Beschreibung des Oberamts Leutkirch/Wuchzenhofen

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22. Gemeinde Wuchzenhofen,
bestehend aus 12 (32) Parzellen auf 10 Markungen, mit 1400 katholischen Einwohnern. Dieser ausgedehnte Gemeindebezirk umschließt die Stadtmarkung Leutkirch auf der ganzen Nord- und Ost- und zur Hälfte auf der Südseite. Seine Parzellen liegen zerstreut auf den Höhen und in den| Vertiefungen der Terrainparthie, welche wir oben Seite 7 als die dritte beschrieben haben; nordwestlich senkt er sich in das Thal der Nibel oder Aitrach, welche ihn 1¼ St. lang begrenzt; seine südwestliche Ecke wird von der Eschach durchschnitten. Zwischen diesen durchfurchen der Mühl-, Neumühl-, Schorniggelbach und Floschen das im Ganzen unebene, nordwärts zu rauhen und waldigen Höhen ansteigende Gelände. Weiher finden sich nur zwei sehr unbedeutende, zwischen der Neumühle und Kesselbronn, und bei der Boschenmühle. Die Straße von Leutkirch nach Kempten zieht durch den südlichen, die Staatsstraße nach Memmingen durch den nordwestlichen Theil des Bezirks. Nur auf eine sehr kurze Strecke führt auch die Straße von Leutkirch nach Isny hindurch. Der Boden ist nicht schlecht; Feldbau, besonders Flachsbau, und Viehzucht sind die Hauptnahrungsquellen. Die Vereinödung ist größtentheils schon älter; sie datirt sich in Wuchzenhofen und Wielatzhofen aus den Jahren 1747 und 1737. Nur in Lauben und Niederhofen ging sie erst 1802–4 vor sich. Von Gewerben wird am stärksten die Leinweberei (4 Verkaufs- und 11 Lohnweber) und das Schusterhandwerk, nächst diesem das der Schreiner und Hufschmiede betrieben. Ferner bestehen 1 Eisenhammer, 4 Mahlmühlen, 1 Säg- und 1 Ölmühle, 1 Ziegelbrennerei, 5 Schildwirthschaften, 2 Bierbrauereien. In Luttolsberg wird einiger Holzhandel betrieben.

Die Verhältnisse der Bewohner gehören zu den besseren. Die Gemeinde gehörte zu den Freigemeinden auf Leutkircher Haide und theilte daher mit diesen auch ihre Geschichte, s. oben. Die Bauerngüter waren somit von jeher freies Eigenthum; nur vier Höfe und einige Güterstücke waren Österreich, einige andere Höfe und Sölden dem Stift Kempten, dem Kloster Isny (2 Höfe in Wielatzhofen, 5 Höfe in Niederhofen), und einigen Kirchenstiftungen und Privaten lehenbar.

Pfarrkirchen besitzt der Bezirk keine; außer Ottmannshofen, das nach Aichstetten eingepfarrt ist, aber eine eigene| Schule hat, und einigen Familien von Wielatzhofen, welche Filialisten von Hofs sind, gehören sämmtliche Parzellen in die katholische Stadtpfarrei Leutkirch und sind eben dorthin schulpflichtig. Die Zehenten beziehen: in Wuchzenhofen (mit Ausnahme von 13 Morgen zehentfreien Äckern), in Aderatzhofen und in Luttolsberg, der Graf Beroldingen in Ratzenried; in Allmishofen der Freiherr von Horben (als österreichisches Kunkellehen, jetzt die Parzellar-Gemeinde Allmishofen); in Baltratzhofen und Wielatzhofen die Marienkaplanei in Leutkirch; vom Eisenbrechtshof das Spital in Leutkirch (als österr. feud. ord. durch Lehensträgerei); in Lauben die Winklersche und Marienkaplanei daselbst; in Niederhofen der Fürst von Zeil-Trauchburg und die genannte Kaplanei; in Ottmannshofen die Pfarrei Aichstetten gemeinschaftlich mit der Standesherrschaft Wurzach, s. unten Altmannsspeyer, Gem. Aichstetten. Der Staat ist auf 33/8 Morgen 12,1 Ruthen Äckern in Wielatzhofen zehentberechtigt. Die Parzellen sind:

1) Wuchzenhofen, katholischer Weiler mit 172 Einwohnern nebst: a) Bauernhalden, 2 Höfe mit 19 Einwohnern; b) Boschenmühle, Mühle mit 8 Einwohnern; c) Gschwend, Hof mit 8 Einwohnern; d) Holzbauer, Hof mit 10 Einwohnern; e) Höll, 3 Höfe mit 17 Einwohnern; f) Weißweber, Hof mit 6 Einwohnern. Wuchzenhofen liegt 1 g. Stunde von Leutkirch an der Straße nach Kempten. Der Ort hat eine Filialkirche zum heil. Nikolaus, die im Jahr 1841 erneuert und sehr ansehnlich erweitert worden ist. Die Kosten trug die sehr vermögliche Kirchenpflege, welche einen Kapitalfond von 45.000 fl., Waldungen im Werth von 1600 fl. und sonstige Realitäten im Werth von 10.200 fl. besitzt, und deren jährliche Revenüen sich auf 2500 fl. belaufen.

2) Aderatzhofen (Adelhardshofen), katholischer Weiler mit 144 Einwohnern nebst: a) Bergschmied, Hof mit 7 Einwohnern; b) Hiemer, Hof mit 5 Einwohnern; c) Thann, 4 Höfe mit 21 Einwohnern. Aderatzhofen liegt zwischen Leutkirch und Wuchzenhofen an der Kempter Straße, und hat eine kleine Kapelle zur Privatandacht.

3) Allmishofen, kathol. Weiler mit 82 Einwohnern nebst: a) Groß, Hof mit 5 Einwohnern, und b) Kiechle, Hof mit 11 Einwohnern. Allmishofen liegt freundlich am östlichen Rand der| Eschachthal-Ebene, und hat eine kleine Kirche. Man vermuthet (Stälin, Württ. Gesch. I. S. 305) in diesem Ort das Alewigeshouun, wo Willehart und Waldmann im Jahr 870 ihr väterliches Erbgut an St. Gallen vergabten (Neug. Nr. 460). Im vormaligen Schwäb. Österr. Lehenhof Nr. 274 erscheint der Groß- und Klein-Zehenten von Allmishofen als ein dem Freiherrn Horben zu Rinkenberg verliehenes Kunkellehen. Nach einem Vertrag zwischen dem Kloster Stambs in Tyrol im Namen der Pfarrei Leutkirch und den Vormündern des Christ. von Horben, d. d. 20. Febr. 1528, wird der ersteren eine jährliche Fruchtabgabe gegen Überlassung des Noval- und Neugereuthzehenten zugesichert. – Die Nebenparzelle Groß liegt an der Isnyer Straße, Kiechle an dem Rauns, dem Eschacharm.

4) Baltrazhofen, kathol. Weiler mit 70 Einwohnern nebst: a) Geigers, 3 Höfe mit 20 Einwohnern; b) Glockenreute, Hof mit 6 Einwohnern; c) Waldbauer, Hof mit 10 Einwohnern. Ob das Paldrammes, welches in dem Tauschvertrag eines Waldo mit St. Gallen vom Jahre 894 vorkommt, auf Baltrazhofen (mit Stälin, S. 284) oder (mit Neug. Nr. 611) auf Waltrams an den Quellen der Argen, zu deren Gau jenes Paldrammes ohnedieß gehörte, zu beziehen sey, lassen wir dahingestellt. Im Jahr 1390 erkaufte der Magistrat in Leutkirch den halben Theil der Zehenten hier und in Wielazhofen um 44 Pf. Hr. für die Marienpfründe in Leutkirch; die andere Hälfte hatte diese Pfründe schon.

5) Eisenbrechtshof, Hof mit 4 Einwohnern, dem Hospital zu Leutkirch lehenbar.

6) Kesselbrunn, Hof mit 12 Einwohnern auf der Markung von Aderazhofen, mit einer Quelle, die man ehemals für mineralisch und heilsam hielt. Die Badeinrichtung, die in früheren Zeiten hier bestand, ist eingegangen.

7) Lauben, kath. Weiler mit 46 Einwohnern, rechts von der Landstraße nach Memmingen, mit einer kleinen Kapelle. In der Nähe befindet sich ein Eisenhammer. Lauben findet sich schon 820 genannt (Urk. bei Neug. Nr. 207) actum in loco, qui dicitur Laubia. Im Jahr 1340 kaufte „Conrad der Iter" vom Benediktiner Kloster in Bregenz 3 Höfe in Lauben um 145 Pf. Pfennig, die in Folge zu der Marienkaplanei zu Leutkirch gekommen sind.

8) Luttolsberg, kathol. Weiler mit 59 Einwohnern an der bayerischen Gränze, findet sich in zwei Urkunden des Jahrs 858 (Neug. Nr. 377. 378), indem das dortige Actum in Liutolfesperc und Actum in Liutoltesperg mit aller Wahrscheinlichkeit hieher verlegt wird (Stälin, S. 305).

9) Neumühle, kathol. Weiler mit einer Mahl-, Öl- und| Sägemühle, einem Falllehen der Öttleschen Stiftung (s. Oberzeil), mit 24 Einwohnern nebst Nonnenbühl, Hof mit 6 Einwohnern zur Markung von Aderazhofen gehörig.

10) Niederhofen, kathol. Weiler mit 198 Einwohnern nebst den Niederhofer Einöden: a) Barabaisch, Hof mit 6 Einwohnern; b) Burger, Hof mit 10 Einwohnern; c) Göser, Hof mit 9 Einwohnern; d) Menzler, Hof mit 11 Einwohnern. Niederhofen hat eine freie Lage an der Memminger Landstraße und an der Niebel, durch welche es von dem gegenüberliegenden Orte Mailand (G. Reichenhofen) geschieden wird. In neuerer Zeit ist hier eine sehr ansehnliche Ziegelei errichtet worden. – Ein Ripert von Niderhofen erscheint im Jahr 1166 unter den Gutthätern des Klosters Isny (Chron. Isn. bei Hess. S. 279).

11) Ottmannshofen, kath. Weiler mit 211 Einwohnern, in hoher rauher Lage, von waldigen Bergen umgeben. Mitten im Ort steht, etwas erhöht, die im Jahr 1832 renovirte Filialkirche zum heil. Bartholomäus, in welcher der Pfarrer zu Aichstetten in den Wintermonaten je zweimal, in den Sommermonaten je einmal Sonntagsgottesdienst zu halten hat. Der Fond dieser Kirche hat 8045 fl Kapitalien und 54 fl. jährliche Grundzinse, Gefälle u. s. w. Diese Parzellargemeinde hat ihre eigene Schule und ihren Begräbnißplatz, von welchem die Kirche umgeben ist.

12) Wielazhofen, kathol. Weiler (mit 3 Einöden und Hasenberg, 7 Einöden) mit 168 Einwohnern, nebst Schorniggel, Haus mit 15 Einwohnern. Wielazhofen liegt, zerstreut gebaut, auf und an einem ziemlich hohen Rücken zwischen dem Neumühl- und Schorniggelbach, und hat eine Kapelle zur Privatandacht. Über die hier betriebenen Bauversuche auf Braunkohlen ist oben Seite 50. Nachricht gegeben (s. auch oben Baltrazhofen.)


23. Wurzach, Stadt,
siehe unten.