Môder Dwarksch

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Môder Dwarksch
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 177–178
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[177]
90. Môder Dwarksch.

In alten Zeiten lebte in dem Keller an der Ecke des Kohlmarkts eine wohlhabende Familie; die war fromm und gottesfürchtig, außer der Frau, die aller Bosheit voll und mächtig gewesen. Diese hat endlich nur noch in ihrem großen ledernen Lehnstuhl am Ofen gesessen und Tag und Nacht die Leute gequält und durch schändliche Reden geärgert. Es half auch nicht, daß man getreue Nachbarn, gute Freunde, den Beichtvater, ja die hochweisen Herren selber dazu gerufen: es hat sie keiner in ihrem Wesen ändern mögen. Nachdem sie nun ihren Mann unter die Erde, ihre Kinder aber zur Verzweiflung gebracht, hat sie auch daran müssen, und ist dahingefahren. Als aber am Abend nach dem Begräbniß die Haut verzehrt (das Leichenmahl gehalten) wird, ist der lederne Lehnstuhl auch wieder besetzt; Môder Dwarksch ist wieder da, treibt mit Schelten und Schimpfen die Gesellschaft wie Spreu aus einander, und hat ihr Wesen vor wie nach, nur daß sie noch gelber und verschrumpfter und unheimlicher ausgesehn. Vergebens suchte man sie durch kluge Frauen, durch den Schäfer, durch den Wafenknecht, durch einen frommen Mönch zu bannen: sie saß nach wie vor in ihrem Lehnstuhl und ward nur immer galliger und âlgrammscher.

Endlich ist ein Schneider aus Pommern eingewandert, [178] der was konnte; der sprach: wofern man ihm ein gut Stück Geld verehren wollte, sei er wohl im Stande, der Sache einen Wandel zu machen. Als man ihm solches mit Freuden bewilligt, hat er der alten Here Leibgericht verkundschaftet, welches Speckpfannkuchen mit Bêslôk (Schnittlauch) gewesen; läßt alsbald deren zwölf der schönsten in der Herberge zum großen Christoffer backen und um Mitternacht auf einem neuen zinnernen Teller fertig halten. Dann versperrt er die Thür mit einem großen Hopfensack, in dessen Grund er die blanke Schüssel mit den Speckpfannkuchen setzt, und spricht seinen Spruch. Da ist Môder Dwarksch alsbald vom Lehnstuhl auf- und in den Hopfensack gefahren und über die Speckpfannkuchen hergefallen: der kluge Schneider aber schnürt den Sack zu und trägt ihn in die Grönauer Heide, wo er die Alte mit dem stärksten Zwange bannt.

Seitdem hat nun Môder Dwarksch ihr Wesen dort getrieben: den Leuten die Wege verrannt, den Sand aufgeblasen, falsche Lichter gezeigt, sie durch Nothrufe und Geheul veriert, und sich an die Wagen gehängt, daß sie nicht durchkommen mochten. Absonderlich aber hat sie alle, die Speisen bei sich geführt, verfolgt, und mit Speckpfannkuchen gar ist die Heide nicht zu passieren gewesen. Einer aber, der es um Mitternacht dennoch gewagt, ist am andern Morgen mit umgedrehtem Genick gefunden.

Bemerkungen

[393] Nur mündlich. Sie wird auch Zwarksch genannt. Ein anderer Schneidergesell soll die Kunst des Bannens erlernt, sich als Düwelsdräger zu Grönau gesetzt, und alle Unholde in einem Sack zu Pferde in die Haide gebracht haben.