BLKÖ:Tomassich, Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tomasser, Franz
Band: 46 (1882), ab Seite: 76. (Quelle)
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Tomassich, Franz Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Fiume am 2. October 1761, gest. zu Zara 12. August 1831). Seit frühester Jugend von Lust und Liebe zum Soldatenstande erfüllt, trat er 1776 in die k. k. Ingenieur-Akademie ein, welche er nach fünf Jahren als Ingenieur-Corpscadet verließ. Bald darauf zum Officier befördert, fand er beim Festungsbaue von Josephstadt Verwendung. 1793 bereits Hauptmann im Geniecorps, nahm er als solcher an der Vertheidigung der Festung Le Quesnoy in so heldenmüthiger Weise Theil, daß er als Kriegsgefangener zum Tode durch die Guillotine verurtheilt wurde, dem er nur durch den inzwischen erfolgten Sturz der Schreckensregierung in Frankreich entging. Der gewesene Commandant von Le Quesnoy, Oberst Blank, stellte den verdienten Geniehauptmann dem Kaiser persönlich vor, und in Würdigung jenes heldenmüthigen Verhaltens ward Tomassich im Jahre 1797 außer seinem Range zum Major im Generalstabe befördert. Auch war es als ein weiteres Zeichen besonderen kaiserlichen Vertrauens anzusehen, daß er der kaiserlichen Botschaft zu St. Petersburg beigegeben und bald darauf beordert wurde, die Truppen, welche Rußland zur Unterstützung Oesterreichs unter Souwarow schickte, nach Italien zu führen. Zu letzterem Zwecke dem Armeecorps des russischen Generals der Infanterie Rosenberg zugetheilt, bewährte er sich in allen Wechselfällen dieses Krieges als tapferer Soldat. Besonders zeichnete er sich im Feldzuge 1800 aus. Als man nämlich am 11. April zur Erstürmung der Bocchetta schritt, stellte er sich auf dem Berge Fayale im Genuesischen zur Aneiferung der Truppen aus eigenem Antriebe an die Spitze derselben. In diesem Kampfe vorn an der Brust durch einen Schuß lebensgefährlich verwundet, hatte er zeitlebens an den Folgen desselben zu leiden. Für seine Waffenthat aber wurde er in der 68. Promotion sam 5. Mai 1802) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet, den Ordensstatuten gemäß in den Freiherrenstand erhoben und diese Standeserhöhung auch auf seinen jüngeren Bruder Nicolaus, der mit Majorscharakter aus dem Kriegsdienste geschieden war, übertragen. 1801 bereits Oberstlieutenant, rückte er 1805 zum Obersten und 1809, in welchem Jahre er bei der Blokade von Palma nuova verwendet wurde, zum Generalmajor vor. Als Oesterreich in dem nun folgenden Kriege gegen Frankreich Illyrien verlor, erhielt er seine Bestimmung als Commandant der Festung Leopoldstadt in Ungarn, in kurzer Zeit aber aus Anlaß der zwischen Frankreich und Oesterreich stattfindenden Grenzberichtigungen nach Croatien, wo er den ersten Commissär, den General der Cavallerie Freiherrn von Knesevich [Bd. XII, S. 147][WS 1] in diesem ebenso wichtigen als schwierigen Geschäfte unterstützte. Hierauf wurde er zum Commandanten des zu jener Zeit wichtigen Grenzpunktes [77] Agram ernannt, und als 1813 der Krieg zwischen Frankreich und Oesterreich von Neuem ausbrach, mit der Eroberung Dalmatiens beauftragt. Nur geringe Hilfsmittel standen dem General zu Gebote, aber mit weiser Mäßigung, in seinen Plänen auf das trefflichste von den ihm untergeordneten Generalmajor Milutinovich [Bd. XVIII, S. 333] unterstützt, ging er an die Ausführung der schwierigen Aufgabe, und in der That gelang es ihm in kürzester Frist, das ganze Land dem kaiserlichen Scepter zu unterwerfen, die in die festen Punkte verlegten französischen Truppen zu bekämpfen, die bewaffneten und kriegerischen Bewohner des Landes zu gewinnen und außerdem die Montenegriner, welche mittlerweile in den Bocche di Cattaro festen Fuß gefaßt, daraus zu vertreiben. Alle französischen Truppen mit drei Generälen an der Spitze schickte er als Kriegsgefangene nach Italien. Nach einer fünfwöchentlichen Belagerung – vom 1. November bis 6. December – hatte er Zara eingenommen. Für die bei diesen Unternehmungen bewiesene Umsicht und Tapferkeit verlieh ihm der Kaiser mit Handbillet aus Freiburg vom 26. December 1813 das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens und die Feldmarschall-Lieutenantswürde, auch übertrug er ihm provisorisch die Verwaltung des eroberten Landes. Achtzehn Jahre bis zu seinem Tode versah Tomassich dieses Amt und verstand es, die Liebe der Bewohner zu gewinnen, welche insbesondere zum Ausdrucke kam, als er am 4. April 1831 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feierte. Nur wenige Monate überlebte er dasselbe, schon im August starb er im Alter von 80 Jahren. Bereits 1816 hatte ihn der Kaiser zum zweiten Inhaber des Infanterie-Regiments Prinz Leopold beider Sicilien Nr. 22 ernannt. Eine letzte Auszeichnung, die Verleihung des Ordens der eisernen Krone erster Classe, wurde dem tapferen General kurz vor seinem Hinscheiden zutheil.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 730, 1164, 1744 und 1748. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.). Zweite Abtheilung. Bd. II, S. 1203. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 382. [Daselbst heißt es, Tomassisch habe Zara nach einer viermonatlichen Belagerung eingenommen, das ist unrichtig, es geschah nach einer fünfwöchentlichen.] – Schels. Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) 1832, 1. Heft, 4. Artikel. – Szöllösy (Joh. Nep. von). Tagebuch gefeierter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit (Fünfkirchen 1837, gr. 8°.) S. 393.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: von Knesevich [Bd. XII, S. 145].