Distelfink

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Distelfink
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 179–180
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[179]
91. Distelfink.

1400 war zu Lübeck ein Hausdiener oder Rothrock, der bei einem alten Burgemeister die Aufwartung hatte. Dieser Distelfink, so hieß er, hatte in früheren Jahren der Stadt um Reitersold gedient; da er aber des Schreibens und der Rechnungen wohl kundig, hatte ihn besagter Burgemeister an das Haus als Diener befördert. Aber er war so geizig, daß all sein Trachten darauf stand, wie er sich Geld und Gut erwerben möchte, und er stahl nicht allein an der Kämmerei, sondern trat für Geld auch mit der Stadt Feinden in geheime Kundschaft.

Diesen nun hatte, für ein gut Stück Geld, Herr Balthasar, Fürst zu Wenden, gewonnen, daß er ihm die Stadt verrathen sollte. Da Distelfink ihm zugesagt, verband er sich mit Barnam, Herzog zu Wolgast, der des Seefahrens überdrüssig geworden; und zogen beide mit 1600 Pferden gen Lübeck, ohne daß sie Einem Rath abgesagt. Distelfink, welcher alle geheimen Wege und Stege kannte, war ihr Führer, und so fielen sie in die Lübsche Landwehre bei Fredeborg, wo sie einen Wagen mit Rheinischem Wein fanden, den sie theils wegführten, theils austranken, und in der Trunkenheit den großen Christoffer daselbst in Brand setzten.

Dadurch nun wurden die Bürger in der Stadt Lübeck, welche sich nichts versahen, aufmerksam und zeigten’s [180] Einem Rath an. Dieser ließ stracks ausrufen: daß ein Jeder, sobald man die Glocken läutete, in seiner Rüstung fertig sein und sich auf einen bestimmten Ort verfügen sollte. Darauf erschien eine ziemliche Anzahl zu Pferde; die zu Fuß aber waren den Fürstlichen an Menge weit überlegen.

Zunächst gaben die Lübschen nun Acht auf den Ort, wo die Feinde eingebrochen; der wurde gut befestigt und mit einer starken Besatzung und großen Stücken wohl verwahrt. Sobald das geschehen, zogen sie getrost und frisch gegen die Einbrecher. Da aber die Fürsten sahen, daß sie zu lange gesäumet, auch die Lübschen im Sattel besser beschlagen fanden: wendeten sie sich zurück, und suchten das Loch wieder, durch das sie hereingekommen waren. Da wurden sie aber mit blutigen Köpfen so empfangen, daß sie wohl merken mochten, es sei ihnen verrennet; sie setzten sich also im Trab gen Ratzeburg und baten Herzog Erich um sichern Durchzug, weil sie wußten, daß er auf die Lübschen nicht wohl zu sprechen war. Der war ihnen hierin gar willig, und darüber entrannen sie, doch nicht ohne Verlust. Sogar Herzog Barnam hätte beinah den Kopf verloren.

Nicht lange danach ist der fünf Gebrüder Herzöge zu Lauenburg einer, Otto, von einem Lübschen Kaufmann erschossen, weil er ihn auf freier Straße berauben wollen.

Das sind fürstliche Thaten!

Bemerkungen

[393] (Vgl. Detmar J. 1401. Auch noch mündlich.)