BLKÖ:Waldeck, Christian August Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 169. (Quelle)
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Waldeck, Christian August Fürst (General der Cavallerie und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. 6. December 1744, gest. zu Cintra bei Lissabon am 25. August 1798). Ein Sohn des Fürsten Karl August [170] Friedrich [s. d. S. 174] aus dessen Ehe mit Christiane Pfalzgräfin von Zweibrücken-Birkenfeld. 26 Jahre alt, war er bereits Oberstlieutenant im Dragoner-Regiments Zweibrücken. Als Volontär machte er dann in der russischen Armee den Krieg gegen die Türken mit und kehrte 1773 als Oberst in sein Regiment zurück, welches ihm 1781 verliehen wurde. Als 1788 Oesterreich gegen die Türken zu Felde zog, commandirte er eine Brigade unter Feldmarschall Loudon, bestand mehrere glückliche Gefechte bei Beschania und Semlin und rückte zum Feldmarschalllieutenant vor. Als solcher befehligte er eine Division im französischen Feldzuge 1792 und zeichnete sich am 6. September genannten Jahres vor Thionville aus, verlor aber bei einer Recognoscirung den linken Arm. Nun begab er sich nach Wien, wo er im Auftrage des Kaisers den Operationsplan für die österreichisch-preußische Rhein-Armee entwarf. Nach demselben wurde festgestellt: daß beide Heere nach der Einnahme von Mainz von einander unabhängig und abgesondert vorgehen sollten, um den Vorwürfen, Verzögerungen und Uneinigkeiten zu begegnen, zu denen die vereinten Operationen bisher zwischen den beiderseitigen Truppen geführt hatten. Dabei handelte es sich zunächst darum, solche Gegenden zu bezeichnen, durch welche am leichtesten in Frankreich eingedrungen, eine oder die andere Eroberung gemacht und eine sichere Basis für den nächsten Feldzug gewonnen werden könne. Der Plan war gut entworfen, fand aber im preußischen Hauptquartier keine Gnade. Endlich brachte es der Prinz bei dem Könige von Preußen dahin, daß dieser Wurmser’s Lieblingsidee: die Offensive nach dem Elsaß, acceptirte, und er selbst erhielt das Commando eines Corps. Bei der Einnahme von Weißenburg führte er die erste Colonne, welche aus 12 Bataillonen und 7 Schwadronen bestand, übersetzte mit ihr am 13. October 1793 den Rhein bei Selz, demonstrirte gegen Lauterburg, faßte die Franzosen im Rücken, während Wurmser sie vorne angriff, und trug wesentlich zu dem herrlichen Siege dieses Tages bei. Wenige Tage danach, am 26. October, eroberte er Wanzenau und nahm bei dieser Gelegenheit dem Feinde 14 Kanonen und 2 Haubitzen ab. Noch zeichnete er sich bei Blenheim und Drusenheim aus und übernahm 1794, nach Wurmser’s Rücktritte, das Commando der Armee am Oberrhein, welches er bis zur Ankunft des Feldzeugmeisters Browne führte. Für die thätige Mitwirkung bei der Einnahme der Weißenburger Linien erhielt er in der 32. Promotion (vom 25. October 1793) außer Capitel das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens und rückte zum General der Cavallerie vor. In dieser Eigenschaft wirkte er bei der Armee in den Niederlanden, bis er bald darauf als Mitglied des Hofkriegsrathes nach Wien berufen ward. 1796 mit dem Generalcommando in Böhmen betraut, erhielt er daselbst 1797 den Ruf, den Oberbefehl der portugiesischen Landarmee zu übernehmen; er folgte mit Genehmigung des Kaisers diesem Anträge und fand in Lissabon die ehrenvollste Aufnahme. Aber seine Aufgabe, die desorganisirten portugiesischen Truppen zu organisiren und auf besseren Fuß zu stellen, kannte er nicht lösen; man will wissen, daß das Entgegenwirken mehrerer Großen des Landes, welche sich durch Waldeck’s Berufung und seine glänzende Aufnahme verletzt fühlten und deren Eifersucht erregt worden war, daran die eigentliche Schuld gewesen sei. [171] Waldeck starb schon im folgenden Jahre zu Cintra bei Lissabon, als portugiesischer Feldmarschall und Commandirender der Landarmee.

Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix-huitième siècle et plus particulièrement de ceux qui ont figuré dans la Révolution française (Londres 1800, 8°.) Tom. III, p. 495. – Oesterreichische National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. VI, S. 13. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden[WS 1] und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 395 und 1736. – Vehse (Eduard). Oesterreichs Hof und Adel (Hamburg, Hoffmann und Campe, 8°.) Bd. IX, S. 102 und 145. – Szöllösy (Joh. Nep. v.). Tagebuch gefeierter Helden u. s. w. (Fünfkirchen 1837, 8°.) S. 417 [nach diesem geboren am 16. October 1744]. – Auch enthält das Programm des Gymnasiums zu Korbach im Fürstenthum Waldeck f. f. 1883, eine Abhandlung über den Rheinfeldzug des Fürsten Christian August.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Militär-Maria Theresin-Orden.