Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 9

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Häfnerhaslach,
mit Mühle und Ziegelhütte.
Gemeinde III. Kl. mit 574 Einw., wor. 1 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Michaelsberg eingepfarrt. 33/4 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.

In dem tief in den Stromberg eingreifenden Krebsbachthale liegt langgestreckt an einer gut unterhaltenen Straße der hübsche Ort, von dem sich ein Theil, namentlich die Kirche, das Pfarr-, Schul- und Rathhaus, wie auch die Kelter, an dem südlichen Bergabhang hinanzieht. Die meist weiß getünchten, mit braunem Balkenwerk durchzogenen und mit Obstgärten umgebenen Häuser, an denen oft Reben hinaufranken, verleihen dem etwas abgeschieden und bergig gelegenen Ort ein recht freundliches Aussehen.

Das Schiff des erhöht stehenden einfachen, einst dem h. Remigius geweihten Kirchleins wurde 1767 erbaut, über seinem Südeingang steht: Soli Deo gloria. 1767. Dagegen ist der dreistockige mit vierseitigem Zeltdach bekrönte Thurm gothisch, steht im Osten und hat in seinem untern Geschoß ein schönes Rippenkreuzgewölbe auf Konsolen; der Schlußstein enthält einen Wappenschild mit Rose. Eine mit trefflichem Schmiedeisenwerk beschlagene Thüre führt in die alte enge tonnengewölbte Sakristei, eine ehemalige Kapelle, die noch| jetzt einen Altartisch besitzt. Im Triumphbogen der flachgedeckten Kirche hängt ein altes Krucifix. Von den zwei Glocken auf dem Thurm hat die größere, mit hübschem Spitzbogenfries verzierte, folgende Umschrift in spätgothischen Minuskeln:

sanctus iohannes. s. matheus. s. marcus. s. lucas. ulricus me fusit. amen. anno domini M.CCCC.XXXI.

Die andere: Gegossen von A. Bachert in Kochendorf. 1853.

Seele, laß die Kirchenglocken
Dich zur wahren Buße locken,
Daß der letzte Glockenschlag
Dich bereitet finden mag.

Die Unterhaltung der Kirche hat die Gemeinde. Der ummauerte Begräbnißplatz liegt außerhalb des Orts an der Straße nach Kirchbach.

Ganz in der Nähe der Kirche stehen das 1834 neu erbaute dem Staat gehörende Pfarrhaus mit Garten und Hofraum, und das ansehnliche Schulhaus mit zwei Lehrzimmern und der Wohnung des Schulmeisters, es wurde 1832 erbaut; ferner das ehemalige Schulhaus, ein einfaches hölzernes Gebäude mit einem Thürmchen auf dem First, nach Erbauung des neuen Schulhauses als Rathhaus eingerichtet, und die Kelter, woran die Jahreszahl 1592, mit zwei Bäumen. Das frühere Pfarrhaus war ursprünglich ein Beguinenhaus.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend fünf Pumpbrunnen; das beste Wasser führt der sog. Badbrunnen. Überdieß fließt der Krebsbach, weiter unten der Kirchbach genannt, zunächst am Ort vorüber; auch ein periodisch fließender Bach, der Seltenbach, fließt über die nicht quellenreiche Markung. Ein sog. Hungerbrunnen befindet sich an dem Weg nach Güglingen über den Stromberg.

Die fleißigen und sparsamen Einwohner, von denen gegenwärtig 6 über 80 Jahre alt sind, finden ihre Haupterwerbsquellen in Feldbau, Weinbau, Viehzucht, Holzmachen und Holzhandel; die Vermögensverhältnisse gehören zu den minder günstigen, dagegen sind die Mittel des Auskommens im Vergleich mit anderen Orten besser, indem der Wald vielen Verdienst bietet. Der vermöglichste Bürger besitzt 30, der sog. Mittelmann 10 und die ärmere Klasse 3 Morgen Grundeigenthum. Die Gewerbe dienen nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen; zwei Schildwirthschaften und drei Kramläden sind vorhanden. Ferner liegt eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang 1/4 Stunde unterhalb, und eine Ziegelhütte 1/2 Stunde oberhalb des Orts.

Eine Vicinalstraße führt nach Ochsenbach und weiter einerseits nach Güglingen, andererseits nach Hohenhaslach und überdieß ist in neuester Zeit zum großen Vortheil des Orts eine Vicinalstraße, die über den Stromberg auf die Maulbronn–Sternenfelser Landstraße führt,| angelegt worden. Zwei steinerne und sechs hölzerne Brücken sind über den Kirchbach angelegt und von der Gemeinde zu unterhalten.

Die ziemlich große, jedoch größtentheils mit Wald bestockte Markung hat, mit Ausnahme der Thalebene des Krebsbaches und der gegen dieselbe etwas flach auslaufenden Thalgehänge, eine sehr bergige Lage und bildet einen Theil des Strombergs. Der Boden, soweit er für den Feldbau benützt wird, ist mittelfruchtbar, theilweise sogar nur wenig ergiebig und besteht aus schwerem, naßkaltem Thon, Sand und Mergel (Zersetzungen der verschiedenen Keuperschichten). Eine Töpferthongrube und mehrere Sandgruben sind auf dem Stromberg angelegt. Das Klima ist ziemlich mild und erlaubt noch den Anbau von feineren Gewächsen, auch ist die Gegend vor rauhen Winden geschützt und wird selten von Hagelschlag heimgesucht. Frühlingsfröste und kalte Nebel stellen sich nicht selten ein.

Die Landwirthschaft ist nicht ausgedehnt und in Vergleichung mit andern Orten des Bezirks etwas zurück, was theils in dem bedeutenden Waldgeschäft, theils in dem wenig fruchtbaren Boden und der unebenen Lage der Güter begründet ist. Der Brabanterpflug ist eingeführt und zur Besserung des Bodens kommt neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln Gips und Asche in Anwendung. Man baut die gewöhnlichen Cerealien, von denen Haber und Roggen am besten gedeihen, während die Gerste sich zum Anbau nicht eignen will. Von Brach- und Handelsgewächsen baut man Kartoffeln, Angersen, Erbsen, Linsen, Futterkräuter, Mohn und Hanf für den eigenen Bedarf. Zum Verkauf in die Nachbarschaft und ins Badische kommen etwa 400 Schffl. Haber und 150 Schffl. Dinkel. Der nicht ausgedehnte Wiesenbau, dem keine Wässerung zukommt, liefert meist gutes Futter, von dem ziemlich viel nach außen verkauft wird.

Nicht von Belang ist der Weinbau, der sich hauptsächlich mit Silvanern, Rothelblingen und Drollingern beschäftigt und einen ziemlich guten Wein liefert, dessen Preise sich, in den letzten 10 Jahren von 25–50 fl. pr. Eimer bewegten. Man pflanzt 3000 Stöcke auf den Morgen und bezieht sie den Winter über. Der höchste Ertrag eines Morgens wird zu 6 Eimern angegeben. Der Wein bleibt im Ort und wird nicht nach außen abgesetzt.

Auch die Obstzucht ist nicht von Bedeutung und befriedigt kaum das örtliche Bedürfniß; man pflanzt Luiken, Palmischbirnen, Bratbirnen und Zwetschgen.

Die Gemeinde besitzt 1152 Morgen vorherrschend Laubwaldungen, die jährlich 200 Klafter und 15–16.000 St. Wellen ertragen; hievon erhält jeder Bürger etwa 100 St. Wellen, das Stammholz aber wird verkauft, was der Gemeindekasse eine jährliche Rente von 4–5000 fl. sichert. Die Weide (Brach- und Stoppelweide) wird gegenwärtig nicht verliehen.

| Die mit einem Neckarschlag sich beschäftigende Rindviehzucht befindet sich in mittelmäßigem Zustande; zur Nachzucht sind zwei Farren aufgestellt. Handel mit Vieh wird nicht getrieben.

An besonderen Stiftungen sind 270 fl. vorhanden, deren Zinse zu Almosen verwendet werden, ferner eine Stiftung von 61 fl. zur Anschaffung von Büchern für arme Schulkinder.

Über die Markung ziehen unter dem Namen „Rennweg“ zwei ehemalige Römerstraßen, und zwar die eine den Rücken des Strombergs entlang zwischen dem Zaber- und Kirchbachthal, die andere auf dem Rücken zwischen dem Kirchbach- und Metterthal. Unfern der ersteren, auf dem Schlierberg, stand eine Liebfrauenkirche. Man fand daselbst vor etwa 70 Jahren einen in Stein gehauenen Kapuziner, welchen ein Bäcker von Häfnerhaslach in die Wand seines Hauses versetzte; als er aber deßhalb den Namen Kapuziner-Bäck erhielt, so schlug er das Alterthum zusammen. Auch soll sich noch ein ausgemauerter Brunnen und ein Kellergewölbe da befinden. Nur einige Minuten oberhalb des Orts wird im Thal eine Stelle „Heimburg“ auch „Heimbürg“ genannt, was auf eine abgegangene Burg hindeutet.

Der Name des Orts, welcher als „Heffnerhaslach“ erstmals im J. 1443 vorkommt (Mone 4, 205), ist abzuleiten von der Haselnußstaude (althochdeutsch Hasel); den Zusatz „Häfner“, zum Unterschied von anderen Haslach, verdankt er seiner guten Hafenerde, welche vielen Hafnern hier ihren Unterhalt gewährte. Dem entspricht auch das Ortswappen: ein Häfelein.

Häfnerhaslach erscheint zuerst im Besitze des Klosters Frauenzimmern-Kirchbach, ohne daß jedoch über den hiesigen Erwerb des Klosters etwas näheres bekannt wäre. Den 6. Dec. 1443 vertauschte das Kloster an den Grafen Ludwig von Württemberg Steuer, Dienst- und Vogtrecht allhier (Mone 4, 205) und verkaufte an ihn um 1000 fl. das ganze Dorf mit Leuten, Gütern, Vogteien, Gerichten, Zwängen, Bännen, Freveln, Fällen u. s. w., wobei es sich nur Kirche, Kirchensatz und Widem und von jeder Hofstatt drei Tagdienste vorbehielt (St.-A., vrgl. Mone 4, 208).

Sonst ist nur Weniges über die Geschichte des Ortes zu bemerken: den 29. Sept. 1450 kaufte die Gemeinde von dem Kloster Frauenzimmern etwa 60 Morgen Wald und Zugehör in Rodbacher Markung, den Morgen um 2 Pfd. Hllr., und den 6. Dec. 1463 wurden Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und dem Kloster wegen Mühle- und Wasserrechts zu Kirchbach, der Benützung des Mühlbachs und des Rorbachs zu Wiesenwässerung und Hanf- und Flachsrösten, sowie der Reinigung des Mühlbachs entschieden. Sein genanntes Widdumgut allhier gab das Kloster noch im J. 1514 in Bestand (Mone 4, 317. 323. 334).

Zu dem Kirchbacher Thiergarten wurde in den 1730er Jahren| eine beträchtliche Anzahl auf hiesiger Markung gelegener Wiesen verwendet, der Gemeinde aber bald wieder zurückgegeben (St.-A.)

Die dem h. Remigius geweihte Pfarrkirche erscheint in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dem Kloster Frauenzimmern inkorporirt (Würdtwein Subs. dipl. 10, 345) und blieb auch bis zu dessen Aufhören in seinem Besitz; noch den 22. Okt. 1515 entschieden die geistlichen Räthe des Herzogs Ulrich von Württemberg einen Streit zwischen dem Kloster und dem hiesigen Pfarrer über dessen Kompetenz (Mone 4, 335).

Es bestand dahier ein Beguinenhaus; als Herzog Ulrich von Württemberg dieses wie einige benachbarte solche Häuser einzog, wandten sich die Verdrängten an den Bischof Philipp von Speier, dieser an den Kaiser, allein ohne Erfolg (Remling Gesch. d. Bisch. zu Speier 2, 291). Aus der Wohnung der Beguinen wurde später das Pfarrhaus. – Im J. 1509 wird ein Cunrat Daub, Meßner bei U. L. Frauen auf dem Schlierberg, aufgeführt und noch den 2. Dec. 1524 wird diese Kirche erwähnt.


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