. Im italienischen Feldzuge 1848 erwarb er sich am 23. Juli das höchste Ehrenzeichen, mit dem die Brust eines Helden der kaiserlichen Armee geschmückt werden kann. Am genannten Tage war die allgemeine Vorrückung gegen die feindliche Stellung angeordnet worden. Die Brigade Friedrich Fürst Liechtenstein [Bd. XV, S. 146], zu welcher das 9. Jägerbataillon unter Oberstlieutenant Weiß gehörte, schlug den Marsch links gegen die niederen Einsattelungen zwischen Sona und Madonna del Monte ein. Weiß wurde angewiesen, mit seiner durch das 2. Bataillon des Kaiserjäger-Regiments verstärkten Truppe den Angriff auf die Höhen von Madonna del Monte wirksam zu unterstützen und zugleich die rechte Flanke der Brigade zu decken. Er traf nun folgende Dispositionen: drei Compagnien seines Bataillons sollten links in Verbindung mit dem Bataillon Kaiserjäger den Angriff unternehmen und die drei anderen Compagnien zur Deckung desselben am Fuße der Anhöhe als Reserve aufgestellt bleiben. Nachdem Madonna del Monte im Sturm genommen worden, waren nicht nur diese drei, sondern auch die andern drei Compagnien, welche auf dem rechten Flügel des Bataillons Kaiserjäger in der Schlucht zwischen Madonna del Monte und den Höhen von Sona vorgedrungen waren und die Höhen und Abhänge besetzt hielten, dem heftigen Gewehr- und Geschützfeuer des Feindes ausgesetzt, der auf den letzten Höhenabfällen von Sona eine stark verschanzte Stellung innehatte. Auch gewahrte Oberstlieutenant Weiß bald, daß die rechts von ihm kämpfende Brigade Graf Ludwig Pergen, welche auf der Straße gegen Sona vorrückte, von dem Geschütz- und Gewehrfeuer des Feindes, der diesen wichtigen Punkt besetzt hielt und ein mörderisches Feuer gegen unsere stürmenden und ungedeckten Colonnen richtete, nur schwer und dann mit entsetzlichem Verluste ihre Aufgabe lösen könne, wenn nicht der [104] Gegner von seinem Standpunkte vertrieben würde. Also ohne erst Befehl abzuwarten, entsendete er, nachdem der Besitz von Madonna del Monte durch die immerfort nachrückenden Truppen der Brigade gesichert war, eine der Compagnien, welche diesen Ort besetzt hielten, rechts gegen Sona, wo sie sich in der zwischen Madonna del Monte und Sona gelegenen Schlucht hinabließen; an der Spitze der andern drei als Reserve aufgestellten Compagnien aber unternahm er selbst den Sturm. Der Feind überschüttete indeß fortwährend die Unseren mit seinen Kugeln, auch mußten die stürmenden Jäger wegen der Steile der Anhöhe, um emporzuklettern, von den Händen Gebrauch machen, was sie hinderte, gegen die Gegner mit der Waffe sich zu wehren. Da erstieg Oberstlieutenant Weiß den Anderen voran die Höhen, ermuthigte durch sein Beispiel seine Leute zu gleichem Vorgehen und zwang den Gegner nach verzweifeltem Widerstande, seine vortheilhafte Stellung zu verlassen. Die erste Abtheilung Jäger, welche vorgedrungen, hatte 140 Piemontesen und einen General bereits gefangen genommen, welche aber, da die Anzahl der sie bewachenden Jäger zu gering war, bei dem Herannahen einer feindlichen Abtheilung wieder zu den Waffen griffen, das Gefecht in der schon genommenen Verschanzung erneuerten und sogar mit Dolch und Säbel gegen unsere Jäger sich wehrten. Aber Oberstlieutenant Weiß behauptete mit den Seinen den erstürmten Posten, drang von dieser Kuppe vorgehend im Sturm unaufhaltsam von Absatz zu Absatz gegen den sich immer wieder stellenden und oft überlegenen Gegner und warf ihn endlich in den Kirchhof, welcher mit einer mit Schießscharten versehenen Mauer umgeben war. Von dieser aus versuchte der Feind mit ganzer Macht einen Ausfall. Aber die Brigade Perger, welche durch die Wegnahme der Schanzen Luft gewonnen hatte, rückte nun unaufgehalten gegen den Kirchhof, griff vereint mit dem 9. Jägerbataillon die in demselben mit der Verzweiflung des Todes sich wehrenden Piemontesen an und nahm den Platz nach hartnäckigem Kampfe. Durch diese ebenso mit Einsicht und Scharfblick wie todesverachtender Tapferkeit errungenen Vortheile war aber auch das Schicksal des Tages zu unseren Gunsten entschieden. Die Brigade Fürst Liechtenstein konnte nun gegen Somma Campagna sich wenden und den Feind auch in dessen linker Flanke bedrohen. So gelangten unsere tapferen Truppen in den Besitz des ganzen Höhenzuges, und der Feind wurde bis unter die Kanonen von Peschiera zurückgedrängt. Nach beendetem Feldzug ward Weiß im August 1848 Oberst im Bataillon und pflückte sich neue Lorbern in der Schlacht bei Mortara 21. März 1849, wo er an der Spitze seiner Jäger die Stadt erstürmte, und bei Novara 23. März, in welcher Schlacht sein Bataillon mit solcher Tapferkeit und Todesverachtung kämpfte, daß es als Auszeichnung 3 goldene, 15 silberne erster und 14 silberne Medaillen zweiter Classe erhielt. Nun machte Oberst Weiß mit seinem Bataillon den Zug über die Apenninen, Contremoli, Massa, Pisa und Livorno, und der Großherzog von Toscana zeichnete ihn mit dem Josephorden aus. Für sein Verhalten bei Sona und Madonna del Monte aber wurde ihm in der 151. Promotion vom 27. November 1848 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. In der Folge erhielt er den Ordensstatuten gemäß den [105] österreichischen Freiherrnstand und rückte dann zum Generalmajor vor, in welcher Stellung er in den Ruhestand übertrat.

Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 8°.) 17. August 1850, Nr. 99: „Ehrenhalle. X.“. Von Stk. (Strak). – Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichisch-ungarischen Armee (Wien 1880, Prochaska, gr. 8°.) Bd. I, S. 518, 519 und 521. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausgegeben von Dr. J. Hirtenfeld (Wien, 8°.) XI. Jahrg. (1860) S. 230. – Oesterreichische Militär-Zeitung. Redig. von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1858, S. 678.