De Unerêrschen un êre Nücken

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: De Unerêrschen un êre Nücken
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 174–176
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[174]
89. De Unnerêrschen un êre Nücken.

Um diese Zeit hat im Kolk eine Wartefrau eine Wöchnerin ausgepflegt und ihr das letzte Warmbier gekocht. Da sie nun allein gewesen, tritt unter dem Feuerheerd ein Unnerêrscher hervor und macht ihr den Vorschlag, seine Frau gegen ein gutes Geld auch aus den Wochen zu pflegen. Sie ergreift ihr Bündel und geht mit in den Keller, wo sie immer tiefer hinabsteigen, bis sie endlich in ein Krystallhaus kommen, wo alles von Gold und Silber und Edelgestein funkelt. Die Wöchnerin liegt in einem goldnen Bett, und hat ein Ding mit außerordentlich dickem Kopf zur Welt gebracht. Der Vater des Dings aber spricht zur Wartefrau: sie könne schalten und walten wie sie möge; nur zwei Flaschen, welche auf der Fensterbank stünden, dürfe sie nicht berühren; oder es würde ihr schlimm bekommen. Damit geht er fort, erscheint aber nach einigen Stunden plötzlich wieder im Zimmer mit Speisen aller Art reichlich versehen, wovon sie herrlich und in Freuden leben. – Nach einiger Zeit wird die Wartefrau so neugierig, daß sie dem Dinge aufpaßt; und siehe: wenn es aus der einen Flasche auf der Fensterbank getrunken, wird es alsbald unsichtbar; wenn aus der andern, ist es wieder sichtbar geworden. Das [175] merkt sie sich, und wie das Ding den andern Tag aus ist, macht sie sich alsbald unsichtbar und folgt ihm nach. Da gewahrt sie denn zu ihrem Erstaunen, wie es auf dem Markt durch die Läden und Litte und Stände und Bänke der Verkäufer geht, und die fettsten Bissen wegnimmt und in einen großen Sack schiebt. Danach geht es um den Kaak und wendet sich nach Hause zu; indem aber erblickt es die Frau; die vergißt sich vor Schreck und sagt: „Güd’n dach, mîn lêve Herr!“ Sogleich spricht er zornmüthig: „Wat? du kannst mî sên?“ pustet sie dreimal hastig an; und sie wird stockblind.

Da sie nun dennoch unsichtbar gewesen, ist es ihr übel ergangen. Noch jahrelang hat man sie in der Gegend des Schrangens nach der „zweiten Buddel“ jammern hören, nämlich nach der, welche sie wieder sichtbar machen sollen; und noch lange nachher sind Schinken, Eier, Würste, Pimskäse, Bröte und Butterviertel aus den Körben der Leute verschwunden; welches denn ohne Zweifel die unsichtbare Blinde gethan.


So wohnte auch oben in der Marlitzgrube im Keller eine ehrbare alte Wittwe; die hatte beim Essenkochen keine Ruhe noch Friede vor den Dingern. Zuweilen fanden sich derselben 10, oder 20 oder 30 und mehr bei ihr ein, in kleine blaue Röckchen und dreieckige Hüte gekleidet, [176] und erwiesen sich in aller Weise zudringlich, foderten sie auch beständig zum Reden auf. Absonderlich verfolgte sie ein breitkopfiges Ding und war ihr am meisten zuwider; aber es schien der Herr und Meister der übrigen zu sein; und blieb immer bis zuletzt und fragte nach ihrem Namen. Nun klagte die Frau solches zu einer Zeit ihrer Nachbarin, mit Begehr, was sie dabei machen solle. Die giebt ihr alsbald guten Rath, wie sie der Dinger ledig werden möchte. Da nun dieselben nächsten Tages wiederkommen, der Meister aber zurückbleibt und die Frau nach ihrem Namen fragt: spricht sie: sie heiße Sülfst gedân; und damit nimmt sie einen Grapen voll siedenden Wassers, und gießt ihm den über den breiten Kopf. Solchergestalt wird er erbärmlich schreien, und stürzen aus allen Ecken und Winkeln über die hundert Dinger herzu und umringen wehklagend ihren Herrn und Meister; vor allem aber begehren sie zu wissen, wer ihm das gethan, damit sie ihn rächen mögen. Er aber sagt mit brechender Stimme „Sülfst gedân,“ und verscheidet. Da schreit der ganze Schwarm: „sülfstgedân is alletit wolgedân“, und verschwindet von Stund an und ist nicht wiedergesehn.

Bemerkungen

[393] (Nur mündlich.)