BLKÖ:Wurzinger, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wussin, Joseph
Band: 59 (1890), ab Seite: 29. (Quelle)
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Wurzinger, Karl (Geschichtsmaler, geb. in Wien 1817, gest. daselbst 16. März 1883). Der Sohn eines Hausmeisters, trat er, 14 Jahre alt, im Februar 1832 in die k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, in welcher er mehrere Jahre hindurch sich in der Malerei ausbildete. In der Ausstellung bei St. Anna 1844 erschien er mit seinen ersten Werken, einem Bildnisse des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Khevenhüller-Metsch und zwei anderen Bildern: „Die Eitelkeit“ und „Orombello, Geliebter der Beatrice di Tenda“ vor dem größeren Publicum. Nachdem er in der Akademie für ein historisches Bild den Kaiserpreis erlangt hatte, begab er sich 1847 nach Italien, hielt sich längere Zeit in Rom auf und beschickte die Wiener Ausstellung mit dem großen Historienbilde: „Tod des Königs Otokar in der Schlacht auf dem Marchfelde“. Von Rom aus schickte er auch 1856 das Geschichtsbild: „Kaiser Ferdinand II. in der Wiener Burg von den böhmischen Rebellen bedrängt“, auf Leinwand 10′ 10″ hoch, 13′ 2¾″ breit und bezeichnet: Karl Wurzinger. Rom 1856. Dies Werk, welches für die moderne Abtheilung der k. k. Belvederegalerie in Wien angekauft wurde, gelangte 1862 auch auf die kölnische Ausstellung, wo es dem dort als Kritiker thätigen Moriz Hartmann Stoff bot zu einer gehässigen Beurtheilung, die, indem sie in den Arbeiten dreier österreichischer Historienmaler, unter denen Wurzinger obenan genannt ist, die Personification des Octoberdiploms (!) erblickt, als politisch gefärbt sich selbst richtet. Doch darf nicht verhehlt werden, daß auch der berühmte, aber politisch unbefangene Kunstkritiker Ernst Förster in der „National Zeitung“ [1858, Nr. 45] dem Bilde gegenüber sich wenig anerkennend verhält und im Gegensatze zu Hartmann durch die religiöse Seite des Bildes beirrt ist. Wurzinger, welcher 1856 Professor an der Wiener Kunstakademie wurde, malte im Laufe der Jahre noch zahlreiche Bildnisse und historische Gemälde, von welchen wir anführen: „Joseph erzählt den Brüdern seinen Traum“ (1845); – „Mädchen aus dem Sabiner Gebirge“ (1865); – „Albaneserin“ (1863). 1868 erhielt er von Seiner Majestät den Auftrag: Wiens Vertheidiger gegen die Türken, Grafen Starhemberg, in dem Momente darzustellen, wo er sich verwundet auf die Löwelbastei tragen läßt, um die Bürger und Soldaten zur Ausdauer im Kampfe gegen die Belagerer aufzumuntern. Im Ganzen ist über die Arbeiten Wurzinger’s wenig bekannt; die zahlreichen von ihm gemalten Bildnisse, welche sich ebenso durch ihre sprechende Aehnlichkeit als durch Colorit und Auffassung auszeichnen, [15] gelangten nur selten in öffentliche Ausstellungen. Die Urtheile über den Meister gehen in Lob und Tadel zu weit. Während die „Gazzetta uffiziale di Verona“ 1856, Nr. 290 anläßlich seines oberwähnten Bildes „Kaiser Ferdinand II. und die böhmischen Rebellen“ schreibt: „C’è un sol grido in Roma Wurzinger è il primo pittore di questo secolo“, mit welcher Uebertreibung dem Künstler nicht gedient ist, urtheilen andere Kenner und Fachmänner ruhiger und besonnener und „erkennen in Wurzinger einen tüchtigen Meister der neueren Schule, in dessen Geschichtsbildern eine vorzügliche lebendige Composition zu finden und dessen Gestalten geistreiche scharf ausgeprägte Köpfe tragen.

Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1834 u. f., E. A. Fleischmann, gr. 8°.) Bd. XXII, S. 135. – Müller-Klunzinger, Die Künstler aller Zeiten und Völker (Stuttgart 1864, Ebner, gr. 8°.) Bd. III, S. 903. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, gr. 4°.) Bd. VI (1856) S. 55 im Texte von Rob. Waldmüller’s „Kunst und Künstler in Rom“. – Theater-Zeitung von Adolf Bäuerle (Wien, kl. Fol.) Jahrg. 1857, Nr. 119: „Laufbahn eines Künstlers“. – Frankl (Ludwig Aug.). Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1845, Nr. 21 im Kunstblatt V; 1846, Nr. 25 im Kunstblatt XIII in den Besprechungen der Ausstellungen von Dr. Ed. Melly und Eitelberger; 1847, Nr. 13 im Kunstblatt. – Reber (Franz Dr.). Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873 (Stuttgart 1876, gr. 8°.) S. 655. – Allgemeine Zeitung (München, gr. 4°.) 1883, S. 1166.