BLKÖ:Wrbna-Freudenthal, Rudolf Eugen Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wrede, Eugen Fürst
Band: 58 (1889), ab Seite: 195. (Quelle)
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Wrbna-Freudenthal, Rudolf Eugen Graf (Ritter des goldenen Vließes und Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. 28. April 1818, gest. in Wien 6. Februar 1883), vom jüngeren (Hořowitzer) Aste der böhmischen Linie. Ein Sohn des Grafen Eugen und Barbaras Gräfin Erdődy und ein Enkel des berühmten Staatsmannes Grafen Rudolf [siehe S. 190], widmete er sich, nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen hatte, zunächst der Bewirtschaftung seiner Güter und bewährte sich bald als so musterhafter Oekonom, daß ihm der Kaiser die Verwaltung der Familienfondsgüter übertrug. Ebenso durch seine strenge Rechtlichkeit, wie durch die günstigen Erfolge, welche er mit seiner gediegenen Verwaltung erzielte, befestigte sich seine Vertrauensstellung und Beliebtheit bei Hofe. 1867 vom Kaiser zum lebenslänglichen Mitgliede im Herrenhause des Reichsrathes ernannt, bekleidete er in demselben durch mehrere Jahre die Stelle eines Vice-Präsidenten. Er gehörte der Verfassungspartei an, vertrat öftere Male Finanzreferate, führte auch viele Jahre hindurch das Präsidium in der Staatsschuldencommission. Als dann die zerrütteten financiellen Verhältnisse der Hofoper zu ernstlichen wirthschaftlichen Reformen drängten, wurde zu diesem Zwecke der in wirthschaftlichen Sachen erprobte Graf 1870 zum Nachfolger des bisherigen Generalintendanten der kaiserlichen Hoftheater, des Freiherrn von Münch-Bellinghausen (Friedrich Halm), berufen. Er betonte diese seine Aufgabe ausdrücklich bei Uebernahme der Stelle und kümmerte sich demgemäß auch weniger um künstlerische Fragen, in welchen er den beiden Directoren Dingelstedt und Herbeck viel freien Spielraum ließ, während er selbst nur darauf Bedacht nahm, ein besseres Verhältniß zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. [196] Freilich blieb dieses passive Verhältniß gegenüber den Kunstaufgaben der beiden Institute auch nicht ohne Nachtheile, da der Graf für manchen dringlichen und nützlichen Vorschlag der Directoren nicht zu gewinnen war, indem er an seiner Aufgabe, die Ausgaben möglichst einzuschränken, energisch festhielt. Er verstand es aber mit seiner im Ganzen gewinnenden Weise, ernstliche Conflicte zu vermeiden. Als er nach vier Jahren seine Mission erfüllt zu haben glaubte, sich aber bei Fortsetzung seiner financiellen Einschränkungen störende Verwicklungen in Lösung der Kunstaufgaben beider Hofbühnen zu zeigen begannen, trat er, da ihn nicht Interessen für die Kunst zur Uebernahme seines Amtes bewogen hatten, 1874 von demselben zurück, trotz der nicht eben dankbaren und mit schwierigen Verhältnissen verknüpften Aufgabe im Kreise der Mitglieder beider Kunstinstitute ein freundliches Andenken hinterlassend, wozu sein sympathisches Wesen und die wohlwollende Art, die heikelsten Gegenstände zu behandeln, nicht wenig beitrugen. Der Graf erfreute sich in Hofkreisen wie in der aristokratischen Welt, zu deren edelsten Vertretern er zählte, großer Beliebtheit. Auswärtige Höfe hatten ihn mehrfach mit ihren Auszeichnungen geschmückt; sein eigener Monarch aber bewies ihm seine Huld, indem er ihn 1863 zum wirklichen geheimen Rathe ernannte, ihm 1874 das Großkreuz des Leopoldordens und 1878 das goldene Vließ verlieh. Als der Graf nach längerem Leiden im Alter von 64 Jahren starb, wurde die Leiche in die Familiengruft zu Holleschau in Böhmen überführt. Graf Wrbna war unvermält geblieben.

Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 4. October 1874, Nr. 3630: „Aus dem Hoftheater“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Localanzeiger, Nr. 331. – Dieselbe, 1870, Nr. 335 im Feuilleton „Wiener Spaziergänge“. Von Daniel Sp.(itzer). – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt[WS 1]) 11. Juli 1861, Nr. 162 in den „Silhouetten aus dem Abgeordnetenhause“. – Der Floh (Wiener Witz- und Spottblatt) 1871, Nr. 6: „An Grafen Wrbna“.
Porträt. Holzschnitt von Paar nach Zeichnung von F. W.(eiß) in der Wiener „Neuen illustrirten Zeitung“ XI. Jahrgang, Bd. I, 25. Februar 1883, Nr. 22, S. 350.
Charge von Lacy von F.(rescai) in der „Bombe“ vom 13. April 1873, Nr. 16, S. 97: „Der Kunstblumen Rache.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Unterhalhaltungsblatt