BLKÖ:Milutinovich von Millovsky, Freiherr von Weichselburg, Theodor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 333. (Quelle)
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Milutinovich von Millovsky, Freiherr von Weichselburg, Theodor (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Surduk im Peterwardeiner Grenz-Regimentsbezirke 23. Mai 1766, gest. zu Temesvár 7. November 1836). Ein Sohn des Hauptmanns, nachmaligen Obersten Axentius M., der in Ansehung seiner Verdienste im J. 1796 in den Adelstand erhoben wurde [siehe Näheres über ihn S. 337 in den Qu.]. Der General-Artilleriedirector Joseph Graf Colloredo [Bd. II, S. 427] ließ auf seine Kosten den jungen Soldatensohn in der Ingenieur-Akademie erziehen, worauf dieser im J. 1786, damals 20 Jahre alt, als Fahnencadet in die kaiserliche Armee trat. M. begann seine Laufbahn im 2. Banal-Grenz-Regimente, wurde aber bereits im Jahre 1788 Lieutenant im Pontoniercorps. In diesem bildete er sich auf das Musterhafteste in seinem Dienstzweige aus, so daß er in den folgenden Kriegen Beweise seiner besonderen Tüchtigkeit zu geben Gelegenheit hatte. Zunächst im Jahre 1792, als nach dem Verluste der Schlacht von Jemappes auf dem Rückzuge der Armee hinter Mons über die vielen dortigen Canäle Brücken geschlagen, immer wieder aber, um die Verfolgung des Feindes zu vereiteln, abgebrochen werden mußten, welche schwierige Aufgabe M. mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit und Geschicklichkeit ausführte. Noch im Winter desselben Jahres, als die Armee bis an den Rhein sich zurückzog, und es für den Fall der Nothwendigkeit, die Armee zu überschiffen, an Schiffen, Pontons, kurz, an allem zur Ausführung eines solchen Ueberganges Erforderlichen mangelte, nebstdem durch den hohen Wasserstand und das in mächtigen Stücken schwimmende Treibeis die bedenkliche Situation nur gesteigert ward, da war es M., der mit ungewöhnlicher Energie alle Mittel zum Uebergange der Armee, Geschütz und Bagage inbegriffen, herbeischaffte, und durch diese Sicherheit die freie Bewegung des Heeres wesentlich förderte. Im Frühjahre 1793 erhielt M. Befehl, eine Schiffbrücke bei Coblenz über den Rhein zu schlagen, wurde aber mitten in der Ausführung seines Auftrages abberufen und der königlich preußischen Armee zugetheilt. Hier erhielt er nun Befehl, bei Bacherach eine Brücke zu schlagen, welche Aufgabe er so rasch und geschickt löste, daß ihn der König Wilhelm II. von Preußen mit hundert Stück Friedrichsd’or belohnte, und auch jeden der Pontoniere, die dabei mitgewirkt, mit einigen Friedrichsd’ors beschenkte. Ueber die von M. geschlagene Brücke aber übersetzte die ganze preußische Armee in der Stärke von 55 Bataillons Infanterie, 65 Escadronen Cavallerie, der ganzen dazu gehörigen Artillerie sammt dem Train ohne das mindeste Hinderniß; schlug den französischen General Custine, cernirte Mainz und begann die Operationen in den Niederlanden. M. wurde nun vom [334] Pontonier-Bataillon zum Wurmser’schen Freicorps, unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberlieutenant, übersetzt. Von da kam er in gleicher Eigenschaft zum General-Quartiermeisterstabe, aus welchem er als Capitän zum Freicorps zurückkehrte. In dieser Zeit zeichnete er sich bei mehreren Gelegenheiten aus. Bei der Erstürmung der Lauterburger und Weissenburger Linien im October 1793, bei welchen er mit 60 Freiwilligen bei Blittersdorf zuerst über den Rhein setzte und dort bis zum Uebergange der Colonnen auf das Muthigste Stand hielt, richtete sich die Aufmerksamkeit des Feldmarschall-Lieutenants-Prinzen von Waldeck auf den jungen tapferen Kriegsmann; ebenso that er sich bei der Erstürmung der Mainzer Linien (October 1795) hervor, und wurde bis zum Luneviller Frieden stets bei der Avant- oder Arrièregarde verwendet. Im Feldzuge des Jahres 1805 war er zum Major im Peterwardeiner Grenz-Regimente vorgerückt; mit seinem Bataillon überfiel er die Feste Oberhaus bei Passau und nahm sie mit Sturm; seiner und seines Bataillons Tapferkeit rühmte der Corpscommandant Feldmarschall-Lieutenant Graf Merveldt im Armeebefehle auf das Ehrenvollste. Nachdem wieder Friede geschlossen worden, kehrte M. in seine Heimat zurück und richtete sein Hauptaugenwerk auf die Grenzer, deren Wohlfahrt er durch entsprechende Einrichtungen zu steigern bemüht war. Seine Bemühungen nach dieser Seite hin wurden durch seine Beförderung zum Oberstlieutenant im Gradiscaner Grenz-Regimente, welche im October 1808 erfolgte, anerkannt. Im Jahre 1809, als das Regiment gleichfalls ausmarschirte, um an dem großen Kampfe des genannten Jahres theilzunehmen, trug M. vorher Sorge für die Errichtung von Reserve-Bataillonen, traf auch sonst die erforderlichen Anstalten zu Sicherstellung der Grenzen, und schlug im Mai 1809 einen Angriff der bosnischen Türken siegreich zurück. Im nämlichen Jahre noch wurde M. zum Obersten befördert. Nach eingetretenem Frieden widmete M. seine ganze Thätigkeit den Arbeiten des Friedens, er ließ neue Straßen bauen, alte herstellen, Sümpfe und Moräste, welche die Gegend ungesund machten, austrocknen, sorgte in den Officiersstationen für Herstellung entsprechender Wohnungen, ließ in der Stabsstation eine ansehnliche Kirche und auch sonst noch in mehreren Gemeinden einige Kirchen bauen, kurz, that alles zur Förderung höherer Gesittung und Wohlfahrt in diesen der Cultur halb entfremdeten und seit Jahren vernachlässigten Gegenden. Im Jahre 1813 rückte auch M. mit dem zweiten Bataillon seines Gradiscaner Regiments in’s Feld. Die italienische Armee unter dem Vicekönig war im Vorrücken begriffen. Am 6. September war General Pino von Laibach bis Weichselburg vorgedrungen. Dort stellte sich ihm Milutinovich mit einer kleinen Abtheilung Gradiscanern – das Terrain drückte dem Kriege des Jahres 1813 in Innerösterreich den Charakter eines Vorpostenkrieges auf – und zwei Zügen Huszaren entgegen, hielt ihn im Vordringen auf und trieb ihn dann bis gegen Laibach wieder zurück. In der darauffolgenden Nacht überfiel er bei geweihten Brunn mit seinen Huszaren die beiden feindlichen Bataillone, und zerstreute sie so, daß sie erst nach mehreren Tagen wieder formirt werden konnten. Am 9. rückte M. mit seinem Bataillon und der kleinen Abtheilung Huszaren gegen St. Marein vor. Der Vicekönig, der in dieser Gegend keinen solchen Widerstand, wie [335] er sich ihm nun entgegenstellte, erwartet hatte, richtete bald sein Augenmerk auf Oberst M. und seine Truppe, und beschloß zunächst, den Widerstand derselben zu beseitigen. Bei St. Marein kam es am 12. September zu einem entscheidenden Kampfe. Schon um acht Uhr Morgens entwickelte sich das Gefecht unter persönlicher Anführung des Vicekönigs, der ein Bataillon Garden, ein Bataillon der Brigade Palombini, zwei Schwadronen Dragoner und eine Abtheilung reitende Artillerie in den Kampf führte, gegen das eine Bataillon Gradiscaner und die zwei Züge Huszaren des Obersten Milutinovich. Dieser hatte wohl von General Rebrovich, der bei Weichselburg stand, Verstärkung erbeten, die aber noch immer nicht kam. Der Vicekönig hatte dem einen Bataillon Befehl gegeben, den rechten Flügel des Obersten zu umgehen. Die Lage M.’s wurde immer bedenklicher, und als noch immer keine Verstärkung kam, die Niederlage gewiß. Nur Kühnheit konnte noch Rettung bringen, und darnach traf Oberst M. seine Maßregeln. Dem feindlichen Bataillon, das ihn umgehen sollte, schickte er den Hauptmann Nikitsch mit zwei Compagnien entgegen, diese sollten sich in den Hinterhalt legen und das anlangende, von einem achtstündigen Marsche erschöpfte feindliche Bataillon plötzlich überfallen. Dieser Plan gelang vollkommen. Im Uebrigen traf M. die Dispositionen so, daß es der Feind zu einem Massenangriffe nicht bringen konnte. Im Plänklergefechte aber fand M. Zeit, hielt den Feind durch die Tapferkeit seiner Leute auf, so daß über dem Kampfe die Nacht hereinbrach und der Feind noch immer nichts gewonnen hatte. Mittlerweile war auch die Verstärkung des General Rebrovich eingetroffen, die Unseren hatten ihre Stellung behauptet und der Vicekönig mit seiner Garde mußte den Rückzug antreten. Der Verlust des Feindes betrug 2 Officiere, 500 Todte und Verwundete, und 95 Mann Gefangene, der Verlust der Truppe des Obersten M. 47 Todte und Verwundete, und 28 Gefangene. Am folgenden Tage rückte die feindliche Division Marcognet auf Weichselburg und besetzte den Ort mit den Garden. General Rebrovich faßte nun den Entschluß, die Garden in der Nacht vom 15. auf den 16. zu überfallen; ferner sollte Oberst M. mit seinem Bataillon die rechte Flanke des Feindes umgehen. M. vollführte seinen Auftrag nach einem zehnstündigen Marsche auf fast unwegsamen Gebirgspfaden auf das Pünctlichste, und die Franzosen erlitten wiederholt nach einem vierstündigen hartnäckigen Kampfe, in welchem sie an Macht den Unseren weit überlegen waren, eine völlige Niederlage. Mit nicht minderem Erfolge wirkte M. am 25. September bei dem Ueberfalle des Feindes zu Groß-Laschitz, wo er gemeinschaftlich mit dem Obersten Graf Starhemberg die Abtheilung des Generals Perreymond sprengte, und am 27. d. M. im Gefechte bei Zirknitz, wo im Vereine mit General Csivich und Oberst Graf Starhemberg 16 Compagnien und drei Flügel Huszaren über die fünftausend Mann und 14 Geschütze starke feindliche Division Palombini einen vollständigen Sieg erfochten. Der Verlust des Feindes betrug 500 Todte und Verwundete, 1 Oberst, 3 Stabs-, 18 Oberofficiere und 700 Mann Gefangene mit 4 Fahnen. Diese Reihe von Waffenthaten fand auch Allerhöchsten Ortes verdiente Würdigung. Zu Görz, wohin Oberst Milutinovich bis zum 6. October vorgerückt war, erreichte ihn [336] das kaiserliche Handschreiben, mit welchem ihm in Anerkennung seiner vor dem Feinde geleisteten Dienste das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zugesendet, unter Einem aber auch seine Beförderung zum General-Major außer der Tour bekannt gegeben worden war. M. erhielt nun die Bestimmung, sich dem unter dem General Freiherrn von Tomassich nach Dalmatien vorrückenden Corps anzuschließen. In Dalmatien war M. bei der Einnahme von Zara, am 6. December, dann bei jener des Forts Terra di Morin und der Plätze Ragusa in ausgezeichneter Weise thätig. Ferner nahm er Spalato, das Fort Clissa, und rückte in den ersten Lagen des Jänner 1814 in das Gebiet von Ragusa ein. Es galt nun zunächst, Ragusa zu nehmen – denn Cattaro hatten die Montenegriner besetzt. – In Ragusa aber trieben zwei Parteien ihr Unwesen, die französische und die sogenannte republikanische. M. beschloß die Einschließung der Stadt, welche bis zum 13. Jänner vollendet war, worauf am 29. d. M. die Uebergabe erfolgte. Bei der Erbitterung, welche unter den beiden die Stadt beherrschenden Parteien bisher gewaltet, bedurfte es eines ebenso energischen als umsichtigen Auftretens, um dem zu befürchtenden Ausbruche einer Metzelei unter den Bürgern vorzubeugen. Mit Ragusa’s Fall war auch der letzte Rest französischer Herrschaft im adriatischen Meere vernichtet. Unter der den Unseren zugefallenen Beute befanden sich 163 Geschütze, und unter diesen zwei 65pfündige Kanonen, welche einst Kaiser Karl V. der Republik zum Danke geschenkt hatte, für den ihm im Jahre 1535 gegen die Barbaresken geleisteten Beistand. Die nächste Waffenthat des Generals war die Einnahme von Cattaro. Die Montenegriner hatten sich, von England im Namen Rußlands begünstigt, noch vor dem Eintreffen der Oesterreicher der Buchten von Cattaro bemächtigt. Es wurden nun Unterhandlungen mit dem Metropoliten Montenegro’s wegen der feindlichen Uebergabe der Provinz versucht, diese jedoch blieben erfolglos. M. machte nun allen Umtrieben dieser Gebirgsräuber ein kurzes Ende; im Juni genannten Jahres überfiel er die Bocche, und nahm durch Schnelligkeit und Entschlossenheit der Bewegungen die vorher auf das Genaueste ausgekundschafteten festen Plätze in wenigen Tagen ein. Für die auf diesem Zuge erworbenen neuen Verdienste wurde M. von Sr. Majestät mit dem Commandeurkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet. Die nächste Zeit bis Anfang 1816 widmete M. der Organisirung der nun mit einander verbundenen Provinzen von Ragusa und Albanien, an deren Spitze er als Militär- und Civilgouverneur gestellt worden. Später bekleidete er Brigadierposten zu Zara, Karansebes und Mitrovitz, im September rückte er zum Feldmarschall-Lieutenant vor und im Jahre 1831 wurde er Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 54. Zuerst in Karlstadt, dann in Temesvár als Divisionär angestellt, trat er im Februar 1836 nach 50jähriger Dienstleistung in den Ruhestand, den er nur wenige Monate mehr genoß, da er noch im November letztgenannten Jahres im Alter von 70 Jahren starb. Theodor v. M. ist den Statuten des Maria Theresien-Ordens gemäß mit Diplom vom Jahre 1815 in den Freiherrnstand mit dem Prädicate v. Weichselburg erhoben worden.

Adelstands-Diplom vom 20. Juni 1796 für Theodor’s Vater Axentius. – Freiherrnstands-Diplom vom 12. December 1815. – Schels, Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) Jahrg. 1839, Bd. I, [337] S. 36 u. 131. – Militär-Zeitung, herausgegeben von Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) XI. Jahrg.<ref group="WS">Vorlage: Jahgr.</ref (1858), Nr. 33, im Artikel: Montenegro. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1198 u. 1749. – Serbsky Ljetopis, 17. Jahrgang (1843), I. Theil.