BLKÖ:Zichy-Vásonykeő, Eugen Graf (geb. 1837)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 60 (1891), ab Seite: 19. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: {{{GND}}}, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Zichy-Vásonykeő, Eugen Graf (geb. 1837)|60|19|}}

Zichy-Vásonykeő, Eugen Graf (Staatsmann und Nationalökonom, geb. zu Mihály 5. Juli 1837), vom I. Zweige der Karlsburger Linie. Der jüngere Sohn des Grafen Edmund [S. 14] aus dessen Ehe mit Pauline Fürstin Odescalchi, widmete er sich schon als Jüngling, entgegen dem Dolce far niente, dem sich ein großer Theil unseres jüngeren seine wahre Mission ganz verkennenden Adels hingibt, mit großem Eifer den Studien, vollendete mit Auszeichnung jene der Rechte, erlangte daraus die Doctorwürde, bildete dann weiter durch große Reisen, auf denen er mit sehenden Augen schaute, seinen Geist und diente, heimgekehrt, dem Vaterlande, wo und wie er konnte. Dem Studium der Volkswirthschaft hingegeben, nicht als Cavalier, unsicher hin und her tastend, alles versuchend, doch nichts vollendend, sondern als richtiger Volksmann, der die Bedürfnisse des Volkes und mit diesem jene des Staates erkennt, agitirt er rastlos für die gewerblichen Interessen, in deren Belebung und Förderung er den wichtigsten Factor einer gesunden das Wesen der Allgemeinheit belebenden Volks- und Staatswirthschaft sieht. Vollkommen unabhängig, weder eine Stellung erstrebend, noch um Gunst der Unteren buhlend, ist er doch der richtige Volksmann, denn sein Name ist in sämmtlichen Gauen Ungarns gleichbedeutend mit dem eines Förderers der Volksinteressen und eines wahren Volksfreundes. Bekannt wurde sein Name erst durch den glänzenden Erfolg der von ihm angeregten und ausgeführten Stuhlweißenburger Ausstellung. Von da ab nahm er aber, allen Hindernissen, die sich ihm von den verschiedensten Seiten entgegenstellten, trotzbietend und sie energisch beseitigend, alle gewerblichen Angelegenheiten Ungarns in die Hand, und der Spitzname „Industriegraf“, den die Neider und Widersacher für ihn erfunden hatten, wurde für ihn bald ein Ehrentitel: denn er ist nicht nur in Wirklichkeit der Patron des ungarischen Gewerbes, er ist noch weit mehr, er ist selbst ein Industrieller in größtem Maßstabe. Seine in sieben Comitaten gelegenen Besitzungen von etwa 133.000 Joch besten ungarischen Bodens bieten eine wahre Musterkarte der verschiedensten Industrien, Dampfsägen, Schleppbahnen, Kalköfen u. s. w. Um aber das Volk für seine Unternehmungen, die demselben ebenso wichtig sind, als ihm dem Privaten, zu interessiren, es für Versuche empfänglich und auf die noch ungehobenen Schätze, welche das Land Ungarn in seinem Schoße birgt, aufmerksam zu machen, arbeitet er gleichzeitig mit der Feder, und behandelt und bespricht er in einer Anzahl Brochuren die wichtigsten haus- und volkswirtschaftlichen Fragen, wie Canalisation, Eisenbahnen, Arbeiter- und gewerbliche Interessen u. s. w. Der Graf ist bei seinen Bestrebungen mehr auf der Eisenbahn als in seinen Schlössern, denn er bereist alle gewerblichen Bezirke, um theils Gewerbeschulen zu gründen, deren bis um die Mitte der Achtziger-Jahre nicht weniger als 86 aus seiner Initiative hervorgegangen, theils aber, wenn irgendwo große oder kleinere Ausstellungen im Lande selbst oder außerhalb desselben stattfinden, zur Theilnahme an denselben aufzumuntern. Auch fördert [20] er in großartiger Weise die Künste. So bestellte er bei dem noch wenig gekannten ungarischen Bildhauer Adolf Huszár für die Pesther Landesausstellung 1885 eine Marmorgruppe „Venus mit Amor tändelnd“ und kaufte sie um 25.000 fl. an, mit der Bestimmung: daß sie nach der Ausstellung der Stadt Budapesth anheimfalle, welcher dann nur die Obsorge zufiel, sie öffentlich aufzustellen und zu verwahren. Der Graf, jetzt im vollen Mannesalter von 53 Jahren, hat als Abgeordneter, von Natur mit seltener rhetorischer Gabe ausgestattet, schon öfter seine Stimme erhoben, und es ist ihm in vielen Fällen gelungen, das zündende Wort zu finden, welches seinen Anhängern zum Siege verhalf, und mit der trefflichen Rednergabe verbindet er eine seltene Schlagfertigkeit. Mehr ein Anhänger der Partei Apponyi, als jener Tisza’s, hat der „rothe Graf“, wie er auch seines röthlichen Vollbartes wegen im Volksmunde genannt wird, als „demokratischer Aristokrat“ noch lange nicht seine politische Rolle ausgespielt. Graf Eugen ist seit 15. Juni 1865 mit Hermine geborenen Gräfin Redern (geb. 21. Februar 1844) vermält, welcher Ehe nebst fünf Töchtern ein Sohn Raphael (geb. 12. März 1877) entstammt.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) 1. Juni 1879, Nr. 152: „Eine Ausstellung in Ungarn“. Von F. S. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) XII. Jahrg. 18. November 1883, Nr. 8, S. 115: „Graf Eugen Zichy“. – (Schorer’s) Familienblatt (4°.) 1888, 2. Beilage zum 1. Hefte.
Porträts. 1) Unterschrift: „Graf Eugen Zichy“. Holzschnitt von P.(aar) in der „Neuen Illustr. Zeitung“ (Wien) XII. Jahrgang, 18. November 1883, Nr. 8. – 2) Trefflicher Holzschnitt in Schorer’s „Familienblatt“ 1888, 2. Beilage, 1. Heft. – 3) In einer Gruppe von Medaillonsbildnissen im „Magyarország és nagy világ“ 1861, Nr. 10. – 4) Holzschnitt im „Magyarország és nagy világ“ 1886, Nr. 10.