BLKÖ:Zeno, Apostolo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 323. (Quelle)
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Zeno, Apostolo (Dichter und Schriftsteller, geb. zu Venedig 11. December 1668, gest. daselbst 11. November 1750). In Rede Stehender, dessen Geburtsjahr sich öfter 1688 statt 1668 angegeben findet, entstammt nicht nur einer sehr alten und vornehmen Venetianer Familie, sondern viele Sprossen derselben sind auch geschichtlich denkwürdig und spielen in Venedigs Geschichte eine hervorragende Rolle. In jungen Jahren verlor er seinen Vater Pietro und wuchs unter der Leitung seiner Mutter Caterina Sevastò, einer geborenen Candiotin, auf, die sich nach dem Tode ihres Gatten mit Pier Antonio Cornaro wieder vermälte. Der Stiefvater, ein gutherziger Mann, hinderte den Leseeifer des Knaben nicht. Als derselbe älter wurde, brachte ihn sein Oheim, welcher Bischof von Capodistria war, in das Seminar der Somascher, und dort entwickelte sich Zeno’s Talent für die Dichtkunst, das früh hervorbrach und ihn bald in weiteren Kreisen bekannt machte. 32 Jahre alt, wurde er ausersehen, als 1700 dem Herzog Rinaldo [324] von Este ein Thronfolger geboren ward, die festlichen Schauspiele, welche zur Feier dieses Ereignisses statthatten, zu dichten und zu leiten. Diese und andere dramatische Arbeiten richteten bald die Aufmerksamkeit auf den begabten Autor, und von mehreren Seiten erhielt er Anträge, die Stelle eines Theaterdichters zu übernehmen. Aber in seiner Liebe zur Heimat lehnte er alle ab und begann 1710 die Herausgabe seiner Zeitschrift: „Giornale de’ letterati d’Italia“, wodurch sein Ansehen nur noch mehr wuchs. Als dann Erzherzog Karl, der nachmalige Kaiser Karl VI., in Barcelona längeren Aufenthalt nahm, erhielt Zeno den Auftrag, einige Dramen zu schreiben, und diese erfreuten sich solchen Beifalls von Seite des Erzherzogs, daß ihn derselbe fürstlich belohnte und ihn, als er nach seiner Rückkehr aus Spanien den kaiserlichen Thron bestieg, eingedenk der geistigen Genüsse, welche ihm des Dichters Schöpfungen bereitet hatten, als kaiserlichen Hofpoeten nach Wien berief. 1715 folgte Zeno der kaiserlichen Einladung und erfreute sich in Wien als besonderer Günstling des Kaisers, der ihn hoch in Ehren hielt und dessen Gunst mit jedem neuen Drama, welches der Poet schuf, sich steigerte, eines außerordentlich angenehmen Aufenthaltes. Er wurde von Karl VI. mit Ehren und Auszeichnungen überhäuft und zum Historiographen ernannt. Aber mit seiner Sehnsucht nach der Heimat vereinigten sich noch andere Umstände, insbesondere literarische Cabalen, die ihn bestimmten, seine Stellung aufzugeben und 1729 nach Venedig zurückzukehren. Dort lebte er noch über zwei Decennien inmitten seiner literarischen und numismatischen Schätze bis an seinen Tod geistig thätig. Für die Hofbibliothek war sein Aufenthalt in Wien von einiger Wichtigkeit, da er für dieselbe eine stattliche Anzahl griechischer werthvoller Manuscripte in Venedig käuflich erwarb, wie er denn auch veranlaßte, daß die im Jahre 1722 in Siebenbürgen bei Weißenburg gefundenen römischen Monumente nach Wien überbracht und in die Wände des Haupteingangs der Hofbibliothek eingemauert wurden. Die Werke Zeno’s sind sehr zahlreich, und dessen Biograph Giambatt. Baseggio zählt sie im VII. Bande der „Biografia degli italiani illustri“ S. 39 und 40 sämmtlich auf. Die dramatischen Arbeiten belaufen sich auf 60 Stück und erschienen in zehn Bänden (Venedig 1744) und in zwölf Bänden (Turin 1795). Eine Auswahl in deutscher Uebersetzung veranstaltete Pet. Obladen unter dem Titel: „Des Herrn Apostolo Zeno weil. k. k. Hofpoeten neueröffnete Schaubühne biblischer Begebenheiten in XVII Schauspielen aus dem Italienischen übersetzt“ (Augsburg 1758, 8°.), welche folgende Stücke: 1) David, 2) Joseph, 3) Jesabel, 4) Joas, 5) Jesaias, 6) Sissera, 7) Jonathan, 8) Tobias, 9) Naeman, 10) David, 11) Ezechias, 12) Daniel, 13) Johann Baptista, 14) Sedekias, 15) Jesus im Tempel, 16) Petrus zu Caesarea, 17) Das bekehrte Jerusalem enthält; ferner sind als noch zur Stunde von Werth zu nennen: „Serie cronologica di tutti gli scrittori veneziani“; – „Vocabulario degli Accademici della Crusca compendiato“, tomi 2 (Venezia 1705, 1717, 1723, 1727, 1734, 4°.); – „Giornale de’ letterati d’Italia“ (Venezia 1710–1718, 12°.); – „Istorico delle cose veneziane“, tomi 10 (Venezia 1718–1722, 4°.); – „Dissertazioni Vossiane“, tomi 2 (Venezia 1752–1753, 4°.); – „Poesie sacre dramatiche cantate nell’imperiale Capella [325] di Vienna“ (Venezia 1735, 4°.; c. fig. 1742, 8.°) und dann Biographien und Beiträge zur Biographie des Sabellico, Guarini, Card. Bembo, Paolo Paruta, Enr. C. Davila, Manuzzi, Giucciardini u. A.

Gamba (Bartol.), Galleria dei Letterati ed Artisti delle Provincie Veneziane nel secolo decimottavo (Venezia 1824, 8°.). – Menegatti (Giacinto). Oratio in funere A. Zeni (Venezia 1750, 8°.). – Negri (Francesco). Vita di A. Zeno (Venezia 1816, 8°., mit Bildniß, 8°.) [die beste Biographie Zeno’s. – Valsecci (Antonino). Orazione in morte di A. Zeno, poeta e storico cesareo (Venezia 1750, 8°.). – Foppa (Giuseppe). Apostolo Zeno e Pietro Metastasio scoperti in difetto a merito del dramma „Armida e Rinaldo” del signor Domenico Gavi; cicalata (Venezia 1814, 8°.). – Fabroni. Vitae Italorum, Tom. IX. – Rovani (Giuseppe). Storia delle lettere e delle arti in Italia giusta le reciproche loro corrispondenze (Milano 1856, Borroni e Scotti, 8°.) tomo II, pag. 391. – Tipaldo (Emilio de). Biografia degli Italiani illustri nelle scienze, lettere ed arti secolo XVIII e de’ contemporanei (Venezia, 1840, tipogr. di Alvisopoli, gr. 8°.) Vol. VII, p. 25–40. – Zaccaria (Fr. Ant.). Storia letteraria d’Italia, Tomo III: Elogio. – Ed. Mar. Oettinger. Bibliographie biographique universelle etc. (Bruxelles 1854, J. J. Stienon, schm. 4°.) Sp. 1933. – Oesterreichische National-Encyklopädie. Von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. VI, S. 237 [mit dem unrichtigen Geburtsjahr 1688 statt 1668]. – (Zedler’s) Universal-Lexikon, Bd. LVI, Sp. 1290.
Porträt. Unterschrift: „Apostolo Zeno“. Comirato inc. Umriß.