BLKÖ:Weinhart, Ignaz von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weingartner, Karl
Band: 54 (1886), ab Seite: 40. (Quelle)
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Weinhart, Ignaz von (Priester der Gesellschaft Jesu und Naturforscher, geb. zu Innsbruck 19. August 1705, gest, am 22. März 1787). Der Sproß einer alten tirolischen Adelsfamilie, deren ganzer Name Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg (nach de Luca: Thirberg und Wellenseck) lautet, trat er 1721 in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er nach 18 Jahren, 1739, das vierte Gelübde ablegte. Im Orden bekleidete er das Lehramt der Grammatik drei Jahre, der Poesie zwei und der Philosophie fünf Jahre. 1742 erhielt er zu Innsbruck die Magisterwürde und die Professur der Mathematik; 1754 wurde ihm das Directorat der philosophischen Facultät daselbst übertragen; welches Amt er neunthalb Jahre versah. Ihm gebührt das Verdienst, das der Universität gehörige physicalische und mechanische Museum errichtet zu haben. 1774 [41] wurde er daselbst als erster Lehrer der Mechanik angestellt. Unter Weinharts Anleitung arbeitete dessen Zögling in der Mathematik, der Bauer Peter Anich [Bd. I, S. 41] die große und treffliche Karte von Tirol, welche seinen Namen so berühmt machte. Unter Weinhart studirten auch Blasius Hueber [Bd. IX, Seite 380] und Cassian Primisser [Bd. XXIII, S. 302], dessen schön gezeichnete Karte Tirols nie im Druck erschienen ist, aber im Original im Innsbrucker Museum aufbewahrt wird. Ueberhaupt wurde die Wirksamkeit unseres Gelehrten aus kartographischem Gebiete insbesondere durch den Antheil, den er an Anich’s und Hueber’s Arbeiten besaß, an maßgebender Seite bemerkt und gab den Anlaß, daß die Regierung ihm auch die Direction des Mappirungsgeschäftes der in dem österreichischen Schwaben (Vorderösterreich) gelegenen Ortschaften übertrug. Infolge seines hohen Alters legte er 1780 sein Lehramt nieder und lebte seitdem in seiner Geburtsstadt Innsbruck von einer kaiserlichen Pension, bis er im Alter von 82 Jahren starb. Seine schriftstellerische Thätigkeit beschränkt sich auf nachstehende Arbeiten: „Quaestiones et responsa ex arithmetica vulgari, algebra et geometria“ (Oeniponti 1763; editio 2da 1770; editio 3ia ib. 1776, 8°.); – „Elogium rustici celeberrimi Petri Anich“ (Vindobonae 1766); – „Abhandlung von der ächten Ursache, warum die Fische in einem stehenden Wasser, dessen Oberfläche ganz mit Eis überzogen, bald abstehen und wie solchem Uebel leichtlich vorzubeugen“ (Innsbruck 1770, gr. 8°.); – „Ausgleichungstabellen über die ehvor in Tyrol zum Weinmass gebrauchten Yhren und der nunmehr eingeführten Wiener Eimer, wie auch über deren beiderseitige Masse“ (ebd. 1781, Fol.). – Ein Franz von Weinhart, ein Zeitgenoß unseres Mathematikers und derselben Familie angehörig, vielleicht gar ein Bruder des Ignaz, war gleichfalls Priester des Ordens der Gesellschaft Jesu und nach dessen Aufhebung der erste Professor der Reichsgeschichte und Statistik an der Innsbrucker Universität. Dieses Lehramt, welches bis dahin an derselben noch nicht bestand, erhielt er nach bestandener Concursprüfung mit ah. Entschließung vom 22. October 1777 und trat es im November desselben Jahres an.

(De Luca). Das gelehrte Oesterreich Ein Versuch. Des ersten Bandes zweites Stück (Wien 1778, Trattner, gr. 8°.) S. 245. – Derselbe. Journal der Literatur und Statistik u. s. w., Bd. I, S. 4 u. f. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte und Statistik u. s. w. (Wien, 4°.) Jahrgang 1818, Seite 308 u. f. Von Freiherrn Dipauli von Treuheim. – Poggendorff (J. C.). Bibliographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften u. s. w. (Leipzig 1863, K. Ambr. Barth, gr. 8°.) Band II, Spalte 1284. – Staffler (Johann Jacob). Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen in zwei Bänden (Innsbruck 1847, Fel. Rauch, 8°.) Bd. II, S. 456. – Probst. Geschichte der Universität in Innsbruck (Innsbruck 1869) Seite 265. –