Beschreibung des Oberamts Waldsee/Kapitel BW11

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11. Gemeinde Schweinhausen,
409 Einw.
  • 1) Schweinhausen, ein k. Pfarrdorf mit 218 Einw., 4 St. östlich von Waldsee, C. A. Waldsee, F. A. Ochsenhausen. Den großen und kleinen Zehenten bezieht der Staat, Obst- und Heuzehenten werden nicht gereicht; das Patronat ist königlich. Die Grundlasten des Gemeindebezirks betragen 592 fl. in Geld und 914 fl. in Naturalien; den größten Theil davon bezieht der Fürst, den Rest die Capellenpflege Biberach, die Kirchenpflegen zu Altheim, Schweinhausen, Essendorf, der Fürst von Thurn und Taxis u. a.

    Der Ort mit seinen hiernach benannten Parzellen wurde mit dem Namen „Herrschaft Schweinhausen“ bezeichnet und gehörte mit dieser zur Grafschaft Waldsee. Er liegt an der Landstraße von Waldsee nach Biberach, in der Nähe der Riß, frei und offen, hat ein neu gebautes Pfarrhaus, eine Schule, eine Schildwirthschaft nebst Brauerei, einige Fruchthändler und guten Ackerbau. Von den Gütern, die mit Ausnahme eines einzigen alle im Lehenverband stehen, hat die Capellenpflege Biberach 3, die Stiftungspflege Schweinhausen 1, die zu Altheim, Oberamts Ehingen 1, und die zu U.-Essendorf 1, die übrigen gehören der Grundherrschaft. Die Gemeindegründe,| worunter ziemliche Waldungen sich befinden, sind in dem Besitz der Gemeinderechts-Besitzer. Die Baulast an der Kirche hat der Staat, an Pfarr- und Schulhaus aber die Gemeinde. Zu Bestreitung der Cultkosten werden vom Staat jährlich 60 fl. bezahlt. Die Pfarrkirche scheint sehr alt zu seyn und ist ganz massiv gebaut. Filiale davon sind: Appendorf, Berg und Wettenberg. Ehemals war Schw. selbst mit diesen Orten Filial von Ummendorf, 1805 erhielt es eine Pfarrcaplanei, die von der Mutterkirche aus versehen wurde, 1807 wurde dieselbe zur selbstständigen Pfarrei gemacht. Der Kirchensatz gehörte dem Kloster Ochsenhausen. Auf dem südöstlich an Schweinhausen angrenzenden Berge, in der Nähe von der Parzelle Berg, befand sich die Burg oder Veste Schweinhausen. Ein auf der höchsten Spitze des sogenannten Bergtobelholzes sichtbarer Wallgraben, welcher Platz noch den Namen „Burg“ führt, bezeichnet die Stelle, wo dieselbe stand. Der Weg dahin ist sehr steil, die Aussicht aber weit und anziehend. Die Burg wurde mit einer Capelle abgebrochen, als der Truchseß Heinrich das Schloß Heinrichsburg baute. Sie war der Sitz der Herren von Schweinhausen. Von ihnen erwarb sie mit Zugehör K. Friedrich I. und überließ sie mit andern Gütern 1168 seinen Söhnen.[1] Als K. Philipp mit seiner Gemahlin Irene Italien verließ, brachte er diese auf die Burg Schw. in Sicherheit, wie ein gleichzeitiger Schriftsteller, Konrad von Ursperg, berichtet. Von K. Philipp oder durch einen spätern Hohenstaufen kamen Burg und Herrschaft Schw. an die Herren von Waldsee; diese veräußerten sie mit ihren übrigen Besitzungen 1331 an die Herzoge von Österreich (siehe Waldsee), welche sie aber bald wieder verpfändeten. 1376 waren, wie es scheint, die von Schellenberg im Besitze.[2]| 1420 wurde sie von Herzog Friedrich an Conrad Söfler verpfändet und 1438 löste sie Berchtold von Stein mit andern Gütern von Buppelin v. Ellerbach ein. 1461 wurde der erwähnte Berchtold von Stein von Herzog Albrecht von Österreich und, 1478 Sigmund von Neideck von Herzog Sigmund damit belehnt und 1520 kam sie – wie Eberhardszell – in demselben Kaufbriefe an die Truchseßen von Waldburg von den Töchtern Victors v. Neideck. Seither bildete sie einen Theil der vormaligen Grafschaft Waldsee. Ein Hof daselbst wurde 1424 dem Haus Brandenburg von Biberach von Herzog Friedrich zu Lehen gegeben und 1445 erhielt solchen Hans Schad von da von Herzog Albrecht. Die Herrschaft war Allodium, bildete einen Theil der reichsständischen Besitzungen und war zum Reiche und dem schwäbischen Kreise steuerbar. Wie die Herrschaft von dem Lehensverbande befreit worden, ist schon bei Eberhardszell erzählt.
  • 2) Appendorf, ein k. W. mit 45 Einw., an der Straße nach Biberach und an der Riß, welche daselbst eine Mühle treibt und worüber eine steinerne Brücke führt, früher Filial von Ingoldingen, seit 1808 von Schweinhausen. Den großen und kleinen Zehenten bezieht der Staat von Sanct Georgen her. Die Capellenpflege zu Biberach und die Kirchenfabrik zu Almentingen besitzen hier je ein Schupflehen, die übrigen gehören der Standesherrschaft. Als General Moreau auf seinem Rückzug von Biberach gegen Schussenried zog und in den ersten Tagen des Monats Oktober 1796 die österreichische Armee unter Anführung des Gr. Latour zur Flucht nöthigte, stellte sich eine Abtheilung des Condé’schen Corps hier auf, um den Rückzug zu decken, und brannte die Mühle ab.
  • 3) Berg, ein k. W. mit 44 Einw., Filial von Schw., mit 3 fürstl. Lehenhöfen, dem Staat groß- und kleinzehentpflichtig. Er liegt auf dem Berg neben Schweinhausen, und hat eine schöne Aussicht.|
  • 4) Benzenhaus, ein einzelnes großes Haus mit 31 k. Einw., Filial von Hochdorf, 1794 erbaut. Die Bewohner, lauter arme Leute, haben nur 11/8 Morgen Feld zur Benützung und nähren sich meist durch Sticken, Spinnen, Tagwerken und Viehhüten. Die Zehenten bezieht die Pfarrei Hochdorf.
  • 5) Busenberg, ein k. W. mit 22 Einw., Filial von Hochdorf, mit 2 großen Bauernhöfen und 2 Tagwerkerhäuschen auf dem Berge, sehr hoch gelegen, mit der schönsten Aussicht gegen den Bussen etc. Die Zehenten bezieht die Pfarrei Hochdorf.
  • 6) Hochgeländ, ein einzeln stehender, ehemals steuerfreier Hof mit 4 k. Einw., einer der höchsten Punkte des Oberamts, Filial von Hochdorf, s. S. 6, 23. Der Hof ist vor 130 Jahren durch Urbarmachung entstanden. Die Zehenten bezieht ebenfalls die Pfarrei Hochdorf.
  • ) Wettenberg, ein k. W. mit 45 Einw., Filial von Schweinhausen, auf einer Anhöhe, mit ansehnlichen f. Schupflehengütern, welche dem Staat, von Ochsenhausen her, zehentpflichtig sind. In dem nahe gelegenen Wald Wannenholz sind noch Wallgraben an der Spitze eines sehr tiefen und wilden Tobels sichtbar, die Spuren einer in der ältesten Zeit daselbst gestandenen Burg verkündend. Die Umgebung ist noch jetzt unter dem Namen „Burgplatz“ bekannt.


  1. Multa praedia a Nobilibus adquisita filiis suis distribuit – utpote. . . illius de Warthusin, – de Swainhusen etc. Ein Gottfried v. Schweinhausen kommt noch 1186 vor.
  2. Nach einer Urkunde von 1376, ausgestellt von Johann von Schellenberg, war der Pfarrer in Ummendorf verpflichtet, wöchentlich eine Messe in Schweinhausen oder in der Burg daselbst zu lesen, und der Burgvogt hatte ihn dafür zu entschädigen.