BLKÖ:Wiesenfeld, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wiesend, Max Georg
Band: 56 (1888), ab Seite: 46. (Quelle)
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Wiesenfeld, Karl (Architect und Techniker, geb. zu Brünn am 12. September 1802, gest. zu Prag am 1. November 1870). Erst drei Jahre alt, verlor er 1805 seinen Vater, welcher Militär war, durch den Tod. Mit zehn [47] Jahren kam er in die k. k. Cadetenschule zu Olmütz und aus dieser am 21. Mai 1814 in die Wiener- Neustädter Militärakademie, aus welcher er am 12. October 1821 beim 6. Jäger-Bataillon als Lieutenant eingetheilt wurde. Noch in der Akademie nahm er Theil an den im Einverständnisse mit dem Generalquartiermeisterstabe ausgeführten trigonometrischen Arbeiten durch Längenbestimmungen mittels des Blickfeuers und durch vollständige Durchführung des Bousmard’schen Fortificationssystems. Bousmard, ein französischer Ingenieur, später in preußischen Diensten, in welchen er als General am 21. Mai 1807 zu Danzig starb, hatte einen „Essai général de fortification, d’attaque et de défense des places“ (1798–1803) in 4 Bänden herausgegeben, wovon 1815 eine auf Grund eines vom Verfasser selbst gearbeiteten Textes vermehrte Auflage mit einem Atlas von 62 Tafeln in 4°. erschien. An diesem erprobte Wiesenfeld seine Tüchtigkeit als Zögling der Akademie. Nach seinem Austritte aus derselben erhielt er zuerst seine Bestimmung als Professor der Mathematik im Pionniercorps; als ihm dann sein um eine andere dienstliche Bestimmung gestelltes Ansuchen abschlägig beschieden wurde, trat er am 15. October 1831 in Pension und war nun darauf bedacht, sich eine neue Stellung zu begründen. Zu diesem Zwecke betrieb er mit großem Eifer das Studium der Chemie, der Botanik und der Naturwissenschaften, beschäftigte sich während seines Aufenthaltes in einer Bergstadt mit dem Berg- und Bergmaschinenwesen, und nachdem er noch am Prager polytechnischen Institute die Gerstner’schen Vorträge über Mechanik gehört hatte, unterzog er sich aus diesem Gegenstande und der Baukunst einer öffentlichen Prüfung. Nach dem 1828 erfolgten Tode des Professors der Baukunst am Prager polytechnischen Institute Georg Fischer [Bd. IV, S. 248, zu Ende der Biographie von Vincenz Fischer] hatte der k. k. Hofbauamtsverwalter Wenzel A. Kraus die Supplirung der Lehrkanzel übernommen, dieselbe auch ein Jahr geführt, dann aber um Enthebung von der weiteren Supplirung angesucht. Nun wurde Wiesenfeld von Director Gerstner aufgefordert, an Kraus’ Stelle die Supplirung zu übernehmen, worauf unser Techniker auch einging. Mit dem Schuljahre 1828/29 trat er das Lehramt an, das ihm erst nach neunjähriger Thätigkeit in demselben mit ah. Entschließung ddo. 7. Juli 1838 bleibend verliehen wurde. In das Programm seiner Vorträge hatte Wiesenfeld außer der bisher üblichen bürgerlichen Baukunst noch die Eisenbahnbauten, die Eisenconstructionen, die neuen Brückensysteme, ferner als vorbereitende und ergänzende Elemente die Bauökonomie und die neuen Gewölbstheorien aufgenommen. Dann, da es an dem polytechnischen Institute an Lehrkräften fehlte, trat er hilfreich ein und ertheilte aus eigenem Antriebe Unterricht im Maschinenzeichnen und hielt durch drei Jahre außerordentliche Vorträge über beschreibende Geometrie (Géométrie descriptive). Auch betheiligte er sich an verschiedenen größeren Bauten im Lande, sowie an den Verhandlungen des Prager Kettenbrückenprojectes und schrieb verschiedene Aufsätze für mehrere Fachblätter in seiner Richtung. An der großen Industrie-Ausstellung, welche 1836 in Prag statthatte, wirkte er als Secretär des Beurtheilungscomités. Um im Lehramte fortwirken zu können, lehnte er die [48] 1838 ihm verliehene Kreisingenieursstelle in Laibach ab, nahm aber außer seinem Lehramte noch an der Leitung vieler Bauführungen von Privatherrschaften Theil und brachte hierbei manche Constructionen an, die später Nachahmung fanden. Auf wiederholten Reisen, so zu den großartigen Regulirungsarbeiten an der Donau, an der Moldau, am Rhein, ferner zu den Eisenbahnbauten in Belgien, Frankreich, England, vervollkommnete er seine praktischen Studien und beobachtete die Fortschritte seiner Wissenschaft, um sie dann erforderlichenfalls zu verwerthen. In den Jahren 1843/47 wirkte er als Vorstandsmitglied bei den Versammlungen der deutschen Architecten und Ingenieure und im Jahre 1844 lud er mit Zustimmung der kaiserlichen Regierung die dritte dieser Versammlungen nach Prag ein und führte auf derselben den Vorsitz. Als 1850 eine Vervollständigung der Lehrvorträge am Prager polytechnischen Institut durchgeführt wurde, übernahm er im Auftrage des Unterrichtsministeriums vom 17. Jänner 1850 die Vorträge über Géométrie descriptive, über die er, wie bereits erwähnt, mehrere Jahre vorher außerordentliche Vorlesungen gehalten hatte. Am 1. Jänner 1864 in den Ruhestand versetzt, hielt er seine Vorträge noch bis zu Ende des Studienjahres 1864. Außer kleineren Arbeiten in Ludwig Förster’s „Bauzeitung“, in Rhomberg’s „Zeitschrift fürs Bauwesen“ und in der vom Gewerbevereine zu Prag herausgegebenen encyklopädischen Zeitschrift hat er veröffentlicht: „Ueber die Bewegung der Wellen und den Bau am Meere und im Meere“ Wien 1839, Ludwig Förster’s artistische Anstalt, mit 10 Kupfertafeln), eine Uebersetzung des französischen Werkes: „Du mouvement des ondes et des travaux hydrauliques maritimes“ (Paris 1831) des französischen Genieobersten und Professors an der Militärschule von Saint Cyr A. R. Emy; – „Andenken an die dritte Versammlung der deutschen Architecten und Ingenieure zu Prag 1844“ (Prag), welche Schrift nebst einer kurzen Geschichte von Prag auch die Skizzen einer Geschichte der Baukunst in Böhmen enthält; – „Ein Beitrag zum Verständniss der römischen Steininschriften“ (Prag 1844, Th. Tabor). Außer der Mitgliedschaft des böhmischen Gewerbevereines und des deutschen Architecten- und Ingenieurvereines, welche er durch Arbeiten in ihren Vereinsschriften und sonstige einflußreiche Wirksamkeit bethätigte, besaß er noch die Diplome verschiedener gelehrten Vereine. Sechs Jahre hatte Wiesenfeld den Ruhestand genossen, als er im Alter von 68 Jahren starb.

Poggendorff (J. C.). Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften u. s. w. (Leipzig 1863, Ambr. Barth, schm. 4°.) Bd. II, Sp. 1322.
Porträt. Unterschrift: „Carl Wiesenfeld. | k. k Professor der Baukunst | am polytechnischen Institute in Prag“. Nach der Natur lithographirt von Zumsande. Artistische Anstalt von Reiffenstein und Rösch in Wien (Fol.). Von den Hörern der Baukunst ihrem Lehrer im Jahre 1854/55 gewidmet.