Beschreibung des Oberamts Marbach/Kapitel B 24

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Steinheim[1],


Gemeinde II. Kl. mit 1071 Einw., wor. 12 Kath. a. Steinheim, Pfarrdorf mit Marktrecht, 960 Einw., b. Buchhof, Hof, 11 Einw., c. Lehrhof, Weiler, 82 Einw., d. Vorder-Birkenhof, Weiler, 18 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Ludwigsburg eingepfarrt.

An der Stelle, wo die Bottwar sich mit der Murr vereinigt, liegt 3/4 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt das ansehnliche, marktberechtigte Pfarrdorf Steinheim, das von der Südseite gesehen, wo die Murr mit ihren üppigen, uferliebenden Holzarten den Vordergrund bildet, eine recht freundliche Ansicht bietet. Der gedrängt angelegte, mit guten Straßen versehene Ort ist theils in die Murrthalebene, theils an den ziemlich steil südlich geneigten Abhang gegen dieselbe hingebaut; ein kleiner Theil des Orts liegt an dem nordwestlichen Abhange gegen das Bottwarthal und einige Häuser haben auf der Hochebene an der Straße nach Kleinbottwar eine freie Lage mit freundlicher Aussicht. Durch den Ort führt die Poststraße von Marbach über Großbottwar nach Beilstein und überdieß ist eine gute Vicinalstraße nach Rielingshausen, beziehungsweise Erdmannhausen, angelegt. Der Ort war mit einer Mauer umgeben, die größtentheils noch vorhanden ist, und hatte 4 Thore, das Ziegelthor am nordöstlichen Ende des Dorfs bei der Ziegelhütte, das Schafthor am südöstlichen Ende in der Nähe des Schafhauses, das Badthor bei der Murrbrücke und das Bottwarthor bei der Bottwarbrücke. Die Gebäude sind zum Theil ansehnlich im städtischen Styl erbaut, zu denen sich minder schöne, nicht selten kleine, ländliche Wohnungen gesellen; an manchen Häusern verkündigen noch alterthümliche, architektonisch etwas ausgeschmückte, steinerne Unterstöcke, die frühere Bedeutung des Orts.

Die Pfarrkirche und das zunächst stehende Schulhaus liegen etwas erhöht am südlichen Ende des Dorfs, ganz nahe der Murr,| und werden von dieser nur bei sehr hoch gehenden Wasserfluthen erreicht, dagegen sehr oft auf eine Weise umfluthet, daß Kirche und Schulhaus gleichsam auf einer Insel liegen, so daß man nur zu Schiff zu denselben gelangen, und nicht selten kein Gottesdienst und keine Schule gehalten werden kann. Die Kirche zum h. Veit ist dreischiffig, hat noch einige spitzbogige Eingänge und Fenster; aus den letzteren sind die Ornamente in den Bogentheilen herausgenommen worden. Der mit Strebepfeilern versehene Chor schließt mit einem halben Achteck und zeigt in seinen spitzen Fensterbögen noch Reste von frühgothischen Füllungen. Der gegen 200′ hohe, an der Nordseite stehende, vierstockige Thurm ist mit Ausnahme des obersten, 1654 erbauten Stockwerks sehr alt, und enthält im unteren Geschoß noch gepaarte Fensterchen aus der Übergangsperiode und ein Kreuzgewölbe. Er ist mit einem Zeltdach versehen, aus dem eine schlanke Laterne emporstrebt. Auf dem Thurm hängen 3 Glocken, von denen die größte folgende Inschrift trägt: Weil man vom Frieden singt, mein Schall auch besser klingt. M. Gottf. Pfaff, Pfarrer, Joh. Melchior Herold, Schulth., Christoph Trautwein, Bürgermeister, Andr. Breitscheid, Heiligenpfleger, 1698. Auf der mittleren steht: Gegossen von E. Neubert in Ludwigsburg anno 1857, auf der kleinsten: G. Neubert in Ludwigsburg anno 1817. Das geräumige Innere der Kirche ist weiß getüncht, das Mittelschiff flach, die Seitenschiffe mit Kreuzgewölben gedeckt; letztere werden auf der nördlichen Seite von runden, romanischen Säulen, auf der südlichen aber von 4eckigen Pfeilern getragen und sind durch spitze Arkaden verbunden. Den Chor überspannt ein von romanischen Säulen ausgehendes, scharfkantiges Kreuzgewölbe. Außer einem an der Wand angebrachten Wappen mit einem Pferdekopf und der Jahrszahl 1404 hat die Kirche sonst nichts bemerkenswerthes. Nach den an ihr gebliebenen architektonischen Resten stammt sie ursprünglich aus der romanischen Periode, wurde später in den frühgothischen Styl, und in neuerer Zeit styllos verändert. Die Kirche wurde im 30jähr. Kriege 1634 von den spanischen Truppen theilweise abgebrannt, aber schon 1650 wieder hergestellt und endlich an dem Reformationsfest 1817 und nach den großen Überschwemmungen in den Jahren 1819 und 1824 namhaft ausgebessert. In ersterem Jahr stiegen in Folge eines Wolkenbruchs die Hochfluthen so sehr, daß das Wasser eine Hand hoch über den Altar herlief und alle Weiberstühle umriß, auch die Kirche mit Schlamm füllte und deshalb der Gottesdienst einige Wochen in der Schule gehalten werden mußte. Die Unterhaltung steht der| Stiftungspflege zu, die jedoch wegen Mittellosigkeit von der Gemeindekasse unterstützt werden muß.

Das ansehnliche, 1790 auf Kosten des Staats erbaute Schulhaus enthält 2 Lehrzimmer, die Wohnungen des Schulmeisters und des Lehrgehilfen. Eine Industrieschule ist vorhanden.

Das ehemalige Pfarrhaus, das an die Kirchhofmauer angebaut war, ist jetzt in Privathänden; das gegenwärtige, sehr ansehnliche, 1594 erbaute steht in der Klostergasse, gegenüber dem ehemaligen Kloster; es wurde im Jahr 1782 erkauft und für seine gegenwärtige Bestimmung zweckmäßig eingerichtet. Die Unterhaltung desselben hat der Staat.

Der Begräbnißplatz liegt außerhalb (östlich) vom Ort.

An der Ecke des Marktplatzes und der Hauptstraße steht das ansehnliche, theilweise im Renaissancestyl erbaute Rathhaus mit Thürmchen und Glocke auf dem First; es enthält im untern Stockwerke rundbogige Arkaden, der übrige Theil des Gebäudes zeigt einen sehr soliden Eichenholzbau und hat noch nach alter Sitte eine Küche und einen Tanzboden. An der Treppe, die außen am Gebäude zum zweiten Stockwerk führt, steht die Jahrszahl 1765, während an der Nordseite des Gebäudes eine unter dem Ortswappen angebrachte Inschrift uns die Zeit der Erbauung des Rathhauses im Jahr 1686 angiebt.

Das Ortswappen hat im Schilde einen aufgeschichteten Steinhaufen und über demselben den Reichsapfel. Ein Armenhaus und ein Schafhaus sind vorhanden.

Oben im Dorf, in der Klostergasse, an dem Abhang gegen das Bottwarthal, stand das ehemalige Nonnenkloster Mariathal (s. u.), das im 30jährigen Kriege ein Raub der Flammen wurde. Wie großartig es war, läßt sich theils aus den Überresten, theils aus einer genauen Beschreibung im Lagerbuch von 1577 wahrnehmen, dort heißt es unter anderem: eine doppelte, gegen 30′ hohe Mauer schloß das Kloster nebst einer bedeutenden Anzahl von Äckern, Gärten, Wiesen und Gebäulichkeiten ein. Die äußere Mauer schloß sich beim Ziegelthor an den Flecken an, zog über das Bottwarthal hinüber und hatte einen Umfang von mehr als 1200 Schritten; sie deckte zugleich den Flecken, an dessen Ringmauer sie sich anschloß beinahe zur Hälfte, daher auch dieser die Pflicht hatte, sie im Bau zu unterhalten. Innerhalb der Mauer lagen 3 Morgen Gras- und Baumgärten, einige Morgen Äcker und schöne Weinberge, die Pfister-Weinberge genannt. Das Areal war mehrere 100 Schritte lang| von der Bottwar durchflossen, an der die Klostermühle mit 2 Gängen stand. Oben an dem Ziegelthor stieß die Mauer an die dem Kloster eigene Ziegelhütte; unfern derselben stand innerhalb der Ringmauer das massiv erbaute Gasthaus mit 3 Stuben, 8 Kammern und Badstuben, seitwärts auf der Mauer gegen die Klostergasse das Pfründhaus, weiter abwärts, ebenfalls auf der Mauer, des Hofmeisters alte und unterhalb desselben, auf der andern Seite des Hauptthors, des Hofmeisters neue Behausung. Über dem Haupteingang war eine Manns- und Weibsperson (Berthold von Blankenstein und dessen Gemahlin Elisabeth) in Stein gehauen, die auf ihren Händen das Kloster trugen; zur Rechten stand die Jahrszahl 1255 und die Inschrift: „das Haus, das ich begehr zu bauen, ist groß, denn groß ist unser Gott.“ Auf der linken Seite: „das Haus, das ich in deinem Namen gebauet habe, ist groß, daß du im Himmel hörest ihr Gebet.“ Links am Eingang stand das Thorhäuschen. Außerdem umschloß die äußere Mauer ein großes Gebäude mit einem Bandhaus und Fruchtböden, eine Kelter mit großem Keller, ein Geschirrhaus, zwei Scheuern, ein Gesindehaus, eine große Zehentscheuer, ein Stallgebäude, eine Wagenhütte und in der Mitte des Hofs ein Back- und Waschhaus, einen Fischteich, einen Rohr- und einen Pumpbrunnen. Innerhalb der zweiten (inneren) Ringmauer lag das Kloster; es bildete mit der Kirche, dem Siechenhaus und dem Beichthaus ein großes Viereck und enthielt im untern Stockwerk 5 Stuben, etliche Nebengemächer und eine Küche, im mittleren Stock waren 55 Zellen und im Dachgeschoß Kornböden. Der Kreuzgang schloß ein starkes Viertel Garten ein. So war dieß Kloster wie eine eigene Stadt von einer doppelten Mauer eingeschlossen, mit fließendem Wasser, Fischteichen, Brunnen, Gärten, Wiesen, Äckern, Weinbergen und den nöthigen Gebäulichkeiten innerhalb seines umfriedigten Bezirks, kurz mit allem versehen, was zu einem angenehmen Unterhalt diente. Außerhalb der Mauer besaß es auf der Ortsmarkung 11 Morgen Weinberge, 210 Morgen Wiesen, 567 Morgen Äcker, 250 Morgen Waldungen und überdieß noch 3000 Morgen Waldungen bei Jux und Spiegelberg. Neben vielen Zehnten, Gefällen, der Fischerei, des Zolls etc. gehörte dem Kloster noch der Lehrhof u. a. (siehe auch unten.)

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Im Jahr 1643 nahm der französische General Guebriant sein Hauptquartier im Kloster, bei dessen Abzug ließ nach der Sage ein schwedischer Reiter das Wachfeuer in der Klosterkirche fortbrennen; das Feuer verbreitete sich und alle innerhalb der Mauer liegende| Gebäude wurden mit dem Kloster und der herrlichen Kirche am 14. Jan. d. J. ein Raub der Flammen. Hoher Schutt füllte nun die Räume und die Stelle, auf der einst das Kloster stand, wurde allmählig in einen Garten umgewandelt. Indessen führte Herzog Eberhard III. auf den Grundmauern einzelner abgebrannter Gebäude wieder neue auf, namentlich die Wohnung des Hofmeisters, die untere und die obere Kelter, einige Scheunen etc. Aber auch diese erhielten sich nur theilweise und wurden entweder ganz abgebrochen oder verändert. Um den Gartenanlagen, die in dem Raum des Klosters immer mehr ausgedehnt wurden, mehr Licht und Wärme, auch der Beamtenwohnung eine freiere Aussicht zu verschaffen, wurden die Ruinen vollends abgebrochen und bis zum Jahr 1796 standen noch die stattlichen Mauern der großen Klosterkirche bis unter den Giebel. Die Mauern stehen jetzt nur noch als Umfriedigung des im inneren Raum der ehemaligen Kirche angelegten Gartens.

Ungeachtet der vielen Veränderungen zeugen doch noch die letzten Überreste von der Großartigkeit des abgegangenen Klosters; die innere Umfassungsmauer ist beinahe noch ganz erhalten und schließt neben schönen Gartenanlagen, Baum- und Gemüsegärten, Hofräumen etc. die ehemalige Wohnung des Hofmeisters mit dem daran stoßenden Fruchtkasten, jetzt zur Wohnung des Besitzers eingerichtet, die ehemalige Zehentscheuer, die Kelter mit 3 Bäumen und einer Schnellpresse und einige Ökonomiegebäude ein; an einem der letztern steht über dem spitzbogigen Eingang die Jahrszahl 1549. In der Nähe der abgegangenen Kirche ist in die Umfassungsmauer ein Stein eingemauert, der noch Schriftzeichen aus der frühromanischen Periode enthält und einer älteren Zeit als das Kloster selbst anzugehören scheint. Auch die äußere Umfriedigungsmauer ist größtentheils noch sichtbar, übrigens meist, bis auf einige Fuß über der Oberfläche, abgetragen. Die Gebäude und das umfriedigte Klostergut sind nun mit Ausnahme der Gemeindekelter im Besitz eines Privatmanns, welcher das Gut umsichtig und rationell bewirthschaftet.

Noch ist des in Privathände übergegangenen ehemaligen Schlößchens, das Rath Mütschelin 1624 erbaute, zu erwähnen; es ist in der Nähe des Klosters gelegen und zeichnet sich nur noch durch seinen massiven Bau und einen im Renaissancestyl gehaltenen Eingang aus.

Der sog. deutsche Hof in der Marktstraße war die Wohnung des deutschen, vom Kaiser eingesetzten Vogts.

Vortreffliches Trinkwasser liefern 3 laufende und mehrere| Pumpbrunnen. Von den laufenden Brunnen ist der 4röhrige Marktbrunnen vor dem Rathhause der bedeutendste; er erhält sein Wasser mittelst einer 1/4 Stunden langen Wasserleitung, die von der Anhöhe gegen Marbach unter der Murr hindurch mit namhaften Kosten angelegt ist. Den beiden anderen Brunnen, dem obern und dem Klosterbrunnen im Klosterhof, wird ihr Wasser aus der Gegend von Kleinbottwar zugeleitet. Über den Klosterbrunnen ist ein besonderer Vertrag mit dem Gutsherrn von Kleinbottwar geschlossen, nach welchem das übrige Wasser aus der Brunnenstube zur Wässerung der dortigen Wiesen benützt werden darf. Ein Pumpbrunnen in den südwestlich vom Ort gelegenen Gärten liefert schwefelhaltiges Wasser. Auch bestand früher eine Badstube im Ort mit einer besonders guten Quelle, die aber längst verschüttet ist.

Auf der Feldmarkung, namentlich im sog. Riedfeld, bestehen mehrere Quellen, und einige periodisch fließende Brunnen, sog. Hungerbrunnen, kommen in der Richtung gegen Rielingshausen vor.

Die Murr und die Bottwar, beide aus bergigen Waldgegenden kommend, treten bei Schneeabgängen oder starken Regengüssen öfters sehr schnell aus und überschwemmen nicht nur die ganze Thalebene, sondern auch den untern Theil des Orts bis an die Hauptstraße. Im Jahr 1741 waren die Überschwemmungen so häufig, daß den 25. Juni eine eigene Wasserfluth-Predigt gehalten wurde, derer ungeachtet den 22. September die Murr wieder so heftig austrat, daß sie nicht nur den Jahrmarkt verdarb, sondern sogar die Krämerstände mit fort nahm. Damals wurde auch das sog. Fleckenschiff angeschafft, das nun immer für solche Fälle bereit liegt; ein weiteres schaffte man im Jahr 1825 an. Mit diesen Schiffen und Flößen fährt man bei Überschwemmungen in den Straßen herum und Reisende werden, so lange das Wasser nicht allzu reißend ist, von einem Ende des Orts bis zum andern zu Schiffe geführt. Besonders hoch giengen noch die Fluthen in den Jahren 1757, 1819, 1824 und 1851. Im allgemeinen ist die Gefahr der Überschwemmungen seit dem Jahr 1825 mittelst Anlegung eines Kanals, der die Gewässer der Bottwar schneller abführt, vermindert worden.

An der Südseite des Orts führt über die Murr eine auf drei steinernen Pfeilern ruhende Brücke, deren Oberbau nur zur Hälfte aus Stein aufgeführt, während die andere Hälfte, welche 1819 die Hochgewässer wegnahmen, aus Holz ergänzt wurde; auch im Jahr 1824 wurde dieser Theil abermals weggerissen und im Jahr 1858 ist ein steinerner Pfeiler mit neuer Holzüberlage hergestellt worden, was| 2600 fl. kostete. Über die Bottwar ist am nordwestlichen Ende des Orts eine steinerne Brücke geführt; überdieß bestehen noch 5 hölzerne und eine steinerne Brücke über den Odenbach, den Otterbach, die Bottwar und den Sulzbach. Sie stehen sämtlich in der Unterhaltung der Gemeinde.

Die Fischerei in der Murr und in der Bottwar ist nicht von Bedeutung und beschränkt sich auf die gewöhnlichen Fischgattungen; Krebse liefert der Otterbach und die Murr. Das Fischrecht, welches dem Staat und der unteren Mühle gehört, ist verpachtet.

Im Ort setzt die Murr eine Mühle mit 3 Mahlgängen, einem Gerbgang, einem Koppgang und einer Hanfreibe, die Bottwar eine Sägmühle mit Hanfreibe, Öl- und Gipsmühle in Bewegung.

Die Einwohner haben im allgemeinen weder körperliche Vorzüge noch Gebrechen und der Gesundheitszustand ist befriedigend; die häufigsten Krankheiten sind Fieber, auch herrscht namentlich unter den Kindern eine größere Sterblichkeit als in den umliegenden Orten. Der Grund davon mag darin liegen, daß der Ort hauptsächlich dem Südwestwind zugänglich ist, sodann die häufigen Überschwemmungen, wobei das Wasser nicht nur in die Straßen und Häuser eindringt und mit Schlamm erfüllt, sondern auch im Murrthal große, schädlich ausdünstende Pfützen zurückläßt. Die Vermögensumstände gehören zu den mittelmäßigen; der vermöglichste Bürger (Eigenthümer des Klosterhofs) besitzt 105 Morgen, der sog. Mittelmann 10 Morgen und die unbemittelte Klasse 1/2 Morgen. Obgleich die Güterzerstückelung im allgemeinen ziemlich bedeutend ist, so sind doch einzelne Güterbesitzer im Ort, die Parzellen bis zu 30 Morgen haben. Der Staat besitzt auf der Markung 202 Morgen, die zum ehemaligen Klostergut gehörten und nun an Ortsbürger verpachtet sind. Die Hauptnahrungsquellen bestehen in Feldbau, Weinbau und Viehzucht; die Gewerbe sind verhältnißmäßig mehr vertreten als in den meisten Orten des Bezirks, namentlich ist die Zahl der Weber beträchtlich. Ein Seifensieder betreibt sein Geschäft schwunghaft mit namhaftem Verschluß nach Außen, auch arbeiten 4 Möbelschreiner mit beinahe ausschließlichem Absatz nach Außen. Außer den nöthigen Handwerkern sind noch 10 Wirthschaften und 10 Branntweinbrennereien vorhanden.

In St. ist nach der Mitte des 15. Jahrh. geboren Jakob Lemp, Professor der Theologie in Tübingen, als welcher er – einer der letzten Stützen der scholastischen Theologie und Philosophie – sich Ansehen erwarb, gest. den 2. April 1532.

| Die ziemlich große Markung ist mit Ausnahme der Abhänge gegen das Murrthal und mehrerer Seitenthäler desselben mäßig eben und hat im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der vorherrschend aus Lehm besteht und theilweise in die Zersetzungen des Keupermergels übergeht. An den Gehängen ist der Boden warm und kalkreich (Verwitterung des Hauptmuschelkalks). Den ergiebigsten Boden hat die Zelg „Bottwar“, den undankbarsten die „Zelg“ Ziegelhaus“.

Ganz nahe (südöstlich) beim Ort liefert ein Lettenkohlensandsteinbruch gute Bau- und Werksteine, überdieß sind einige Muschelkalkbrüche vorhanden.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung verbesserter Ackergeräthe (Brabanterpflug, Sämaschine, eiserne Egge und Walze) gut und fleißig betrieben; außer dem gewöhnlichen Stalldünger und der Jauche, welche in zweckmäßig angelegten Düngerstätten sorgfältig gesammelt werden, kommt auch noch Gips und zuweilen Guano zur Besserung des Bodens in Anwendung.

Im Dreifeldersystem, mit stark angeblümter Brache, baut man die gewöhnlichen Getreidearten und Brachgewächse; unter letzteren neben den allgemein üblichen auch Zuckerrüben, Reps, Mohn, Welschkorn, Hanf und Flachs. Bei einer Aussaat von 7 Sri. Dinkel, 4 Sri. Haber, 3 Sri. Roggen, 3 Sri. Gerste, 3 Sri. Weizen und 20 Sri. Kartoffeln wird die Ernte zu 8–10 Scheff. Dinkel, 6–7 Scheff. Haber, 5 Scheff. Roggen, 5 Scheff. Gerste, 4 Scheff. Weizen und 80 Scheff. Kartoffeln vom Morgen angegeben. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich gegenwärtig von 300–800 fl. Über den eigenen Verbrauch können jährlich gegen 800 Scheff. Getreidefrüchte nach Außen abgesetzt werden.

Die in den Thalebenen gelegenen Wiesen, von denen etwa 50 Morgen bewässert werden können, sind im allgemeinen gut und haben nur von den ziemlich häufigen Überschwemmungen der Murr und der Bottwar zu leiden; sie sind zweimähdig, einzelne auch dreimähdig und liefern 50–60 Centner Futter vom Morgen. Die Preise eines Morgens bewegen sich von 400–800 fl.

Der ziemlich ausgedehnte Weinbau wird meist an südlichen Abhängen in der gewöhnlichen Bauweise getrieben; die Reben werden bezogen und der Morgen mit 3200 Stöcken, meist Drollinger, Silvaner, Elblinge, Gutedel und Rißlinge, bepflanzt. Der erzeugte Wein, namentlich in den besseren Lagen, den Steinbergen, den Burgbergen und Teufel, ist gut, lagerhaft und findet seinen Absatz theils| in die Umgegend, theils in das Oberland. Der höchste Ertrag eines Morgens beträgt 8 Eimer und die höchsten Preise eines Eimers waren in den Jahren 1857 48 fl., 1858 40 fl., 1859 51 fl., 1860 26 fl., 1861 64 fl., 1862 56 fl. 30 kr., 1863 55 fl., 1864 45 fl., 1865 90 fl.; die Preise von den Rißling- und Traminerweinen sind stets namhaft höher. Die Preise eines Morgens Weinberg steigern sich von 450–1000 fl.

Die sehr ausgedehnte, stets im Zunehmen begriffene Obstzucht beschäftigt sich vorzugsweise mit Mostsorten (Luiken, Backäpfel, Rosenäpfel, Knausbirnen, Wolfsbirnen, Bratbirnen, Palmischbirnen etc.); von Steinobst ist es hauptsächlich die Zwetschge, welche häufig gezogen und deren Ertrag größtentheils gebrannt wird. Das Kernobst wird gemostet und in günstigen Jahren theilweise nach Außen verkauft.

Der Waldbesitz besteht aus 319 Morgen Antheil am Hardtwald und 179 Morgen Gemeindewaldungen; sie sind meist mit verschiedenen Laubhölzern gut bestockt und von ihrem Ertrag erhält jeder Bürger alle 2 Jahre 50 Stück Wellen. Das Oberholz und die Rinde wird verkauft, was der Gemeindekasse eine durchschnittliche Rente von 2500 fl. sichert.

An den steilen Bergabhängen sind etwa 60 Morgen Weiden vorhanden, die nebst der Brach- und Stoppelweide um 500 fl. jährlich verpachtet sind; die Pferchnutzung trägt gegenwärtig der Gemeinde 500 fl. ein.

Die Pferdezucht ist unbedeutend, dagegen die Rindviehzucht namhaft und in gutem Zustande; sie beschäftigt sich vorherrschend mit einem tüchtigen Neckarschlag und wird durch 4 Farren, welche der Besitzer des ehemaligen Klosterguts zu halten verpflichtet ist, nachgezüchtet. Vieh, zum Theil auch gemästetes, wird im Ort und auf benachbarten Märkten verkauft.

Ein Schafweidepächter läßt auf der Markung im Vorsommer 300 Stück, im Nachsommer 600 St. Bastardschafe laufen, die theilweise im Ort Überwinterung finden. Der Verkauf der Wolle und der Abstoß der Schafe geschieht auf den Schaf- und Wollmärkten in Heilbronn und Kirchheim.

Die Schweinezucht ist nicht sehr bedeutend (10 Mutterschweine), dagegen werden um so mehr Ferkel von hallischer und halbenglischer Race aufgekauft und theils für den Hausbedarf, theils zum Verkauf gemästet.

Von Bedeutung ist die Geflügelzucht und es wird ein lebhafter| Handel mit Hühnern, Gänsen, Enten und Eiern auf den Wochenmärkten in Ludwigsburg und Marbach getrieben.

Ziegen werden von ärmeren Familien der Milch wegen gehalten.

Die Bienenzucht ist von keinem Belang.

Der Ort hat das Recht den 2. Februar, 7. Juni, 21. September einen Vieh- und Krämermarkt, je Tags zuvor einen Holzmarkt und den 11. April einen Holzmarkt abzuhalten. Auf diesen viel besuchten, Verkehr bringenden Märkten wird sehr lebhaft, namentlich in Holzwaren aller Art, gehandelt.

Durch den Ort lief die Römerstraße von Bietigheim nach Murrhardt und im Ort selbst wurde zwischen dem Rathhaus und dem Brunnen ein römischer Denkstein aufgefunden (s. hier. den Absch. Alterthümer). Nahe beim Ort auf der linken Seite der Murr kommt der Flurname „Steinhäuser“ vor; man findet daselbst Gebäudeschutt, Backsteine etc., was einen hier abgegangenen röm. Wohnplatz vermuthen läßt.

Bei dem Forsthof liegen 2 altgermanische Grabhügel.

Auf dem sog. „Schlößlesberg“ unfern des Lehrhofs stand die ursprüngliche Burg des Herrn von Steinheim, welche ohne Zweifel bald verlassen, und hiefür eine neue Burg auf dem 1/4 Stunde südöstlich vom Ort gelegenen Burgberg erbaut wurde (Urkunden vom Jahr 1260 sprechen von einer neuen Burg). Beide Burgen sind mit Ausnahme der Burggräben und einiger Fundamente beinahe spurlos verschwunden.

Der längst abgegangene Ort Sigebotesbuch stand unfern des Lehrhofs und der abgegangene Ort Kaisersberg wohl auf dem gleichnamigen Berge im Hardtwald 1/4 Stunde nordöstlich vom Lehrhof.

Nordöstlich vom Ort im Bottwar-Thal kommt die Flurbenennung „Kappelenswiesen“ vor, was auf eine abgegangene Kapelle hindeutet.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Der Buchhof, welcher im Jahr 1862 erbaut wurde und etwa 1/2 Stunde südöstlich vom Ort liegt.

c. Lehrhof (alt Löhern), ein freundlicher, meist von vermöglichen Bauern bewohnter Weiler, der 1/2 Stunde nordöstlich vom Mutterort eine angenehme, jedoch etwas rauhe Lage hat. Mehrere Pumpbrunnen liefern hinreichend gutes Trinkwasser.

d. Vorder-Birkenhof, Weiler, liegt hoch, mit schöner freier Aussicht 1/4 Stunde nordöstlich vom Lehrhof, unfern des Hardtwaldes.| Brunnen sind keine vorhanden, dagegen am Abhange des Ottenbach-Thals einige gute Quellen.

Die Bewohner sämtlicher Parzellen gehören in die Kirche und Schule nach Steinheim.

In Steinheim erhielt Güter das Kl. Lorsch bereits im J. 832 (Cod. Laur. Nr. 3512).

Im J. 978 erscheint der Ort unter denjenigen, welche das Hochstift Speier ertauschte (s. Marbach). Der Ortsadel trug seine Güter zu Lehen ursprünglich von den Grafen von Calw-Löwenstein, darauf, beziehungsweise noch daneben von den Grafen von Württemberg-Grüningen. Seine Stammburg, welche auf dem Burgberg östlich von Steinheim lag, wird im J. 1269 bereits als zerstört erwähnt. Glieder der Familie waren Erlewin von Steinheim, um 1120 auf der Dingstätte zu Ingersheim Zeuge bei Graf Adalbert von Calw (Cod. Hirs. 31b). Etwas später kommen vor Witgowo und Ruding (eb. 49a. 69a). Der Mannsstamm dieses Geschlechtes erlosch im Anfang des 13. Jahrhunderts mit Albert, dessen Erbtochter Elisabeth in ihrer ersten Ehe Gerung von Heinrieth, in zweiter Berthold von Blankenstein zum Gemahl hatte, aber kinderlos blieb.

Ums J. 1250 entschloß sich diese mit ihrem zweiten Gemahl aus ihrem Hausgut ein Nonnenkloster (sofort Dominicanerinnenkloster) zu gründen, zu welchem Behuf Berthold persönlich in Lyon bei P. Innocenz IV. am 4. April 1251 die Erlaubniß einholte, die Kirche in Steinheim, von welcher jedoch für einen ständigen Ortsvikar der nöthige Unterhalt ausgeschieden werden sollte, der werdenden Stiftung einzuverleiben. Die Grafen von Sulz hatten auch Ansprüche an diese Kirche gehabt, sich aber derselben schon im J. 1235 begeben. Berthold und Elisabeth begabten das Kloster unter anderem mit dem Orte Jux, dem halben Zehnten in St. und setzten durch ihre Freigebigkeit solches in den Stand, einen hiesigen Hof, den Freihof dem Markgrafen Rudolf von Baden abzukaufen. Das stiftende Paar wies große Räume an zur Errichtung der Gebäude und zur Anlegung von Gärten, Fischteichen, Mühlen, Wirthschaften, erlaubte ungehinderte Anlage von Steinbrüchen und Wasserleitungen und verhieß in den Kirchhof keine Besatzung zu legen, außer in Kriegszeiten (1255). So lange beide leben würden, sollte das Kloster keinen andern Vogt wählen und nach ihrem Ableben von jeder Vogtabgabe frei sein; gegenüber den Grafen Gottfried von Löwenstein und Hartmann von Grüningen verschrieb sich 1269 Elisabeth als Wittwe, nicht zum Nachtheil| derselben an einen andern Herrn solche Vogtei zu verkaufen oder zu versetzen.

Als Theilhaber an der Lehensoberherrlichkeit über den betreffenden Grund und Boden gab Graf Hartmann von Grüningen am 24. März 1257 seine Zustimmung. Der Bischof Heinrich von Speier bestätigte am 31. Dezember 1255 die Stiftung und nahm sie in seinen Schutz. Letzteres thaten auch P. Urban IV. am 13. Okt. 1261, indem er zugleich das Kloster in den Dominicaner- (Prediger-) Orden aufnahm, und in umfassender Weise P. Benedikt IX. am 27. Febr. 1304. Indem Elisabeth all ihren Besitz dem Kloster zuwenden wollte, hatte sie im J. 1269 den Oberlehensherren, Grafen Gottfried von Löwenstein und Hartmann von Grüningen, einen bedeutenden Abtrag zusichern müssen, nämlich die Hälfte desselben. Dagegen wurden die Ansprüche, welche Konrad von Heinrieth auf die Kirche machte, 1270 abgewiesen.

Das Klostergut in und um Steinheim ist oben erwähnt; sonstige Klosterbesitzungen an Zinsen, Gülten, Zehntantheilen, einzelnen Weinbergen etc., waren zerstreut in den jetzigen Oberämtern Marbach, Backnang (hier Rietenau mit Patronatrecht 1262 dem Kl. Hirschau abgekauft, s. auch Besold Virg. 237), Heilbronn, Besigheim, Canstatt (im 13. Jahrhundert Patronatrecht zu der Ufkirche in Canstatt), Eßlingen.

Das Klosterwappen war eine Weltkugel mit einem Kreuz und unter ihr ein eingeschlossener Steinhaufen.

Bei der Reformation mehrerer schwäbischen Dominicanerinnenklöster in der letzten katholischen Zeit waren es Dominicanerinnen vom Kloster zu Unterlinden von Colmar, welche im J. 1478 die neue Klosterzucht einführten (Sattler, Grafen 4. Beil. S. 158, Scholl 24).

Die Vogtei über das Dorf Steinheim, über Sigebotesbuch (abgegangen, lag am Schlößchensberg) und Löhern (heutzutage Lehrhof) besaß um 1270 der Graf Konrad von Vaihingen unter bischöflich würzburgischer Oberherrlichkeit, trat sie jedoch 1271 für 200 Pf. H. an das erstarkende Kloster ab und dieses – um für sich überhaupt den Vortheil der Reichsunmittelbarkeit zu sichern – übertrug sie schenkweise dem K. Adolf und dessen Nachfolgern im Reiche. Genannter König versprach dagegen am 25. Juni 1294 das Kloster selbst mit allen Anlagen und Steuern zu verschonen und sich mit den Abgaben zu begnügen, welche er als Vogt von den Einwohnern von Steinheim wie von andern Reichsstädtern zu erheben habe. Indem| er den Flecken mit Mauer und Graben umschließen werde[2], wolle er das Kloster miteinschließen lassen, wobei jedoch jeder demselben erwachsende Schaden von der Allmand ersetzt werden würde. Die Vogtei über den Ort St. sollte vom Reiche nie verkauft, nicht einmal verpfändet werden. Seine Nachfolger trotz vielfach wiederholten Bestätigungen dieser Urkunde banden sich freilich nicht an letzteres Versprechen; nicht einmal das Kloster selbst blieb von Verpfändung verschont.

K. Karl IV. versetzte solches an die Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg; es wurde jedoch am 31. Mai 1361 wieder ausgelöst (Besold Docum. 41). Bald darauf erscheint das Dorf St. und die Vogtei daselbst vorübergehend in pfandschaftlichem Besitze Schwiggers von Greifenstein.

Dorf Steinheim war auf der besten Fährte gewesen, sich zu einer bleibenden Reichsstadt emporzuarbeiten, wie es denn im Jahr 1370 gleich anderen schwäbischen Reichsstädten in einem schwäbischen Landfrieden erscheint (Forschungen zur deutschen Geschichte 2, 127). Gegenüber der Ungunst, welche es von Seiten des deutschen Kaiser erfuhr, und gegenüber den Freiheiten des eifersüchtigen Klosters, mit welchem ein durch Schiedsrichter festgesetzter Vertragsbrief vom 20. Juni 1369 seine Verhältnisse regelte (Scholl 183), mußte es zurückstehen und Marktflecken bleiben[3].

Durch K. Sigmund kam das Eigenthum der Ortsvogtei dauernd vom Reich hinweg, jedoch vorbehältlich der Lehensoberherrlichkeit des letzteren. Dieser König belehnte am 12. Sept. 1422 Albrechten von Hohenlohe wegen seiner getreuen Dienste mit dem Gut St., welches jährlich 20 Pf. Heller Bete gab, mit dem dortigen Zolle, der Vogtei, dem Gericht und allen Nutzungen (Hanselmann 1, 490). Von Hohenlohe wurde solcher Besitz als Afterlehen verliehen zunächst an Andreas von Weiler. Dietrich von Weiler verkaufte denselben mit lehensherrlicher Zustimmung Krafts von Hohenlohe 1451 für 500 fl. rh. an Georg von Nippenburg, dieser 1457 an das hiesige Kloster. Letzteres nahm sofort Petern Nothaft zum Träger, auf welchen die Herren von Liebenstein in dieser Eigenschaft folgten.

| Im Reformationszeitalter griff Württemberg bei dem Kloster zu. Im Jahr 1553 begann Herzog Christoph seine Reformationsversuche; er schickte einige Räthe hin und begehrte von Priorin und Konvent, sie sollten ihn als Kastvogt, Schutz- und Schirmherrn anerkennen, ließ auch das Kloster und den Ort militärisch besetzen. Die Nonnen, da sie nirgendsher, auch von Hohenlohe nicht, Hilfe bekamen und immer stärker bedrängt wurden, mußten sich unterwerfen und den Herzog als ihren Schutz- und Landesherrn anerkennen. Im J. 1556 wurde auch bei ihnen die neue Klosterordnung durchgesetzt und am 31. August d. J. sangen sie ihr letztes Complet und Salve. Jetzt erst schritten die Grafen von Hohenlohe ein und verlangten, daß der Herzog von seinen Eingriffen in ihre und des Klosters Rechte ablasse, und der Herzog fand daher am räthlichsten, von ihnen das Eigenthum des Dorfes St. und ihre Rechte an dem Kloster zu erwerben. Er that dies am 31. Juli 1563 im Tausch gegen die Pfarrkollatur zu Orendelsall u. a. (Sattler, Herz. 4, 199, Scheffer 117).

Am 19. Juli 1564 erschienen die württemb. Räthe in St., um die Huldigung einzunehmen; da aber die Bewohner dieselbe verweigerten, wurde der Ort am 27. Juli abermals militärisch besetzt und die Huldigung konnte nur durch die schärfsten Maßregeln und Drohungen erzwungen werden. Die Nonnen ließ man im Kloster, wo die letzte von ihnen, Walpurgis, noch 1580 lebte. Durch den Vergleich vom 16. Jan. 1566, den bis 1806 gültigen Freiheitsbrief der Steinheimer (Scholl 83. 190), wurden die Verhältnisse des Orts unter Württembergischer Herrschaft dauernd fest bestimmt.

Nach Erscheinung des Restitutions-Edikts von 1629 bekam auch St. wieder katholische Nonnen, die aber bei Annäherung der Schweden entflohen, worauf den 20. Jan. 1632 Württemberg das Kloster von neuem besetzen ließ. Als im Sept. 1634 die Kaiserlichen den Ort plünderten und halb in Asche legten, blieb das Kloster unversehrt, sank dagegen 1643 in Asche (s. ob.). Nach Beendigung des dreißigjährigen Kriegs, durch dessen Drangsale die Familienzahl von 250 auf 50 herabsank, ließ Herzog Eberhard III. die Hofmeisterswohnung mit etlichen Wirthschaftsgebäuden an dessen Stelle aufführen.

Schweres Unglück über St. kam im sog. Orleans’schen Kriege von 1693. Sieben und dreißig Häuser (der am Berge hinaufgebaute Theil des Fleckens), welche im 30jährigen Kriege verschont geblieben waren, dabei das Schlößchen, wurden gänzlich niedergebrannt, alle ausgeplündert.

In Landbüchern des vorigen Jahrhunderts erscheint St. als ein| „zur fürstlichen Rentkammer gehöriger Marktflecken, welcher zwar zur Landschaft nicht collectabel, sondern jährlich zur fürstlichen Landschreiberei eine pactirte Steuer zu geben hat, dagegen dennoch zur Marbacher Jurisdiction verbunden und dem Vogtamt mit allem Gebot und Verbot unterworfen ist.“

In katholischen Zeiten waren allhier eine Pfarrei und zwei Frühmessereien. Der Pfarrsatz kam mit dem Kloster Steinheim an Württemberg. Die Kirche hatte früher einen großen Sprengel, von welchem 1456 Röhrach, Fürstenhof und Wüstenbach, 1499 Klein-Bottwar abgetrennt wurden. Die jetzige Pfarrkirche wurde, als die Klosterkirche die Hauptkirche ward, zur Frühmeßkirche; nach dem Abbruch der Klosterkirche ist sie wieder die Pfarrkirche.


  1. F. A. Scholl, Pfarrer zu Steinheim, Geschichte und Topographie des Marktfleckens und ehemaligen Frauenklosters Steinheim an der Murr. Ludwigsburg 1826. 8. Urkunden bei Besold Virginum sacrarum monim. 365–422.
  2. Hieran wurde noch später gebaut. Am 21. April 1365 überließ K. Karl IV. Steinheim die Reichssteuer bis auf Widerrufen, um solche zum Bau der Mauern, Thürme und Graben zu verwenden.
  3. Stadt heißt übrigens der Ort je zuweilen, z. B. 1369. 1508. Scholl 183. 189.
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