Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel B 4

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4. Dettingen,
in ältern Urkunden auch Tettingen, Thätingen, kath. Pfarrdorf mit 778 Einw., an der Landstraße von Rottenburg nach Hechingen, von ersterem 5/4 St. entfernt, am Fuße einer Steige, in einem angenehmen kleinen Thale, an dem Katzenbach, | über welchen eine steinerne Brücke in dem Dorfe führt und 1 Ölmühle. Die Häuser liegen zerstreut in der Ebene, auf dem Berge und an Abhängen. Den großen Zehnten bezieht zum größten Theil der Staat (für 114 Sch. Dinkel, 30 Sch. Haber, 32 Sch. Gerste und 1 Fdr. Stroh auf 9 Jahre verpachtet), vormals hälftig die Commende Hemmendorf, und hälftig die Kaplaney zum h. Kreuz am Chorstift zu Ehingen, nur von 15 M. die Pfarrey; den kleinen, Heu- und Öhmdzehnten bezieht die Pfarrey, zum Theil auch die Herrschaft, den Weinzehnten fast ganz eben diese. Es wird viel Heu und Öhmd aus dem Orte verkauft. Der Ort wird häufig vom Hagel betroffen, und ist deswegen weniger wohlhabend, da auch wenig Gewerb getrieben wird. Der Chor der Kirche dürfte seiner Bauart nach aus dem eilften Jahrhundert seyn, die Kirche selbst erst aus dem 15ten, am Thurme ist in gothischen Zahlen 1441 eingehauen. Im J. 1275 gaben Albert Heinrich und Volkart von Ow ihre Einwilligung, daß Gertrud, ihre Schwester, dem Kloster Bebenhausen ihre Güter zu Tettingen vermachen darf. Graf Rudolph von Hohenberg verkauft 1319 den Fronhof und den Kirchensatz an Graf Herrmann von Hohenberg, St. Johann. Ordens-Ritter zu Hemmendorf um und gegen die Veste und das Dorf Rorowe. Dieterich Mörhild, Junker zu Wurmlingen, hat 1323 seinen Layenzehnten zu Dettingen, nächst dem Schloß Alt Rottenburg gelegen, an den Kreuzaltar zu Ehingen übergeben. 1377 verkauft nebst anderem Volkart von Ow seine eigenen Leute an Graf Rudolph von Hohenberg; Wolf von Ow verkauft 1419 alle seine eigene Leut zu Thöttingen an seines Bruders Söhne, Hans und Conrad von Ow. Auch bestand hier eine Kaplaney oder Frühmesse, und das Frühmeßhäusle wurde von Ferdinand von Muckenthal, Commandeur zu Hemmendorf, im J. 1608 an Conrad Straub um 160 fl. verkauft. Die Commandeurs von Hemmendorf sahen sich als wirkliche Pfarrer, den Pfarrer nur als ihren Vikar an. Nach Aufhebung der Commanderie ging das Patronatrecht an den | Landesfürsten über, so wie die Verpflichtung des Kirchen- und Pfarrhof-Baues. Es gab auch ein altes Rittergeschlecht, das sich von unserm Dettingen schrieb. 1327 verkaufte Peter von Dettingen all sein Gut, so er hatte zwischen Rottenburg der Stadt, und Dettingen dem Dorf, welches unter der Burg zu Rottenburg (nun Weilerburg) gelegen war, an Benzen von Wildberg, einen Bürger zu Rottenburg. Die Ritter von Dettingen kommen auch im Seelbuch der Karmeliter zu Rottenburg vor. Es soll auch hier eine Burg, Schloßberg genannt, gestanden seyn, welche im Bauernkriege gebrochen worden seyn soll. 1599 kaufte Martin Stöcklin zu Dettingen von Junker Jerg von Ow den Fronhof daselbst. Der Name Dettingen, den unser Ort mit so vielen gemein hat, dürfte von dem alten Worte Thaidigen, Thätigen, Gericht halten, herkommen, und meist auf eine Gerichtsstätte hinweisen. In Dettingen, nahe an der Kirche, war in früheren Zeiten ein Beguinenkloster; zur Zeit der Reformation kam es in Zerfall, und 1542 wurden die Gefälle, so wie eine alte, noch übrige Schwester an das Klösterchen zu Sülchen bey Rottenburg übergeben. Etwa 3/4 St. von Dettingen aufwärts des Katzenbacherthales, zeigt sich ein freyer Platz an einer sehr sonnigen Halde. Hier stund in alter Zeit ein Bruderhaus. Im J. 1488 wurde der Altar der dasigen Kapelle mit Indulgentien von Otto, Bischof von Constanz, neuerdings beschenkt. Bey einbrechender Reformation haben sich, nach einer alten Chronik, die Brüder theils geflüchtet, theils verehelicht, und das Bruderhaus wurde verlassen. Im J. 1526 bat ein Bruder, Alexander Hirrlinger, der sich mit einer Schwester von Sülchen verehelicht hatte, um Herausgabe seines eingebrachten Vermögens, welches ihm auch gegen einen Revers, nichts mehr am Klostervermögen nachzufordern, zurückerstattet worden. Noch finden sich Grundmauern vor. Dem Thälchen gegenüber ist oben im Wald eine Fläche, die Mönchsäcker benennt. Die Gegend ist wahrhaft | einsiedlerisch, und man fühlt sich in dieser Abgeschiedenheit schwärmerisch angesprochen.



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