Beschreibung des Oberamts Sulz/Kapitel B 12

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Fürnsaal,

Gemeinde III. Klasse mit 275 Einw. wor. 2 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Leinstetten eingepfarrt.

Der nicht große, uneben angelegte, jedoch freundliche, ziemlich reinlich gehaltene Ort liegt 21/2 Stunden westlich von der Oberamtsstadt| an einem Bergabhange gegen das Dirnenbachthal. Nahe am Ort beginnt das in das Bettenhauser Thal eingehende Erdenthal. Nordöstlich vom Ort erhebt sich frei der Bettenberg, von dem man eine ausgedehnte Fernsicht an die Alp und über den Schwarzwald genießt.

Die Gebäude sind meist stattliche Bauernhäuser (Wohnung und Scheune unter einem Dache), welche auf den Wetterseiten verschindelt und theilweise auch mit Schindeln gedeckt sind.

An der Ostseite des Dorfs steht frei die Pfarrkirche, welche an der Stelle der früheren, im Jahr 1628 erbauten, im Jahr 1836 im modernen Rundbogenstyl neu erbaut wurde; auf der vorderen Giebelseite sitzt ein mit Blech beschlagenes Thürmchen, das neben der Uhr drei Glocken enthält, die in den Jahren 1846 und 1850 von Bernhard Kaltenmoser in Horb gegossen wurden. Das Innere der Kirche ist freundlich, hell und flach gedeckt. Die Unterhaltung derselben liegt der Stiftungspflege ob.

Vor die Kirche sind zwei Linden gepflanzt worden, wie überhaupt im Ort selbst mehrere schönwüchsige Linden stehen.

Das nahe der Kirche gelegene ansehnliche Pfarrhaus, welches der Staat zu bauen und zu unterhalten hat, wurde im Jahr 1838 bis 1839 neu aus Stein aufgebaut und befindet sich in gutem baulichen Zustande; ein kleines steinernes Öconomiegebäude ist in einiger Entfernung vom Pfarrhause ebenfalls erbaut worden.

Der außerhalb (südöstlich) des Orts gelegene, ummauerte Begräbnißplatz wurde 1841 erweitert.

Das ansehnliche, geräumige Schulhaus enthält außer den Schulzimmern auch die Wohnung des Schulmeisters und ein Gelaß für den Gemeinderath. An der Schule ist nur ein Schulmeister angestellt. Ein Gemeinde-Backhaus, ein Waschhaus und ein Armenhaus sind vorhanden.

Ein sehr reichhaltiger vierröhriger Brunnen im unteren Theil des Orts und ein reichlicher Pumpbrunnen im oberen Dorf liefern hinreichendes gutes Trinkwasser; der Ablauf des vierröhrigen Brunnens wird zur Wässerung der Dorfwiesen benützt. Außerhalb des Orts befinden sich mehrere Quellen, von denen der sog. waidliche Brunnen in der Nähe des Orts und der Brunnen bei der Sägmühle die bedeutendsten sind.

Eine periodisch fließende Quelle (Hungerbrunnen) entsteht in nassen Jahrgängen im sog. Grund gegen Bettenhausen.

Die im Allgemeinen körperlich kräftigen Einwohner sind geordnet| und sehr fleißig in Feld und Wald; sie theilen sich in eigentliche Bauern und Taglöhner. Die Bauern besitzen zum Theil ein schönes Vermögen an Waldungen, Felder und auch Kapitalien und zwar die Begütertsten 120 Morgen Felder und 60–70 Mrg. Waldungen, die Mittelbegüterten 30–40 Mrg. Felder und 4–6 Morgen Wald und die Taglöhner 5–12 Morgen Felder.

Die Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Viehzucht und besonders der Ertrag aus den Waldungen; die ärmere Klasse findet vielen Verdienst bei der Flößerei und durch Arbeiten in den Waldungen. Es werden jährlich nicht nur etwa 160 Scheffel Dinkel und 150 Schffl. Haber, sondern auch für 4–5000 fl. Holz nach Außen verkauft; überdieß sichert der Handel mit Rindvieh, Pferden und gemästeten Schweinen den Einwohnern eine namhafte Einnahme. Das Holz wird meist in dem Heimbach und in der Glatt dem Neckar zugeflößt und auf diesem in das Unterland, zum Theil bis nach Mannheim gebracht.

Von den Gewerben sind nur eine Schildwirthschaft, ein Krämer und eine im Heimbachthale gelegene, gut eingerichtete Sägmühle zu nennen.

Die nicht große Markung ist, soweit sie für den Ackerbau benützt wird, ziemlich eben, während die Gehänge gegen die Thäler des Dirnenbachs und des Heimbachs meist hoch und steil sind und beinahe durchgängig dem Wiesen- und Waldbau dienen. Der bei reichlicher Düngung im Allgemeinen fruchtbare Boden besteht auf der Anhöhe aus den Zersetzungen des Hauptmuschelkalks, der theils mit fruchtbarem Diluviallehm bedeckt ist, theils in geringer Tiefe ansteht, und in unzähligen Bruchstücken dem Ackerboden beigemengt ist. An den Abhängen erscheinen die Verwitterungen der Zellenkalke und der Wellendolomite, die einen gelb lehmigen, minder fruchtbaren Boden liefern; an dem Fuß der Gehänge geht häufig der bunte Sandstein noch zu Tage, der einen für die Holzkultur tauglichen Boden zur Folge hat.

Auf der Markung kommt nicht selten Grunderz dem Lehm beigemengt vor.

Die Luft ist etwas scharf, übrigens gesund; schädliche Frühlingsfröste und Hagelschlag kommen selten vor.

Bei einer dreizelglichen Flureintheilung wird die Landwirthschaft unter Anwendung des Suppinger Pflugs sehr fleißig betrieben; man baut die gewöhnlichen Cerealien und in der zu 1/3 angeblümten Brache Kartoffeln, viel Futterkräuter, Wicken, etwas Ackerbohnen, Erbsen, Angersen, Reps etc.; in eigenen Ländern auch theilweise in| der Brache kommt Kraut, wenig Flachs und viel Hanf zum Anbau, letztere für den eigenen Verbrauch. Bei einer Aussaat von 8–9 Sri. Dinkel, 5 Sri. Gerste, 4 Sri. Roggen und 5–6 Sri. Haber beträgt der mittlere Ertrag eines Morgens 6–7 Schffl. Dinkel, 3 Sch. Gerste, 3–4 Schffl. Roggen und 5 Schffl. Haber. Der erzeugte Dinkel ist schwer, mehlreich und wird von den Bäckern gesucht. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 20–500 fl. und die eines Morgens Wiese von 50–700 fl.

Der Wiesenbau ist ziemlich ausgedehnt und liefert im Durchschnitt von dem Morgen 20–25 Ctr. Heu und 10–12 Ctr. Öhmd; die Wiesen, von denen 2/3 bewässert werden können, sind 2–3mähdig und das erzeugte Futter ist mit wenigen Ausnahmen gut und nahrhaft.

Die Obstzucht wird nur in den um das Dorf gelegenen Baumgärten gepflegt; sie beschäftigt sich hauptsächlich mit Mostsorten und Zwetschgen, welch’ letztere theils gedörrt, theils gebrannt werden.

Die Zucht der Pferde wird verhältnißmäßig ziemlich stark betrieben; man sieht hauptsächlich auf einen kräftigen, dauerhaften Landschlag und bedient sich zur Nachzucht desselben, theils der starken im Ort vorhandenen Hengste, theils werden die Stuten auf die Beschälplatte nach Sulz gebracht. Die aufgezogenen Pferde kommen meist ins Badische zum Verkauf.

Der aus einer Landrace bestehende Rindviehstand ist gut und erlaubt einen namhaften Absatz nach Außen. Zur Nachzucht ist ein Farre aufgestellt, den ein Bürger gegen 33 fl. jährlich und der Nutzniesung von 2 Morgen Wiesen hält. Das Jungvieh kommt im Herbst noch auf die Weide.

Auf der Markung läßt ein fremder Schäfer 150–200 Stück deutsche Schafe laufen und bezahlt hiefür der Gemeindekasse ein jährliches Pachtgeld von 200–300 fl.; die Pferchnutzung trägt etwa 80 fl. ein.

Eigentliche Schweinezucht besteht nicht, dagegen werden viele Ferkel aus dem Badischen und Rheinbayerischen aufgekauft und theils für den eigenen Bedarf, theils für den Verkauf gemästet.

Ziegen werden der Milch wegen, von den Unbemittelten für den Hausbedarf, von den Vermöglichen für die Schweinemastung, sehr viele gehalten.

Die Zucht des Geflügels und der Bienen wird nur für den eigenen Bedarf getrieben.

Die unbedeutende Fischerei beschränkt sich auf Forellen in dem| Heimbach; überdieß kommen in demselben, wie auch in dem Dirnenbach Weißfische, Grundeln und Krebse vor. Das Fischrecht hat theils die Gemeinde Sterneck, theils die Gutsherrschaft in Leinstetten.

Vicinalstraßen nach Dornhan, Bettenhausen, Sterneck und Gundelshausen sichern dem Ort den Verkehr mit der Umgegend.

Die Gemeinde besitzt etwa 80 Morgen Waldungen, deren jährlicher, in 45 Klaftern bestehender Ertrag verkauft und zu Gemeindezwecken verwendet wird. Die vorhandenen Allmanden sind an die Bürger vertheilt, von denen jeder 1/8 Mrg. unentgeldlich zu benützen hat.

Über die Markung zieht die unter der Benennung „Heerweg“, von Dornhan herkommende Römerstraße.

Im unteren Theil des Orts wird eine Stelle „bei der alten Kirche“ genannt; daselbst soll früher die Kirche gestanden seyn.

Allhier (bei „Virnsul“) beschenkte Friedrich von Schwalldorf um 1110 mit einer halben Hube das Kl. Hirschau (Cod. Hirsaug. 35a). Ein Waltherus de Firnsul erscheint 1288 als Zeuge Eberweins Schultheißen von Dornstetten[1].

Der Ort gehörte zur altwürttembergischen Lehensherrschaft Sterneck (s. Brandeck) und neben den von Brandeck hatten auch die von Leinstetten und die von Lichtenfels hiesige Besitzungen; in letzterer Familie verkaufte Vollmar von L. hiesige Leibeigene, welche er von den von Brandeck als Pfand überkommen, am 15. Juni 1418 an Albrecht von Neuneck. Durch Kauf und Tausch kam der Ort 1749 von Graf Christian August von Attembs vollends an das herzogliche Haus.

Die Kirche wurde 1612 von Unterbrändi, welches jetzt Filial ist (s. d.), hieher verlegt.


  1. Schreibweisen des 16. Jahrh. sind Viernsail, Firnsail, Fiernsail.
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