BLKÖ:Wesselényi, Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 55 (1887), ab Seite: 150. (Quelle)
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11. Paul (gest. nach Einigen bereits 1679, nach Anderen erst 1694), der einzige Sohn des königlichen Rathes Stephan Wesselényi aus dessen Ehe mit Anna geborenen Lónyay. In den damaligen bewegten Zeiten, in welchen in Ungarn Türkennoth und Prätendentenkämpfe abwechselten, wählte auch er, der Sproß einer jener ungarischen Adelsfamilien, die immer gegen Oesterreich qui vive standen und sich mit dessen Gegnern verbrüderten, seinen Theil [151] und schwang sich 1677 zum Haupt der Malcontenten in Ungarn auf. Nachdem diese von Polen und von den Türken Hilfe erlangt hatten, kam eine Armee von etwa zehntausend Mann zustande, deren Commando ihm übertragen wurde und mit welcher nach Beschluß des Kriegsrathes zunächst Tokai belagert werden sollte. Als der kaiserliche Befehlshaber von diesem Vorhaben der Insurgenten Kunde erhielt, brach er mit seinen Truppen von Kaschau auf, entschlossen, sobald sich ihm Gelegenheit darböte, Wesselényi anzugreifen. Dieser aber wollte sich in keinen Kampf früher einlassen, bis er nicht für einen allenfalls nöthig werdenden Rückzug den dazu geeigneten Ort gefunden haben würde. Indessen schickte er nach verschiedenen Seiten kleinere Trupps mit dem Auftrage aus, alle um Munkács herum gelegenen Ortschaften niederzubrennen und wo sich nur immer Gelegenheit biete, den Kaiserlichen Abbruch zu thun; auch gelang es ihm, ein an dieselben abgeschicktes Convoi mit Geld, Proviant und Munition abzufangen, wodurch dem kaiserlichen General Copp nicht geringer Nachtheil zugefügt wurde, denn die durch Mangel an allem Nöthigen bei den Kaiserlichen eingetretene Unzufriedenheit gab Anlaß zu massenhaften Desertionen und fand noch in dem Umstande Nahrung, daß Wesselényi jedem Officier, der die kaiserliche Fahne verlasse und zur feindlichen übergehe, nebst verbesserter Charge 26 Ducaten und jedem Gemeinen 10 Ducaten versprach. Thatsächlich traten auch an 1500 Mann der Kaiserlichen zu ihm über. General Copp, über diesen Vorgang mit Grund entrüstet, verstieg sich doch leider in seiner Erbitterung zu der Unthat, daß er alle in seinem Gewahrsam befindlichen Gefangenen der Gegner niedermachen und mehrere derselben spießen ließ. Diese ebenso unnöthige als unkluge Greuelthat aber hatte nur die Folge, daß Wesselényi sie mit Gleichem vergalt und alle Kaiserlichen, welche vornehmlich von den Polen auf deren Streifzügen aufgegriffen worden waren, etwa 60 an Zahl, unter denen sich Stabs- und andere Officiere befanden, dem Massacre übergab. Dann ließ er an 13 ungarische Gespanschaften Patente ergehen, in welchen er denselben als Warnung für ihr Verhalten erklärte: daß die ungarische Nation, welche der Deutsche auszurotten und zu vertilgen trachte, ihre Freiheit jederzeit selbst zu schützen und zu bewahren verstanden und den Kampf gegen keine Armee, wie stark dieselbe auch gewesen sei gescheut habe, wonach sich also die Comitate, treu zum Vaterlande stehend, in ihrem ferneren Vorgehen zu halten hätten. Mit solchem Terrorismus suchte er im Lande zu wirken. Zu gleicher Zeit richtete er an die Fürstin Rákóczy ein Schreiben, in welchem er ihr das Beispiel ihrer Vorgängerinen vorhielt und sie aufforderte, seine Partei zu nehmen und ihn zu unterstützen, widrigenfalls er ihr mit Feuer und Schwert entgegenzutreten beabsichtige. Die Fürstin jedoch erwiderte ihm mit edler Entschlossenheit, ermahnte ihn bei der Freundschaft, welche die Väter Rákóczy und Wesselényi enge verbunden habe, auf ihre Warnung zu hören und sich seinem wahren König nicht zu widersetzen, da sonst die Sache keinen für ihn günstigen Verlauf nehmen würde. Sie für ihren Theil sei fest entschlossen, rrotz des ihr von ihm und den Seinen bereits zugefügten und sie noch bedrohenden Schadens, treu zur Majestät des Kaisers zu stehen. Die Kaiserlichen waren indessen auch nicht müßig geblieben und schonunglos gegen Wesselényi und seine Anhänger vorgegangen. Das Stammschloß des Rebellen, Hadad, welches von etwa dritthalb Hundert Mann besetzt gehalten wurde, hatten sie 1678 genommen und nebst dem darin aufgehäuften Proviant in Flammen aufgehen lassen. Nun folgten im November desselben Jahres noch einige andere Vortheile, welche die Kaiserlichen davontrugen, worauf ein Waffenstillstand zu Stande kam. Da es sich bald zeigte, daß Tököly nicht abgeneigt sei, einen ordentlichen Frieden zu schließen, versuchte nun die über diesen Führer mißvergnügte Partei, Wesselényi gegen denselben anzustiften, was ihr auch gelang, so daß sich nun die Malcontenten wieder in zwei Lager spalteten, deren eines zu Tököly, das andere zu dessen Widersachern hielt, zu welch’ letzteren Wesselényi, der überdies die Uebermacht besaß, gehörte. Indessen trieben die Franzosen, welche bisher die Malcontenten immer unterstützt hatten, ihn zu nur hartnäckigerem Widerstande an, in welchem neben seinen Rebellen auch noch französische Truppen kämpften. Mitten unter diesen Vorgängen wurde Wesselényi vom Tode dahingerafft. Nun entfiel auch jeder weitere Zwiespalt; die bisher von Wesselényi geführten Truppen stießen zu der Abtheilung Tököly’s, der jetzt allein den Widerstand gegen die Kaiserlichen fortsetzte. Vergleiche auch den Artikel [152] Emmerich Tököly [Bd. XLV, S. 232, Nr. 4] dieses Lexikons. Paul Wesselényi war mit Susanna Béldi vermält. mit welcher er den Hadader Ast. – der Gyéker war etwa um diese Zeit mit Balthasars 1646 erfolgtem Tode im Mannsstamme erloschen – fortpflanzte, da ihm seine Gemalin außer einer Tochter Anna, die sich mit Ladislaus Grafen Bethlen vermälte, auch einen Sohn Stephan gebar, den Großvater des älteren Nicolaus Wesselényi, dessen Lebensskizze S. 136 mitgetheilt ist. –