Bergedorf verloren und gewonnen

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Bergedorf verloren und gewonnen
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 170–173
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[170]
88. Bergedorf verloren und gewonnen.

1399. Dazumal sah sich Herzog Erich von Untersachsen um, und befand, daß es gar ein enges Land wäre, davon sich so viele Fürsten, als er und seine Brüder, ernähren sollten; dachte derhalben nach, wie solche muthwillige Herren pflegen, daß er seine Herrschaft weiter möchte ausstrecken.

Nun hatte sein Vater denen von Lübeck, die ihm großes Geld vorgestreckt, Bergedorf verpfändet; sie thäten es aber auf Edelmanns Glauben einem frommen Junker ein, der in Kriegeslist unerfahren und auch nicht vorsichtig genug war, Otto von Ritzerau, von dem sie Eides Pflicht genommen.

Also kam Herzog Erich einmal in das Städtlein Bergedorf, ließ den Otto, der das Schloß zur Verwahrung hatte, zu sich fordern, und fragte, wie es ihm ginge. „Es gehet mir ziemlich, sprach Junker Otto, und hat alles seine Maße.“ „Laß uns doch hingehn, sagte Herzog Erich weiter, und sehen wo du wohnst.“ Junker Otto versah sich keiner unfürstlichen Praktiken oder Schelmstücke, da er wohl wußte, daß solches Schloß nicht erkrieget oder mit Gewalt eingenommen wäre, sondern um geliehenes Geld zu Pfand versetzt worden; er ließ daher den Herzog williglich aufs Schloß kommen.

[171] Als der Fürst nun oben war, und mehr Gesindes mit sich gebracht, als Otto um sich hatte, sprach er: „Du hast es alles wohl verwahrt, und lange genug geschützt und aufgehalten; Ich will dich deiner Sorge, Mühe und Arbeit entledigen; zeuch nun, wohin du willst; Ich will hinfort Mein Erbschloß selbst bestellen und bewahren.“ Junker Otto sagte: er wolle doch auf guten Glauben mit ihm handeln; es sei wohl nicht sein Ernst, sondern sein Scherz. Der Herzog aber sprach: „Du hörst was dir gesagt wird; Wir wollen Unser Schloß selbst in Schutz nehmen.“

Wie Junker Otto das sah, daß es ernstlich gemeint, und daß ihn seine Einfältigkeit betrogen, zog er mit Traurigkeit ab, setzte sich auf sein Pferd, und ritt gen Lübeck.

Da klagt er dem Burgemeister mit betrübtem Gemüth, wie er vom Herzoge betrogen wäre; und damit hat er seinen Leib überantwortet samt allem was er hatte, also daß die Lübschen auch seines Lebens mächtig sein sollten.

Hierauf befiehlt ihm Ein Rath: er solle sich in der Herberge halten und bestricket sein, bis ihm andere Antwort zukomme. Obwohl nun auch Junker Otto bereit gewesen, sein Schloß Ritzerau, das er erblich hatte, den Lübschen für Bergedorf zu geben: so wollten sie es doch nicht nehmen, sondern hielten es für unchristlich, seine Kinder ihres väterlichen Erbes zu berauben. Doch gerieth Junker Otto über solchen Handel in tiefe Bekümmerniß [172] und Schwermuth, und starb kurz danach zu Lübeck in großem Leide.

Der Herzog behielt inmittels das Schloß Bergedorf, und machte sich wenig Gedanken, mit was Ehre er solches thäte; und war den Bürgern darum nicht besser gewogen.

Auch das half nicht, daß die benachbarten Fürsten ihm Schande und Tadel anhängten.

Er behielt es vielmehr so lange, bis man’s ihm mit Wehr und Waffen wieder abgedrungen. Und das hat sich so begeben:

Anno 1420 ungefähr war Herzog Erich bei allen seinen Nachbarn verhaßt und in Ungunst, sonderlich weil ers mit den Straßenräubern hielt, die von dem Schloß Bergedorf über eine Brücke unter dem Wasser, welche man nicht sehen konnte, heimlich hinten hinausgezogen, also daß man vorn nichts merkte. So kamen sie durch einen dicken Wald auf die Straße, fingen die Kaufleute, verbanden ihnen die Augen, drehten sie herum und führten sie fort, als gingen sie einen fernen Weg, obgleich sie nur einen kurzen Umschweif mit ihnen machten. Im Wald hatten sie dann ihren geheimen Schlupfwinkel, wo sie den Gefangenen Alles abschatzten, und bei Nacht auf ungebahnten und irren Wegen davon brachten. Dieß hatten endlich die Lübecker und Hamburger genau ausgekundschaftet, vereinigten sich, nahmen Kriegsleute an und zogen mit 800 Mann zu Pferde und 3000 zu Fuß, [173] Bürger und Kaufleute, gen Bergedorf. Ihre obersten Hauptleute waren Herr Jordan Pleßkow, Burgemeister zu Lübeck, und Herr Heinrich Hoyer, Burgemeister zu Hamburg. Sie eroberten zuerst das Städtlein und plünderten es; darauf beschossen sie das Schloß 4 Tage und Nächte, und ließen denen, die drauf waren, keine Ruhe. Des fünften Tages in der Morgenstunde brachten sie aus dem Lager viel Stroh und Theertonnen an das Bollwerk, streuten Schwefel und Büchsenpulver und anderes böses Räucherwerk darunter, und zündeten es gegen den Wind an. Davon erhub sich ein so greulich Feuer und Stank, daß des Herzogs Volk von dem Bollwerk auf das Schloß gar bald entweichen mußte. Sofort liefen die Kriegsleute der beiden Städte unter solchem Rauch und Dampf das Bollwerk an und gewannen es; und setzten von da aus dem Schloß so ernstlich zu, daß sich die Feinde auf Gnade ergaben und davon zogen.

Also nahmen die Hauptleute das Haus zu Bergedorf ein, steckten beider Städte Fähnlein drauf, und besetzten es mit den Ihren.

Von da rückten sie vor das Haus Riepenburg; das ergab sich ohne jenige Gegenwehr. Auch das besetzten sie mit beider Städte Volk.

Danach zogen sie gen Cuddewörde, zerbrachen und schleiften daselbst die Veste; und gingen heim.

Bemerkungen

[393] (Vgl. Becker 1, S. 318 f. und Detmar J. 1420. Herzog Erich V. regierte seit 1412.)