BLKÖ:Wolter Edler von Eckwehr, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 94. (Quelle)
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Wolter Edler von Eckwehr, Johann (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Königgrätz in Böhmen 1789, gest. in Krakau 24. Mai 1857). Er kam zur militärischen Ausbildung in die Ingenieurakademie zu Wien, welche er, als das Jahr 1809 die Jugend zu den Waffen rief, noch vor Vollendung des Curses verließ, um als Fähnrich in das 29. Infanterieregiment Freiherr von Lindenau einzutreten. Mit diesem wohnte er im genannten Jahre dem Bombardement von Wien, der Schlacht von Wagram, den Gefechten während des Rückzuges unserer Armee nach Mähren und dem Treffen bei Znaim bei und that sich durch persönliche Bravour so hervor, daß ihn sein Oberst von Pflügen öffentlich belobte. Nach dem Wiener Frieden nahm er Urlaub auf unbestimmte Zeit, beendete den unterbrochenen Lehrcurs in der Ingenieurakademie auf eigene Kosten und trat nach dessen Vollendung im August 1812 als Oberlieutenant in das Ingenieurcorps mit der Bestimmung, seine ersten Dienste in der Festung Arad zu leisten. Bei Ausbruch des Feldzuges 1813 kam Wolter im October zur Armee in Italien, von da im December zum Armeecorps in Dalmatien, wo er, dem mit den Operationen im südlichen Theile des Landes betrauten General Milutinovich [Bd. XVIII, S. 333] beigegeben, die Angriffsarbeiten und die Artillerie bei der Belagerung von Ragusa leitete. Der französische General Montrichard vertheidigte die Festung. Nachdem er die Aufforderung zur Uebergabe derselben entschieden zurückgewiesen hatte, wurde am 21. Jänner das Feuer mit 2 Mörsern, 2 Sechs- und 6 Achtzehnpfündern gegen die Festung, die eine Besatzung von etwa 1200 Mann zählte, gut verproviantirt und mit 165 Geschützen besetzt war, eröffnet, und zwar mit so großer Wirkung, daß am 28. Jänner die Stadt mit den Forts capitulirte, worauf die Garnison, nachdem sie die Waffen gestreckt hatte, freien Abzug nach Italien erhielt. Wolter aber wurde für seine außerordentliche Leistung außer seinem Range zum Capitänlieutenant im Corps befördert; doch mit dem Fall Ragusas endeten in Dalmatien die Feindseligkeiten noch nicht. Im Mai erlitten die drei Oesterreich ergebenen Gemeinden Dobrotta, Porasto und Percsanio Gewaltthätigkeiten und Beraubungen von Seite der Montenegriner und sie rafften [95] sich gegen diese auf und traten ihnen bewaffnet entgegen. Nun wurden sie von den Montenegrinern mit Rache, und zwar mit Mord und Verwüstung ihrer ganzen Habe bedroht. In dieser Noth flehten die Gemeinden um Hilfe bei General Milutinovich, der ihnen solche auch gewährte. Am 7. Juni begann das Gefecht, die Montenegriner wurden in die Flucht getrieben und in Cattaro, wohin sie sich flüchteten, eingeschlossen. Schon während des Kampfes, welcher von 4 Uhr Nachmittags bis in die Nacht währte, und in welchem 200 Montenegriner die Wahlstatt bedeckten, that sich Wolter hervor. Nun aber, nachdem die Verhandlungen, welche noch im Verlauf des Kampfes der Bischof von Montenegro, Peter Petrovich, eingeleitet hatte, resultatlos abgebrochen worden, wurde das Bombardement Cattaros beschlossen, und Wolter leitete dasselbe. Doch schon am 11. Juni erklärte der Bischof, daß er die Festung räumen werde, und am folgenden Tage zog er mit seinen Montenegrinern aus Cattaro in seine Gebirge zurück. Nun war die Eroberung Albaniens beendet, und Wolter erhielt für sein ausgezeichnetes Verhalten den Ausdruck der ah. Zufriedenheit. Aber nicht bloß mit der Waffe in der Hand und als Leiter des Geschützkampfes that er sich bei dieser Gelegenheit hervor. General Milutinovich verwendete ihn auch während dieser Kämpfe zu verschiedenen wichtigen Missionen, so zu General Montrichard nach Ragusa, zu Bischof Petrovich nach Montenegro und zu dem kaiserlich russischen Obersten Nikich, der die Montenegriner zu Castelnuovo befehligte. Aller dieser Missionen entledigte sich Wolter, vieles Blutvergießen verhütend, in erfolgreichster Weise. In der nun eingetretenen langjährigen Friedensepoche bis zu seiner im December 1848 erfolgten Beförderung zum Generalmajor stand er in mehrfacher Verwendung. So war er 1823 Localdirector in Arad, später zu Gratz. 1832 rückte er zum Major vor und erhielt die Leitung des Baues der Befestigungen bei Brixen; wurde dann Localdirector in Mailand, 1835 Districtsdirector im Banat, im December 1839 Oberstlieutenant und kam als solcher nach Lemberg. Im April 1841 zum Commandanten des Sappeurcorps ernannt, ward er 1842 Brasseur’s Nachfolger als Localdirector der Ingenieurakademie in Wien und als solcher im Juli 1844 Oberst. Nach seiner Beförderung zum Generalmajor zunächst als Fortifications-Districtsdirector in Böhmen verwendet, ging er noch im nämlichen Jahre zur activen Armee in Italien, und zwar als Truppenbrigadier zum Cernirungscorps von Venedig. Nach Malgheras Fall wurde er Commandant des Forts, das er mit rastloser Thätigkeit in Vertheidigungsstand setzte. Nach Bewältigung Venedigs vorübergehend zum Festungscommandanten in Essegg ernannt, kam er dann in gleicher Eigenschaft nach Venedig, rückte im November 1850 zum Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär beim 11. Armeecorps in Böhmen vor, wurde im October 1851 Festungscommandant in Königgrätz und bei Ausbruch des orientalischen Krieges Commandant des befestigten Krakau. Für seine Thätigkeit vor Malghera 1848 erhielt der General das Militär-Verdienstkreuz, nachdem er bereits 1841 in Anerkennung seiner verdienstvollen 30jährigen Dienstleistung im Frieden und mit dem Degen vor dem Feinde in den österreichischen Adelstand mit dem Prädicate von Eckwehr und [96] dem Ehrenworte Edler von erhoben worden. Seinem Dienst in Krakau wurde er durch den Tod entrissen. Drei Söhne des Verblichenen dienten und dienen noch in der kaiserlichen Armee. Der Eine, Adolf, lebt als Titularoberst in Wien, der Zweite, Ernst, ist Hauptmann bei der Geniedirection in Krakau, der Dritte, Johann, lebt als Titularoberst in Gratz, ist als Major im Geniecorps für ausgezeichnetes Verhalten im Feldzuge 1859 mit dem Militär-Verdienstkreuz und als Oberstlieutenant im nämlichen Corps im Feldzuge 1866 mit dem Orden der eisernen Krone ausgezeichnet worden.

Hirtenfeld (J.). Militär-Zeitung, 1857, S. 631: „Nekrolog“. – Derselbe. Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, kl. 8°.) X. Jahrg. (1859) S. 135.