BLKÖ:Winterholler, Gustav

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 87. (Quelle)
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Winterholler, Gustav (Bürgermeister der Stadt Brünn und Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. in Brünn am 14. April 1833). Ein Sohn des Bürgers und Kaufmannes Moriz Winterholler in Brünn, besuchte er das Gymnasium daselbst und von 1850 ab die Hochschule in Wien, worauf er 1856 in den Gemeindedienst seiner Vaterstadt eintrat und unter den Bürgermeistern von Ott und Dr. von Giskra im Gemeinderathspräsidium als Secretär thätig war. Die Sachkenntniß und Umsicht, welche er in dieser Stellung, namentlich während der preußischen Invasion Brünns, bewährte, in der er die schwierigsten Gemeindeangelegenheiten zu bearbeiten hatte, veranlaßten, als Giskra 1867 Minister des Innern wurde, seine Berufung als Ministerialconcipist in das Ministerium, aus welchem er nach seiner am 1. Juli 1869 erfolgten Ernennung zum Statthaltereirath und administrativen Schulreferenten nach Brünn zurückkehrte. In dieser Stellung verblieb er bis zum Jahre 1880, in welchem er dann dieselbe mit dem Referat in Militär- und in Communicationsangelegenheiten vertauschte. In der Zwischenzeit erfolgte 1870 seine Wahl in die Gemeindevertretung und am 6. Juni 1880 zum Bürgermeister von Brünn, welche Stelle er nach wiederholter Wahl 1883 und 1886 noch zur Stunde bekleidet. Als dann 1882 Hofrath Ritter d’Elvert sein Mandat als Abgeordneter der Stadt Brünn im österreichischen Reichsrath niederlegte, wurde Winterholler dessen Nachfolger und schloß sich darin der vereinigten Linken an. Als 1885 die Neuwahlen für das Abgeordnetenhaus stattfanden, wurde er wiedergewählt und trat bei der neuen Parteigruppirung dem deutschösterreichischen Club bei. Während der Legislaturperiode 1882/85 war er auch Mitglied der Delegation. In die verhältnißmäßig kurze Zeit seiner Amtsführung als Bürgermeister von Brünn fallen doch so wichtige Momente der Entwicklung in den Communalangelegenheiten dieser Stadt, daß wir derselben in Kürze gedenken wollen. So ist Winterholler vor Allem der Schöpfer der communalen [86] Kindergärten Brünns, wie denn überhaupt das Schulwesen diese Stadt unter seiner Oberleitung einen erfreulichen Aufschwung genommen hat. Das der Stadtgemeinde gehörige Schloß Gurein wurde zu einer Mädchen-Waisenanstalt umgeschaffen und zu gleicher Zeit damit eine deutsche Privat-Volksschule in Verbindung gebracht; ferner verdankt vornehmlich ihm Brünn das neue Stadttheater, welches überdies den interessanten Vorzug besitzt, das erste elektrisch beleuchtete Theater auf dem europäischen Continent zu sein; die schon unter seinem Vorgänger angelegte Straßendampfbahn ward unter ihm wesentlich erweitert und auf seine Anregung der neue Centralfriedhof angelegt; ebenso verdankt Brünn seiner Initiative die Gründung des Bürgerversorgungshauses, den Plan für die neue Trinkwasserleitung, die Beseitigung der Kramladen auf dem Großen Platz, wodurch derselbe an Ausdehnung und Schönheit gewann, die Erbauung der nach dem Schreibwalde führenden Brücke über die Schwarzawa u. a.; auch kam unter ihm der bereits bestandene Plan der Gründung eines gemeinnützigen Vereines für Erbauung billiger Wohnungen zur Verwirklichung. Winterholler ist als Obmann oder Vorsteher, oder Beirath thätiges und einflußreiches Mitglied der verschiedenen der Förderung humanitärer Interessen gewidmeten Vereine, wie des Brünner Männergesangvereines, der deutschen Lesehalle, des patriotischen Frauen-Hilfsvereines, des allgemeinen Beamtenvereines der Monarchie u. s. w. In Würdigung seiner namhaften Verdienste um das Gemeindewesen Brünns wurde er 1882 zum Ehrenbürger und bei der Neuwahl des Bürgermeisters 1883 wiedergewählt. Sein tactvolles Verhalten bei den 1885 ausgebrochenen anarchistischen Charakter in sich tragenden Arbeiterunruhen, deren Unterdrückung ohne Blutvergießen gelang, fand auf allen Seiten neidlose Anerkennung. Deutsch seinem Namen nach, deutsch in seinem Wesen und deutsch in der Gesinnung, ist er ein energischer Vertreter der deutschen Sache in Brünn, und so lange er an der Spitze des Gemeinwesens steht, hat die von mehreren Seiten angestrebte Slavisirung dieser Stadt noch ihre guten Wege.

Wiener allgemeine Zeitung am 27. März 1880: „Correspondenz aus Brünn ddo. 26. März“. – Allgemeine Zeitung (München, 4°.) 2. Juli 1885, Nr. 181, S. 2659: „Ein Fest der Deutschen in Mähren“. – Heller (Hermann). Mährens Männer der Gegenwart. Biographisches Lexikon. Erster Theil: „Gesetzgeber und Politiker“ (Brünn 1855, C. Winiker, Lex. 8°.) S. 80. [Dieses ebenso wohlgemeinte als im Hinblick auf die bereits erschlossenen Quellen doch etwas leichthin behandelte erste Heft leidet vor Allem an dem Uebelstand, daß bei den einzelnen Biographien die heutzutage geradezu unentbehrliche und höchst wichtige Angabe der benützten Quellen fehlt. Es genügt uns nicht, zu sehen, was Hermann Heller schreibt. wir wollen auch wissen, woher er das Geschriebene genommen, um, wenn er Rosa in Rosa oder Grau in Grau malt, nachforschen zu können, ob die Farbe auch die richtige; dann finden wir auffallende Lücken, so gehört der in Olmütz am 12. März 1836 geborene Bohuslaw Freiherr von Widmann doch auch in dieses erste Heft, in welchem wir übrigens noch manchen anderen Namen vermissen. Wenn ferner Heller im Vorwort schreibt: „daß seines Wissens sein Werk das erste ist, worin speciell Mähren biographisch behandelt wird“, so wollen wir ihn nur nebenbei an Czikann’s „Schriftsteller Mährens“, Richter‘s „Series Episcoporum Olomucensium“ erinnern, zu geschweigen, daß Pelzel’s „Jesuiten“, Dudik’s „Stift Raygern“, Dlabacz „Künstler-Lexikon“ u. s. w. neben Böhmen speciell auch Mähren biographisch erörtern. Auch führt [88] Heller im Vorworte unter den Staatsmännern einen Leopold Widmann-Sedlnitzky an, den wir im Hefte vergebens suchen; oder sollte der Graf Victor Widmann-Sedlnitzky darunter gemeint sein? Nun wir können denselben immerhin als denkwürdig, aber nimmermehr als ausgezeichnet gelten lassen. Ebenso wenig finden wir im Hefte, noch kennen wir überhaupt einen Dr. Leopold Berger, womit wohl der verstorbene geistvolle Sprechminister des einstigen Bürgerministeriums Giskra, der Dr. Joh. Nep. Berger, aus Prosnitz in Mähren gebürtig, gemeint sein dürfte. Dies Alles nur nebenbei.]