BLKÖ:Windisch-Grätz, Alfred Joseph Nicol. Guntram Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 55. (Quelle)
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Alfred II. zu Windisch-Grätz in der Wikipedia
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Windisch-Grätz, Alfred Joseph Nicol. Guntram Fürst (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Ritter des goldenen [56] Vließes, geb. zu Wien am 28. März 1819, gest. zu Tachau am 28. April 1876). Der erstgeborene Sohn des Fürsten Alfred [siehe Biographie S. 1] aus dessen Ehe mit der Prinzessin Maria Eleonora zu Schwarzenberg, erhielt er eine sorgfältige Erziehung im Vaterhause, welche von Pater Johann Nepomuk Gebhard, Ehrendomherrn am Wyšehrad in Prag, geleitet wurde, und entschied sich nach deren Vollendung für die militärische Laufbahn. 1838 wurde er zum Lieutenant im 1. Kürassier-Regimente Kaiser ernannt und der zur Krönung der Königin Victoria im Juli dieses Jahres abgesandten außerordentlichen, vom Fürsten Johann Adolf Schwarzenberg geführten Botschaft beigegeben. Aus England zurückgekehrt, rückte er zu seinem in Brandeis nächst Prag stationirten Regimente ein. 1840 ward er zum Oberlieutenant im damaligen 2. Chevauxlegers Regimente Prinz Hohenzollern, 1842 zum zweiten Rittmeister im 4. Chevauxlegers-Regimente, und 1844 zum Escadronscommandanten des zu Podiebrad in Böhmen stationirten 8. Kürassier-Regimentes Graf Ignaz Hardegg befördert. In letzterer Stellung befand er sich in der verhängnißvollen Juniwoche der Prager Revolution 1848 gerade an der Seite des commandirenden Generals in Böhmen, seines Vaters, schloß sich am 12. Juni freiwillig an die Sturmcolonnen des Generalmajors von Schütte an und trug bei Erstürmung einer Barricade durch einen Schuß eine schwere Verwundung am Fuße davon. Während der nächsten Sommermonate zur Pflege seiner Wunde auf dem Hradschiner Schlosse im Hauptquartiere seines Vaters, war er einer der wenigen Männer, lange Zeit hindurch der Einzige, den der Commandirende in das Geheimniß der Maßnahmen einweihte, welche die Einleitung der späteren Begebenheiten bei Wien ermöglichten. Er erwarb sich bei den diesfälligen Besprechungen und Vorarbeiten das volle Vertrauen des nachmaligen Feldmarschalls. Im Zusammenhange mit dieser Thätigkeit wurde er im Herbste, kaum von seiner noch offenen Wunde hergestellt, zum Major und Flügeladjutanten seines Vaters ernannt, in dessen Hauptquartier und bei mehreren Gefechten außerhalb desselben verwendet, er die Feldzüge gegen Wien und in Ungarn bis zur Abberufung des Feldmarschalls (14. April 1849) mitmachte. Bis zum Jahre 1855 verblieb er an dessen Seite und hinterließ bezüglich der denkwürdigen Ereignisse jener Zeit wichtige Materialien für die einstige Geschichte derselben. Am 19. October 1850 vermälte er sich zu Prag mit Prinzessin Marie Hedwig Lobkowitz, seiner Cousine, doch schon am 19. October 1852 starb die junge Gattin zu Tachau, nachdem sie ein Jahr vorher, am 31. October 1851, ihrem Gemal einen Sohn, Namens Alfred, den gegenwärtigen Chef seines Hauses [siehe S. 55], geschenkt hatte. In seiner Anstellung 1852 zum Oberstlieutenant befördert, rückte Fürst Alfred in dieser Charge in das Kürassier-Regiment Kaiser Nr. 1 ein, wurde 1856 zweiter Oberst im Regimente und erhielt im Spätherbste 1857 das Commando des 6. Kürassier-Regimentes Graf Wallmoden, welches zu Stuhlweißenburg garnisonirte. Bei Ausbruch des Krieges 1859 gegen die Francosarden wurde dieses Regiment für die Aufstellung eines österreichischen Heerestheiles am Rhein bestimmt, welche jedoch nicht stattfand. Im Herbste 1860 kam der Prinz in seiner Charge als Brigadier nach Pesth und [57] von da 1861 als Commandant einer leichten Cavalleriebrigade nach Brünn, wo er nach einigen Monaten zum Generalmajor aufrückte. Am 21. März 1862 folgte er seinem Vater, dem Feldmarschall, als Chef der Familie und erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes und der Kammer der Standesherren des Königreichs Württemberg, sowie im Besitze der Herrschaften Tachau, Kladrau, Stěkná in Böhmen, Korláthköe in Ungarn, Rohitsch in Steiermark und Egloffs in Württemberg, mit deren Verwaltung er sich eingehendst beschäftigte, ungeachtet seiner militärdienstlichen Thätigkeit. Was diese letztere anbelangt, so sorgte der Fürst ebensowohl für die taktische Ausbildung seiner Truppe, als er auch in hervorragender Weise auf den Geist seines unterstehenden Officierscorps Einfluß nahm. Im Spätsommer 1862 nahm er seinen erblichen Sitz im Herrenhause des österreichischen Reichsrathes ein, und in den Jahren 1863 und 1864 wohnte er der Versammlung der Standesherren in Frankfurt am Main bei. Er hielt stets eine streng conservative Richtung und die rationalistische Bestrebungen mißbilligende Stellung fest, so namentlich in den Verhandlungen 1868 und 1869. Anfangs Mai 1866 übernahm Generalmajor Fürst Windisch-Grätz das Commando einer Brigade in der vom Generalmajor und Generaladjutanten des Kaisers Grafen Karl Coudenhove befehligten dritten Reserve-Cavallerie-Division der zum Kriege mit Preußen in Böhmen aufgestellten Nordarmee. Am 3. Juli in der Schlacht bei Königgrätz führte er eine glänzende Attaque an der Spitze des 8. Kürassier-Regimentes Prinz Karl von Preußen gegen die zur Verfolgung der kaiserlichen Armee stürmende preußische Reiterei aus. Das Regiment erlitt ganz außerordentliche Verluste und durchbrach den in mehreren Linien vorrückenden Gegner, einzelne Kürassiere des Regimentes gelangten bekanntermaßen bis in die Nähe des Königs von Preußen. Erst leicht durch zwei Lanzenstiche der feindlichen Uhlanen verwundet, wollte der Fürst eben sein zweites Regiment Wrangel-Kürassiere zur Attaque vorführen, als er durch eine Zündnadelgewehrkugel eine schwere Wunde in den Unterleib erhielt. Das Regiment Preußen-Kürassiere erlitt einen Gesammtverlust von 21 Officieren (darunter 3 todt), 269 Mann und 363 Pferden, das Regiment Wrangel einen solchen von 5 Officieren, 109 Mann und 107 Pferden (theils todt oder verwundet). Der schwerverwundete General wurde nach Rossitz gebracht, daselbst von einem feindlichen Officier, Namens Zastrow, als Kriegsgefangener erklärt und nach zwei Tagen durch Johanniter (unter dem Prinzen Reuß) nach Hořitz transportirt. Auf Geheiß des Königs Wilhelm von Preußen leitete dessen Leibarzt Dr. Langenbeck die Behandlung der schweren Verwundung. Das Bad Teplitz förderte die weitere Genesung. Der Feldzug 1866 war der letzte, den er mitmachte, und mit seiner Verwundung bei Königgrätz schloß er seine Kriegsthätigkeit. Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde erlangte er, und zwar für die Feldzüge 1848 und 1849 das Ritterkreuz des kaiserlich österreichischen Leopoldordens und das Militär-Verdienstkreuz, beide mit Kriegsdecorationen, für den Feldzug 1866 den kaiserlich österreichischen Orden der eisernen Krone zweiter Classe mit der Kriegsdecoration. 1867 betheiligte sich der Fürst als ungarischer Indigena an den Krönungsfeierlichkeiten zu Ofen und [58] Pesth. Im selben Jahre wurde er Ritter des Ordens vom goldenen Vließe. Nach einem längeren Urlaube und der erfolgten Herstellung von seiner schweren Verwundung zur Armee zurückgekehrt, ward er 1868 zum Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär zu Oedenburg befördert, und 1869 erhielt er das Militärcommando zu Preßburg. Anläßlich der Wiener Weltausstellung 1873 war er dem Großfürst-Thronfolger von Rußland, jetzigem Czar Alexander III. zur Hofdienstleistung zugetheilt. Am 28. April 1876 um 6 Uhr Abends auf seinem Schlosse zu Tachau starb er im 58. Lebensjahre nach kurzem Leiden. Mit dem Fürsten schied ein ritterlicher Charakter, ein tapferer Soldat, ein hochgebildeter Officier, ein allgemein verehrter Vorgesetzter und ausgezeichneter Kamerad aus dem Leben. Die ihm gewidmeten Nachrufe sind in vorstehender Würdigung einstimmig.

Handschriftliche Mittheilungen. – (Amon’s) Geschichte des 12. k. k. Huszaren-Regimentes (Wien 1876) S. 240, 242, 243. – Thürheim (Andreas Graf). Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862–1863, Geitler, gr. 8°.) Bd. I: „Die Kürassiere und Dragoner“, S. 67, 68, 178, 208, 389. – Derselbe. Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichisch-ungarischen Armee (Wien und Teschen 1880, K. Prochaska, gr. 8°.) Bd. II, S. 63, 67, 489 und 497.