BLKÖ:Zallinger zum Thurn, Franz Seraph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 112. (Quelle)
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Zallinger zum Thurn, Franz Seraph (gelehrter Jesuit, geb. zu Bozen am 14. Februar 1743, gest. in Innsbruck 2. October 1828). In Rede Stehender, dessen Vater Handelsmann und mehrere Jahre Magistratsrath in Bozen war, [113] besuchte das Gymnasium in Hall, hörte Philosophie in Trient und trat 1760 zu Landshut in den Orden der Gesellschaft Jesu. Auf der Hochschule zu Ingolstadt widmete er sich mit Vorliebe dem Studium der mathematischen Wissenschaften. 1773 erlangte er zu Eichstädt die Priesterweihe. Im Lehramte wirkte er an den Gymnasien zu Trient und München. Als dann 1773 die Aufhebung seines Ordens erfolgte, übernahm er zu Innsbruck das Lehramt der Rhetorik; wurde 1775 dem Professor der Mathematik Weinhart beigegeben und 1777 an Stelle seines Bruders Jakob zum Professor der Physik an der Universität in Innsbruck ernannt. Daselbst lehrte er bis zu seiner 1815 erfolgten Uebersetzung in den Ruhestand. In seinem Fache war er auch schriftstellerisch thätig, und von seinen zahlreichen Schriften erschienen 18 im Druck, 108 blieben Manuscript. Von den gedruckten nennen wir die wichtigeren: „Dissertatio de generali et absoluta virium mechanicarum mensura“ (Innsbruck 1777, 8°.); – „Dissertatio de causis et remediis inundationum in Tyroli“ (ebd. 1778, 8°.); eine deutsche Umarbeitung, nicht Uebersetzung dieser Schrift ist von Joh. Bapt. Grafen von Auersperg erschienen (ebd. 1782); – „Von der krummlinigten Bewegung der Körper“ (München 1783), auch in den neuen Abhandlungen der bayrischen Akademie; – „Abhandlung von den Grundsätzen der Elektricität“ (Innsbruck 1779, umg. Aufl. 1801, gr. 8°.); – „Abhandlung von der Elektricität des in Tirol gefundenen Turmalins“ (ebd. 1779, 8°.); – „Dissertatio de aestimanda perfectione machinarum ad mechanicam solidorum pertinentium“ (ebd. 1780, 4°.); – „Observationes astronomicae et meteorologicae“ (ebd. 1782, 8°.); – „Witterungsbeobachtungen nebst einigen Höhenmessungen mit dem Barometer“ (ebd. 1783, 8°.); –„Praelectiones ex mathesi elementari“, cum fig. (ebd. 1793, 8°.); – „Praelectiones ex mathesi pura et applicata“, cum tab. 2 (Augsburg 1793, 8°.); – „Praelectiones ex physica theoretica et experimentali“, Oeniponti 1805, 8°.); – „Innsbrucker meteorologische Beobachtungen von fünfzig Jahren, mit einer Uebersicht derselben. Nach des Verfassers Tode herausgegeben vom Ausschusse des Ferdinandeums. Mit 9 Tabellen“ (Innsbruck 1833, gr. 8°.). Zallinger hat thatsächlich durch nahezu 52 Jahre ununterbrochen, nämlich von 1777 bis zum letzten September 1828 (zwei Tage vor seinem Tode) an jedem Tage zweimal und immer zu derselben Stunde und in demselben Orte die Witterung beobachtet und genau aufgezeichnet. Dabei lag er strenge seinem priesterlichen Berufe ob und nahm durch 55 Jahre an allen Sonn- und Feiertagen am frühesten Morgen und an deren Vorabenden oft mehrere Stunden die Beichte ab. Diese strenge Erfüllung seines priesterlichen Berufes hinderte ihn aber nicht, der Wissenschaft auch in für heilig gehaltenen Dingen ihr Recht werden zu lassen, so z. B. stand er nicht an, das Marienbild zu Absam, dessen Verehrung 1797 ihren Anfang nahm, des Nimbus zu entkleiden (vgl. Staffler‘s „Tirol“ Bd. I, S. 589), mit dem die erhitzte Einbildungskraft des Volkes dasselbe umgab. Sein Gutachten darüber ist im „Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol“ Bd. III, S. 248 abgedruckt. Bayern und Oesterreich ehrten den gelehrten und aufgeklärten Priester, König Max Joseph von Bayern ernannte ihn 1813 zum königlichen geistlichen Rath, Kaiser Franz I. 1815 zum Ehrendomherrn von Trient und schmückte [114] ihn zugleich mit der großen goldenen Verdienstmedaille mit Kette.

Biographie des k. k. jubilirten Professors u. s. w. Franz von Zallinger zum Thurn; mit einem Anhang biographischer Nachrichten von seinen beiden Brüdern Jacob und Johann und ihrem Verwandten Joseph von Zallinger (Innsbruck 1833, 8°.). – Feilmoser (B.), Biographische Skizze. – (Di Pauli), Biographie (Innsbruck 1833). – Tiroler Bote (Innsbruck 1829, Nr. 11 und 12, – Poggendorff (J. C.), Biographisch literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1863, J. Ambr. Barth, Lex. 8°.) Bd. II, S. 1391 [diese Quellen geben auch über die folgenden Träger dieses Namens Aufschluß].