Beschreibung des Oberamts Schorndorf/Kapitel B 12

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Hegenlohe,
Gemeinde III. Kl. mit 360 Einw.; Ev. Pfarrei mit dem Filial Thomashardt (s. u.).


Das Pfarrdorf Hegenlohe, früher Hegenlow, „Hägenlau“, und so noch jetzt im Munde des Volkes, liegt auf der Höhe des Schlichtenwaldes, 21/2 St. südwestlich von Schorndorf, an der Grenze des O.A. Göppingen, an einem westlichen Abhange gegen das Reichenbacher Thal. Der Ort ist von Südwest bis Nordwest offen, von Norden, Nordost und Osten aber durch den etwas höher liegenden Theil der Markung geschützt.

Den großen und kleinen Zehenten beziehen je etwa hälftig der Staat und die Ortspfarrei, der Heuzehenten ist abgelöst. An den übrigen dem Staate ausschließlich zustehenden Grundrechten sind 33 fl. 19 kr. Geld- und 25 Sch. 51/2 S. Fruchtgefälle und 8 fl. 54 kr. Jagdfrohnen für 2329 fl. 55 kr. abgelöst, so daß er nur noch für seinen Zehentantheil 55 fl. 15 kr. und 18 Sch. 2 S. Frucht zu erheben hat.

Das Dörfchen, nächst Schlichten das kleinste des Oberamtes, mit 50 Haupt- und 17 Neben-Gebäuden, hätte, da diese beinahe alle in Obst- und Gras-Gärten zerstreut liegen, ein freundliches Aussehen, wenn die Gebäude nicht so gar ärmlich wären. An demselben führt die Straße nach Kirchheim vorüber. Vergleiche übrigens das über die Waldorte oben S. 108 ff. Gesagte.

Die mitten im Orte an einer Anhöhe gelegene Kirche zum h. Kreuz, der Sage nach ehemals eine Wallfahrtskirche, gehört der Bauart nach zwei Perioden an: und zwar scheint der mit einem halben Achteck schließende, mit Strebepfeilern versehene Chor, welcher spitzbogige Fenster ohne Füllungen hat, älter zu seyn als das Langhaus. Zwischen Chor und Langhaus steht seltsamer Weise der viereckige, mit einem Zeltdach gedeckte Thurm. Im Innern der Kirche befindet sich ein gothisch gehaltenes Wandkästchen mit der Jahreszahl 1479 gotische Jahreszahl.png (1479). Das Pfarrhaus wurde 1844 massiv von Sandsteinen neu gebaut, und gewährt eine weite Fernsicht. Die Schule ist im Rathhaus untergebracht. Eine Viertelstunde vom Ort in dem nach Reichenbach ausmündenden Thälchen steht eine Mahlmühle, die Bannmühle, und weiter unten eine Ölmühle, beide schwach betrieben. Sommers muß das Trinkwasser oft in einiger Entfernung vom Dorfe geholt werden. Die Markung begreift 363/8 M. Gärten, 2623/8 M. Äcker und 2156/8 M. Wiesen; an Baufeld kommen| daher etwa 14/10 M. auf den Kopf. (Im J. 1702 zählte Hegenlohe nur 15 Bürger, 1774 – 198, 1781 – 285, 1815 – 266 Einwohner.) Der Nahrungsstand ist schlecht. Hier und in Thomashardt liegen die Äcker ziemlich eben auf dem höchsten Theile der Markung, unter denselben an den sanften Abhängen ziehen sich die Wiesen hin, welche meistens auf den Wald stoßen, der die steileren Abhänge bekleidet. Ein M. Ackers kostet 200–500 fl., Wiesen 100–500 fl. Die Gemeinde hat eine kleine Baumschule. Weiden sind weder hier noch in Thomashardt; Hegenlohe duldet auch die Winterschafweide nicht mehr, wohl aber, da die Gemeindepflege ärmer ist, Thomashardt.

Das Gemeindevermögen besteht in 129 M. Grundeigenthum und 4257 fl. verzinslichen und 2347 fl. unverzinslichen Forderungen; die Gemeindeschadensumlage ist 200 fl.; die mit dem Pfarr-Filial Thomashardt, das eine eigene politische Gemeinde bildet, gemeinschaftliche Stiftungspflege besitzt nur 2 M. und 941 fl. Capitalien. Das Kirchen-Patronat ist landesherrlich. An der Schule, die 102 fl. Schulstiftungen und 33 fl. Schulfonds hat, steht ein Schulmeister. Der auch für Thomashardt bestimmte Begräbnißplatz liegt bei der Kirche.

Die älteste Form des Namens ist Haginilo (von Hagan, Dorn und lôh, Hain, Gebüsch); der Ort wird bereits in den Jahren 1173,[1] 1178, 1189 genannt unter den Gütern von St. Blasien (Dümge, Reg. Bad. 54, 55, 148), welches Kloster mit hiesigem Pfarrsatz und Gütern seine Propstei Nellingen bewidemte. Im J. 1649 Sept, 20. ertauschte Herzog Eberhard III. von Kl. St. Blasien genannte Propstei, worunter sich auch die in der Mühle und 7 Lehen bestandenen grundherrlichen Rechte des Ortes, jedoch ohne Vogtei über dieselben, die Württemberg zuvor schon besaß, befanden. Die letztere scheint, wenigstens theilweise, den Herzogen von Teck gehört zu haben. Denn Mechtild von Härtnitzweiler verkaufte 1317 ein hiesiges Gut an St. Blasien, mit Gunst und Willen des Herzogs Conrad von Teck und 1290 finden wir den teck’schen Dienstmann Hochschliz und 1362 Simon von Kirchheim, gleichfalls teck’schen Dienstmann, im Besitze der Vogtei. Im J. 1457 aber sind die von Holdermann in ihrem Besitze, wo sie solche an die Grafen von Württemberg, als Rechtsnachfolger der Herzoge von Teck, ihrem Lehensherrn, zurückgaben. Hegenlohe, das bis dahin mit Thomashardt politisch verbunden war, bildet seit 29. Sept. 1825 eine eigene Gemeinde. Es gehörte einst zum Schlichter Waldgerichte.

| Die Pfarrei ist von höherem Alter und wurde frühzeitig reformirt, da Württemberg schon vor Erwerbung der Grundherrlichkeit dieselbe mit Zustimmung St. Blasiens besetzte. Die Zehentrechte des Staats rühren vom Kl. Adelberg her.

Im J. 1500 spricht ein Lagerbuch von Äckern zu Ritzenweiler, wahrscheinlich einem schon damals abgegangenen Orte.


  1. Vielleicht schon 1143, wenn Hegeloch, welches unter den Widemsgütern von Kl. Anhausen vorkommt (Besold 331) auf dieses Hegenloh gedeutet werden darf.


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