Beschreibung des Oberamts Waldsee/Kapitel BS3

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel BS2 Beschreibung des Oberamts Waldsee Kapitel BS4 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
3. Gemeinde Otterswang,
474 Einw.
  • 1) Otterswang, ein kathol. Pfarrdorf mit 196 Einw., 3 St. nordwestlich von Waldsee an der Landstraße, C. A. Waldsee, F. A. Ochsenhausen. Den großen und kleinen Zehenten bezieht die Standesherrschaft. Patron ist dieselbe. Die Grundlasten des Gemeindebezirks betragen 2260 fl. in Geld, und 135 fl. in Natural-Gefällen, wovon der Fürst von Thurn und Taxis 135 fl., das Übrige beinahe ganz die Standesherrschaft zu beziehen hat. O. liegt am Abhange oberhalb Aulendorf, an der Landstraße von Altshausen nach Biberach, und wird von einem kleinen Mühlbache bewässert. Das Klima ist freundlich und mild, der Boden auf den Höhen fruchtbar, in der Tiefe auf dem Riede der Schussen aber| sumpfig und minder ergiebig. Die Güter sind alle im Falllehen-Verband der Grundherrschaft, mit Ausnahme von 3 kleinen Gütern, welche dem Heiligen zu Otterswang gehören, und den Gemeindetrieb-Plätzen, welche unter die Real-Gemeinderechts-Besitzer vertheilt sind. Es hat eine Kirche, ein Pfarrhaus und eine Schule, eine Schildwirthschaft und eine Mühle. Die Baulast an Kirche und dem Pfarrhaus hat die Grundherrschaft. Die erstere wurde auf Kosten des Klosters Schussenried 1770 in modernem Styl, das Pfarrhaus 1710 neu gebaut. Der Pfarr- und Schulsprengel ist mit der Gemeinde gleich, nachdem im Jahr 1815 3 Höfe von Laimbach aus der Pfarrei Schussenried eingepfarrt worden sind. Die Gemeinde hat Antheil an der Armen- und Leprosenpflege und an der Herzog’schen Stiftung zu Schussenried. Die Pfarrei wurde 1423 dem Kloster Schussenried einverleibt und von diesem durch beständige Vikarien versehen. Nach Aufhebung des Klosters wurde dieselbe 1803 von der Standesherrschaft neu und gut dotirt und mit einem selbstständigen Geistlichen besetzt. Der Ort soll früher in südöstlicher Richtung näher bei der Schussen gelegen haben. Noch jetzt stößt man dort auf Schutt und altes Gemäuer, selbst auf Reste einer Kirche und gemaltes Gemäuer. Er ist sehr alt und kommt schon 680–690 vor, siehe S. 69. Er hatte eigene Edelleute, welche theils hier, theils und vorzüglich zu Burg ihren Sitz hatten. 813 soll ein Adelbert de Oceleswanc mit Vollziehung der Stiftung des Klosters St. Georg auf dem Schwarzwald beauftragt gewesen seyn.[1] Allein die ganze Geschichte dieser Stiftung ist unrichtig. Sicher ist folgendes: 1138 verkauft Radepert von O. dem Kloster Petershausen um 12 M. S. sein Gut zu Boos (Bozze).[2] 1140 unterschreibt Radepertus de Otholseswanc mit Andern eine Urkunde Herzogs Welf von Spoleto.[3] Manegoldus de Otolseswanc schenkt 1172 dem Kloster Weissenau ein Gut zu Hallendorf (Aulendorf). Vergl.| auch Aulendorf. Mangold starb, wie es scheint, ohne männliche Erben zu hinterlassen. Seine Güter, wozu wahrscheinlich auch Wolfegg gehörte, siehe oben, kamen theils an seine Tochter, Gattin eines Grafen von Aichelberg, theils an die Schenken von Winterstetten. Letztere erhielten namentlich die Burg O. mit dem größern Theil des Orts. Wie nach dem Erlöschen des Winterstettischen Mannsstammes dessen Güter an die von Schmalnegg gekommen und wie sich durch Theilung unter den Söhnen des 1243 verstorbenen Schenken Conrads von Schmalnegg ein neues Geschlecht der „Schenken von Otterswang“ bildete, dessen Stifter Hermann war, ist schon bei Winterstetten S. 186, 187 erzählt. Hermanns Erbe, Ulrich, „Schenk von W. gesessen zu Otterswang“, verkauft mit seinen Söhnen Ulrich und Hermann 1339 das Dorf Reichenbach an das Kloster Schussenried; von den beiden Letztern werden 1362 ihre Güter und Rechte im Heistergau (Heisterkirch) an das Kloster Roth, und von Herrmann allein mit seinem Sohne gleichen Namens 1365 Steinhausen an das Kloster Schussenried, von dem obengenannten Hermann d. j. endlich 1380 auch Otterswang mit Kirchensatz und allem Zugehör als Constanzisches Lehen an Heinr. von Emerkingen verkauft. Letzterer verkaufte Otterswang gleich 1381 wieder an Sophie von Stubenberg, geb. von Röttenstein, deren Kinder dann 1420 die Vestin zu O., das Ziegelhaus dabei, das Dorf O., auch die 7 dazu gehörigen Weiher, sammt aller Gerechtigkeit, 1 Hof zu Fünfhäusern, 2 zu Atzenberg, 1 Hof zu Sandfeld, 1 zu Horwe, die Vogtei zu Opferbach mit andern Gütern an das Kloster Schussenried verkauften, nachdem sie die Besitzung von dem Stift Constanz vorher dadurch eigen gemacht hatten, daß sie dafür ihren Antheil an der Veste und dem Dorf Hausen und alle Güter, welche sie von Eberhard von Hausen geerbt hatten, zu Lehen einsetzten. Der obige Hermann, der Verkäufer von Otterswang, war, wie es scheint, der letzte der Schenken von Otterswang. Eine Elsbeth, Schenkin von Otterswang, welche 1381 das Schloß Pflegelberg verkaufte, werden wir bei Tettnang kennen lernen.| Die sehr feste Burg der von O. soll in dem Dorfe selbst gestanden haben, eine zweite Burg stand außerhalb des Dorfes, aufwärts. Auf dieser hatten die Veser, vermuthlich Otterswangische Vasallen, deren auch schon bei Klein-Winnenden gedacht ist, ihren Sitz; siehe unten Burg. Diese Veser hatten auch 3 Höfe zu O. als Lehen von den Otterswang und nachher den Grafen von Aichelberg inne; sie verkauften dieselben 1379 an das Kloster Schussenried. – Wie der Ort O. zu verschiedenen Zeiten von Kriegsereignissen betroffen worden, ist schon vorn berührt.
  • 2) Atzenberg, Unter-Atzenberg, zur Unterscheidung von O. A. [4], ein kath. Hof mit 9 E., auf der Anhöhe zwischen Otterswang und Aulendorf, Filial von O. Den großen und kleinen Zehenten bezieht die gräfl. Grundherrschaft, mit Ausnahme von 241/2 Jauchert Äckern, wo ihn die Kirchenpflege Aulendorf hat. A., ehemals auch Dürr-Atzenberg genannt, besteht aus zwei Lehengütern, welche mit Otterswang an Schussenried kamen. Ein Kais. Lehenbrief vom 5. Mai 1744 belehnt das Kloster mit dem Forst- und Jagdbezirk Atzenberg. Vergl. S. 6 und 23.
  • 3) Burg, ein k. W. mit 35 Einw.; Zehent- und andere Verhältnisse wie bei 1. An dem südlichen Ende auf einem Hügel stand ehedem die oben erwähnte Burg oder Veste Otterswang. Ruinen hievon sind noch vorhanden, das Gemäuer ist so fest, daß die jetzigen Besitzer, welche Steine davon verwenden wollten, davon abstanden. Daneben soll ein Streitthurm gestanden haben. Der Weiler besteht aus 3 Lehengütern, welche erst nach der Erwerbung der Burg durch das Kloster 1420 entstanden zu seyn scheinen.
  • 4) Fünfhäuser, ein k. W. mit 29 Einw., mit denselben Verhältnissen wie O. Das Kloster Schussenried kaufte 1420 mit Otterswang einen Hof daselbst, nachdem es schon 1338 die Vogtei und 1380 Theile davon erworben hatte.
  • 5) Hopfenbach, früher auch Opfenbach, Ophirbach, Opherbach, ein k. W. mit 149 Einw., mit einer kleinen Capelle, ohne öffentlichen Gottesdienst. Zehent- und andere| Verhältnisse wie bei 1. Der Ort besteht aus 11 Lehengütern, wovon 2 dem Fürsten von Thurn und Taxis und 9 der Grundherrschaft angehören. Schon mit der Stiftung des Klosters Schussenried 1183 kamen einzelne Theile von H. an das Kloster von den Herren von Schussenried. Die übrigen, welche in den Händen der Schenken von Winterstetten und Otterswang waren, kamen theils durch Kauf, theils durch Schenkung an dasselbe von 1236 bis 1420.
    Noch im 13ten Jahrhundert, vielleicht noch später, lag zwischen Hopfenbach und Reichenbach der kleine Weiler Neubronn, der aus 3 Höfen bestand, welche wahrscheinlich in der Folge nach Hopfenbach gezogen wurden.
  • 6) Laimbach, ein k. W. mit 42 Einw. Zehent- und andere Verhältnisse wie bei 1. Das Kloster Schussenried erwarb den Ort 1341, 1363 und 1471 durch Kauf, Schenkung und Tausch.
  • 7) Schwaigfurt, ein Hof und Mühle mit Säg- und Ölmühle und Hanfreibe, nebst einer Haus-Capelle, mit 14 k. Einw., an der Straße von Buchau nach Waldsee. Heinrich, Conrad und Hermann, die Schenken von Winterstetten, schenken 1263 dem Gotteshaus Schussenried die Mühle zu Horwe 1/4 St. nordöstlich entfernt. Der Abt Vinzenz ließ diese Mühle eingehen und errichtete dafür 1680 die Mühlen zu Schw. Sie brannten 1696, 1708 und 1796 ab, letztmals durch das Feuer der Österreicher auf die hinter derselben aufgestellten Franzosen bei dem Rückzuge Moreaus. Bei dem Hofe liegt der große Schwaigfurt-Weiher, siehe S. 17. Im Übrigen wie bei 1.


  1. Gerbert, Hist. syl. nigr. I. p. 129.
  2. Ussermann, Prodr. Chron. Peterhus. p. 371.
  3. Gerbert, C. D. s. nigr. T. III. p. 75. nr. 49.
  4. korrigiert gem. Berichtigungen auf S. 228